• Es ist schon fast Tradition, dass Finnland mit seinem ESC-Beitrag provoziert
  • Auch 2025 wird es beim Eurovision Song Contest laut und wild
  • Dafür sorgt Erika Vikman mit ihrem Song „Ich komme“

Finnland bleibt sich treu. Oder anders gesagt: Finnland bleibt rebellisch. Seit Jahren schickt das Land Acts zum Eurovision Song Contest, die vor allem eins sollen: anecken. In Basel 2025 übernimmt diesen Part nun Erika Vikman, mit einem Lied, das in Sachen Doppel- oder eher Eindeutigkeit keine Fragen offenlässt. Der Titel? „Ich komme“.

ESC 2025: Erika Vikman fährt für Finnland zum ESC

Erika Vikman ist in ihrer finnischen Heimat keine Unbekannte. Die 30-Jährige wurde 2013 durch ihre Teilnahme an der Castingshow „Pop Idol“, der finnischen Version von „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt, bei der sie es bis ins Viertelfinale schaffte. 2017 trat sie erstmals beim Gesangswettbewerb des traditionsreichen Tangomarktes in Seinäjoki an und wurde Zweite. Ein Jahr holte sie dann den Sie und wurde zur „Tangokönigin“.

2020 katapultierte sie sich mit dem knallpinken Elektroschlager „Cicciolina“ in die finnischen Popcharts – ein Song, der eine italienische Pornolegende zur feministischen Ikone umdeutet. Schon damals trat sie im finnischen ESC-Vorentscheid an und landete als Publikumsfavorit schließlich auf dem zweiten Platz.

Erika Vikman vertritt Finnland beim ESC 2025.
Erika Vikman vertritt Finnland beim ESC 2025. Im Vorentscheid schwebte sie auf einem gigantischen Mikrofon über die Bühne.© EBU | Miikka Varila

Mit ihrer Mischung aus Retro-Ästhetik, Sex-Appeal und bewusstem Trash hat sich Vikman eine eigene Nische geschaffen. In Finnland wird sie deshalb geliebt, gehasst – und von den einen als Kunstfigur gefeiert, von den anderen als kalkuliertes Produkt belächelt. Für den ESC ist sie jedenfalls wie gemacht: laut, bunt, unverwechselbar. Aber eben auch typisch finnisch-provokant.

Finnland beim ESC 2025: Das ist Erika Vikmans Lied „Ich komme“

„Ich komme“ ist so vieles, aber kein subtiler Song. Der Titel ist Programm, die Doppeldeutigkeit kalkuliert – das weiß auch Erika Vikman selbst, die mit ihrer deutschen Zeile wohl darauf spekuliert, einen TikTok-Hype auszulösen. Musikalisch bewegt sich der Song zwischen Disco-Schlager und Electro-Kitsch, irgendwo zwischen Helene Fischer im Rausch der 80er und einer Drag-Performance im Neonlicht.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der Refrain? Eingängig. Die Message? Ambivalent. Und genau das ist auch das Problem: Zwischen Empowerment und Effekthascherei verschwimmen die Grenzen. Sicher, es ist kreativ, Finnlands Beitrag mit einem deutschsprachigen Titel zu versehen – allein das sorgt für Aufmerksamkeit. Aber reicht das, um ganz oben mitzuspielen? „Ich komme“ wird auffallen, keine Frage. Es wird Memes geben, TikToks, wahrscheinlich auch einen großen Mitsing-Moment in Basel. Aber musikalisch bleibt der Song hinter anderen. Die Botschaft will emanzipiert sein, wirkt aber wie aus der finnischen ESC-Provokationsschmiede.

Erika Vikman mit „Ich komme“: Der finnische ESC-Beitrag im Video

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Youtube, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

So erfolgreich war Finnland zuletzt beim Eurovision Song Contest

Finnland hat seit dem Sieg von Lordi im Jahr 2006 ein ganz eigenes Verhältnis zum ESC entwickelt – zwischen rotzigem Metal, absurdem Humor und queerer Clubkultur. Der zweite Platz von Käärijä mit „Cha Cha Cha“ 2023 war ein Triumph des Andersseins, während Windows95man 2024 vor allem zeigte, dass provokatives Anderssein allein eben nicht reicht.

JahrActTitelPlatz
2021Blind ChannelDark Side6
2022The RasmusJezebel21
2023KäärijäCha Cha Cha2
2024Windows95manNo Rules!19

2025 setzt Finnland trotzdem wieder eine schrille Show, ein catchy Titel, ein greller Auftritt. Erika Vikman wird für Aufsehen sorgen – das ist sicher. Doch wie weit man mit einem provokativen Titel allein kommt, bleibt abzuwarten. Fürs Finale reicht es locker, ein Platz in den Top Ten ist realistisch. Aber zum Sieg braucht es dann doch ein bisschen mehr als einen zweideutigen Songtitel.

Eurovision Song Contest 2025: Das sind die ESC-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer