Meterdicke Stahlbetonwände, gefilterte Luft und kein Tageslicht: Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind sie wieder zum Thema geworden, Zivilschutzbauten, Schutzräume oder einfach Bunker genannt. In Berlin gab es nach dem Zweiten Weltkrieg noch rund 360 Schutzbauten, die errichtet worden sind, um die Bevölkerung vor Luftangriffen zu schützen. Die Alliierten befahlen in der Regel die Sprengung, was aber nicht bei allen gelang. Einer der verfallenen Betonkolosse, der in Berlin Jahrzehnte lang vor sich hin rottete und an die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft mahnte, bis er einem Neubauprojekt im Weg stand, war der Flachbunker in der Treskowstraße. Alle Infos zu dem ehemaligen Lost Place.
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Das sind die Fakten zum Weltkriegsbunker Treskowstraße im Überblick:
- Adresse: Treskowstraße 21, 13089 Berlin-Heinersdorf
- Geschichte: Anfang der 1940er-Jahre als Luftschutzbunker errichtet; in der Nachkriegszeit Leerstand; bis zur Sprengung des Gebäudes Mitte der 1960er-Jahre
- Bunkertyp: Flachbunker vom Typ 2D mit 18 Kammern; Schutzkapazität für bis zu rund 200 Personen
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Ehemaliger Lost Place
Wo lag der Weltkriegsbunker Treskowstraße genau?
Der Weltkriegsbunker lag an der Adresse Treskowstraße 21 im Ortsteil Heinersdorf des Bezirks Pankow. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: HC6J+H5 Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Grundstück am besten mit den Buslinien 255 und N50 (Haltestelle Treskowstraße) zu erreichen. Von der Busstation benötigt man zu Fuß rund drei Minuten entlang der Treskowstraße bis zu dem Grundstück. Achtung: Von dem Bunker haben sich keine sichtbaren Überreste erhalten. Es handelt sich um Privatgelände.
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Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Weltkriegsbunkers Treskowstraße:
Ausgangslage: Luftschutz-Sofortprogramm für Berlin im Zweiten Weltkrieg

Der erste Luftangriff auf Berlin im Zweiten Weltkrieg fand in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1940 durch ein einzelnes französisches Flugzeug statt. Im August 1940 folgten gestaffelte Angriffe der britischen Royal Air Force auf die Hauptstadt des Dritten Reichs. Als die ersten Fliegerbomben die Reichshauptstadt Berlin trafen, reagierte die NS-Führungsriege nervös.

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Auf persönlichen Befehl des Oberkommandierenden und Reichskanzlers Adolf Hitler wurde hektisch mit den Vorbereitungen für ein Bunkerbau-Sofortprogramm begonnen. Betonbauten schossen in Berlin aus dem Boden. Unter der Federführung der „Baugruppe Langer“ des Generalbauinspektors – einer von Albert Speer geleiteten Behörde – entstanden Normbunker für die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die militärische Ziele schützen sollten: Militär-, Flak, Nachrichten- und Kommandobunker.
In den Wohngebieten am nördlichen Stadtrand begannen noch Anfang der 1940er-Jahre die Erdarbeiten. Auf freien Arealen und Grundstücken wurden Zivilschutzbunker gebaut, die je nach verfügbarem Bauland Hunderten bis Tausenden Personen Schutz vor Bombenangriffen bieten konnten. Bald durchzog nördlich und südlich der Spree ein Netz aus Hoch- und Tiefbunkern die Nachbarschaften. Einer der Schutzbauten, der die Bewohner im Norden schützen sollte, war der Flachbunker an der Treskowstraße in Heinersdorf.
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Weltkriegsbunker Treskowstraße: Schutzbau der „ersten Welle“
Der Bunker gehörte zur „ersten Welle“ der während des Bunker-Sofortprogramms von 1940/1941 in Berlin errichteten Schutzbauten. Insgesamt waren es an die 1000 Anlagen, die gebaut wurden, wovon etwa 500 Flachbunker für einhundert bis dreihundert Personen in dicht besiedelten Wohngebieten entstanden. Die Schlüssel für eine Kammer mit jeweils zwei 3-Stockbetten wurden bevorzugt an kinderreiche Familien aus der Umgebung vergeben. Zusätzlich gab es zumeist Aufenthalts- und Sanitärräume sowie Schleusen, Räume für die Bunkertechnik und für das Luftschutzpersonal beziehungsweise den Bunkerwart.
Der Bunker an der Treskowstraße war als öffentlicher Zivilschutzbunker konzipiert. Unmengen von Stahlbeton wurden dafür auf einer rund 600 Quadratmeter großen Baufläche auf einem zuvor unbebauten Grundstück an der heutigen Treskowstraße 21 verbaut. Südlich grenzte die Gartensiedlung „Einigkeit“ mit Kleingartenparzellen, Lauben und Datschen an; einige Hundert Meter im Norden der Pflanzenverein „Friedrichshöhe II“ und weitere Gartensiedlungen. In der unmittelbaren Umgebung des Bunkers an der nördlichen Seite der Treskowstraße lag ein schmales Gewerbe- und Industriegebiet mit holzverarbeitender Industrie und Zuckerwaren-, Brot- und Konfitürenfabriken.
Weltkriegsbunker Treskowstraße: So war der Bunker aufgebaut

Bei dem Anfang der 1940er-Jahre errichteten Bunker an der Treskowstraße handelte es sich um einen Flachbunker vom Typ 2D mit 18 Schutzkammern. Der Bunker war mit der Stirnseite an der Straßenflucht der Treskowstraße ausgerichtet und für die Bewohner der angrenzenden Kleingartenanlagen und Arbeiter der Industriebetriebe bei Fliegeralarm fußläufig zu erreichen.
Zwei seitliche Zugänge führten über Treppen in das unter dem Straßenniveau liegende Bunkerinnere. Dort riegelten dicke Eisentüren mit Sichtlöchern die dahinterliegenden Schutzräume hermetisch ab. Vorbei an Sanitärräumen und der Bunkeraufsicht führten zwei parallele Gänge mit je sechs Kammern sowie einer Kammerzeile in der Mitte zum hinteren Ausgang. Dort gab es einen größeren Aufenthaltsraum, einen Sanitärraum, einen Heizungsraum, Sandfilter, Lüftungsgeräte und Schutztüren, die die zweite Schleuse des hinteren Notausgangs sicherten. Es gab für Männer und Frauen getrennte Sanitärbereiche, einen Wasserzulauf und einen Generator für Elektrizität.
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Weltkriegsbunker Treskowstraße: Schutz unter meterdickem Stahlbeton
Im Sanitärbereich befanden sich Toiletten- und Waschräume. Die Schutzzellen der Bunker waren als Schlafkammern mit einer Grundfläche von etwa sechs Quadratmetern ausgelegt, in denen jeweils zwei dreistöckige Betten standen. Die Bauwerke wurden durch Luftschutzsymbole als Zufluchtsstätte gekennzeichnet. Die Rettungswege im Inneren – und Hinweise wie „Nicht rauchen“ und „Ruhe bewahren“ – waren mit fluoreszierender Farbe auf den Bunkerwänden angebracht. So konnten Fluchtwege auch bei einem Totalausfall der Bunkertechnik noch genutzt werden.
Bei Luftalarm liefen Familien mit ihren Kindern zu dem Bunker in der Treskowstraße, in dessen schützenden Wänden ihnen – sofern sie einen Berechtigungsschein hatten und sie den Bunker rechtzeitig erreichten – reservierte Schlafräume zur Verfügung standen. Für die älteren Anwohner oder auch zufällig Schutz suchenden Passanten gab es größere Räume mit Holzbänken. Der Einlass wurde durch Luftschutzpersonal geregelt. Wer nach Fliegeralarm den zumeist überfüllten Bunker nicht rechtzeitig erreichte, stand vor verschlossenen Türen. Doch auch im Inneren herrschte häufig beklemmende Todesangst.
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Weltkriegsbunker Treskowstraße: Luftarmut führte zu Panik im Bunker
Als sich in den letzten Kriegsjahren die Bombenangriffe auf Berlin verstärkten, wurden bomben-, trümmer- und splittersichere Luftschutzbauten als Zuflucht für die Bevölkerung immer wichtiger. Sirenen, gepackte Koffer und Nächte in dichtgedrängten Schutzbunkern gehörten zum Alltag in der Reichshauptstadt. Doch nicht nur durch Bombentreffer und Verschüttung konnten die unterirdischen Betonkolosse zum Todesfall werden.
Wenn die elektrische Belüftung ausfiel, konnten die Bunker noch manuell durch Handkurbeln mit Strom und Luft versorgt werden. Doch die Anstrengungen waren enorm, um die verbrauchte Luft im Bunker auszutauschen und einen ausreichenden Sauerstoffgehalt aufrechtzuerhalten. Oft war die Luft so dünn und die Situation so beengend, dass Menschen in Panik gerieten. Vereinzelt kam es in den Berliner Schutzbauwerken durch bloße Überfüllung, Gedränge und tumultartige Ausnahmezustände zu Todesfällen.
Weltkriegsbunker Treskowstraße: Letzte Zuflucht in der Schlacht um Berlin

Der Flachbunker an der Treskowstraße erhielt im Zweiten Weltkrieg keinen direkten Treffer – und rettete vermutlich etlichen Anwohnern das Leben, die sich während der Fliegerangriffe, die sich ab 1943 auf die Reichshauptstadt verstärkten, in das Bunkerinnere retten konnten. Im Frühjahr 1945 erreichten Verbände der Roten Armee die Stadt. Die Bombenangriffe der Briten und US-Amerikaner wurden im April 1945 eingestellt, um die sowjetische Bodenoffensive zu ermöglichen, der eigene Bombardements aus der Luft und Artillerieschläge vorausgingen.
Vom Norden rückte Marschall Georgi Schukow (1896–1974) mit Verbänden der 1. Weißrussischen Front von Marzahn aus in Richtung Innenstadt vor. Trotz des Versuchs von versprengten Wehrmachtssoldaten und NS-Funktionären – im Volksmund wegen ihrer goldbraunen Uniform „Goldfasane“ genannt – Zivilbunker in das Kampfgeschehen miteinzubeziehen und Waffen an die Bunkerinsassen zu verteilen, verlief die Übergabe der Berliner Schutzbunker in der Regel friedlich und ohne Widerstand. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Die zahlreichen Luftschutz- und Militärbunker in Berlin waren funktionslos geworden.
Weltkriegsbunker Treskowstraße: Lost Place seit der Nachkriegszeit
Nach Kriegsende wurden bis 1948 mehr als die Hälfte der Bunker und Luftschutzstollen Berlins im Rahmen der Entmilitarisierung durch die Alliierten abgebaut oder gesprengt. Die Zivilbevölkerung reagierte mit Unverständnis: Schließlich gehörten die Bunker in manchen Stadtteilen zu den wenigen noch intakten kommunalen Bauwerken. In den ersten Nachkriegsmonaten fanden in ihnen ausgebombte Familien, Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge und Kälteopfer einen Unterschlupf. Für die Beseitigung der Stahlbetongiganten waren Tonnen an Sprengstoff nötig.
Überall in der Stadt detonierten Sprengladungen – doch viele der Betonkolosse hielten den Abrissmaßnahmen stand; manche wurden kurzerhand zugeschüttet oder erhielten eine zivile Funktion als Notunterkunft oder als Lager für Lebensmitteln, Hausrat oder von Mitteln des täglichen Bedarfs. Die gleichbleibenden Temperaturen unter der Erde und der Schutz vor Witterung hinter meterdickem Beton boten sich für diese Zwecke an. Einige der Zivilschutzbunker im Westen der Stadt wurden für die Lagerung der Senatsreserve herangezogen. Der Bunker in der Treskowstraße befand sich in der Nachkriegszeit im sowjetisch kontrollierten Teil der Stadt. Er wurde von der russischen Militäradministration zunächst stehen gelassen, hatte aber keine Funktion mehr und stand leer.
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Weltkriegsbunker Treskowstraße: Verfall und Vandalismus an dem Kriegsrelikt
Während an den Gebäuden rings um den Weltkriegsbunker die Aufräum- und Aufbauarbeiten begannen, fiel das Bauwerk aus Kriegstagen – an dem kaum jemand Interesse zeigte, außer spielenden Nachbarskindern – in einen Jahrzehnte währenden Dornröschenschlaf. Wildwuchernde Pflanzen rankten sich an den ehemaligen Lüftungsschächten und den Betonwänden der Eingänge empor. Teile der Bausubstanz waren bereits marode geworden, ohne dass an der Statik des tonnenschweren und zum größten Teil im Boden versenkten Betonkolosses auch nur die geringsten Zweifel aufkeimten. Am Boden des Bunkers sammelte sich Schutt, Dreck und Brackwasser; durch die verbliebenen Metallteile fraß sich der Rost und seine hölzernen Einbauten begannen zu vermodern.
Fast zwei Jahrzehnte lang stand der Bunker an der Treskowstraße leer – eine aus der Zeit gefallene geisterhafte Kriegsruine, in deren Innerem die meiste Zeit vollkommene Finsternis herrschte, wenn sich nicht gerade für eine Inspektion die schweren Schutztüren öffneten, ein Lichteinfall die Kammerzellen ins gespenstische Halbdunkel tauchte und die phosphoreszierenden Wandinschriften aus der Nazizeit, die im verwaisten Bunker weiterhin zur Ruhe und Ordnung mahnten, zum Nachglimmen brachte. Anfang der 1960er-Jahre stand der Bunkerbau schließlich einer neuen Nutzung des Geländes im Weg – doch so einfach, wie sich das Ministerium für Bauwesen die Beseitigung vorstellte, sollte es der massive Stahlbetonbunker den Ostberliner Behörden nicht machen.
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Weltkriegsbunker Treskowstraße: Reihe von Fehlschlägen begleitete die Bunkerbeseitigung

Bei der Zertrümmerung von Bunkeranlagen war es in ganz Berlin bereits zuvor zu Rückschlägen und Katastrophen gekommen. Nach mehreren Fehlversuchen hatte beispielsweise die französische Militärregierung am 12. Dezember 1947 den Leitturm Humboldthain gesprengt – erfolgreich, doch das gegenüberliegende AEG-Betriebsgelände glich nach der gewaltigen Explosion einem Trümmerfeld. Am Hohenzollerndamm versuchten sowjetische Pioniere 1945 die Tiefbunkeranlage des einstigen Wehrkreiskommandos III zu zerstören; sämtliche Zugangsbauwerke brachen in sich zusammen. Die halbeingefallene Ruine mussten später britische Pioniere sichern.
Abseits von Fehlschlägen, bei denen sich die unveränderten Silhouetten der widerspenstigen Bunkerbauten wieder zeigten, nachdem sich Rauch und Staub gelegt hatten, kam es immer wieder auch zu Beschädigungen und Personenschäden. Eine der größten Sprengkatastrophen ereignete sich im November 1949, als britische Pioniere einen Bunkertorso am Elsterplatz in Wilmersdorf zerstören wollten. Der Druck der Explosion war so stark, dass in den umliegenden Straßen in bis zu einem halben Kilometer Entfernung Mauerwände in sich zusammenbrachen. Bei der Sprengung wurde eine Person getötet, zahlreiche weitere Menschen verletzt.
Weltkriegsbunker Treskowstraße: Betonbrocken durchschlugen die Dächer in der Nachbarschaft
Auch die Beseitigung des leerstehenden Flachbunkers an der Treskowstraße kommt nicht ohne unliebsame Begleitschäden aus. Bevor die Arbeiten mit schwerem Gerät an dem Betonkoloss begannen – die mühsame Zertrümmerung, bei der spezielle Bagger, armdicke Meißel an hydraulischen Rammen und Betonfräsen zum Einsatz kamen – sollte die Struktur des Stahlbetonriesen durch die Detonation von Sprengmitteln geschwächt werden. Beginnend im Oktober 1962 wurden insgesamt 36 Teilsprengungen ausgeführt, um die meterdicken Bunkerwände, die Schutzdecke und das Bunkerfundament ausreichend zu zertrümmern.
Bei den Explosionen flogen bis zu kindskopfgroße Betontrümmer durch die Luft; Bunkterteile trafen die Gebäude der Nachbarschaft. Dächer und Häuser der Lauben in den umliegenden Gartenkolonien wurden durchschlagen. Wie durch ein Wunder wurd niemand verletzt. Vier Monate dauerte die Zerlegung des Bunkers und das Abräumen der Bunkertrümmer und des -schutts von der Baustelle, dann waren die Arbeiten im Januar 1963 beendet. Von dem ehemaligen Weltkriegsbunker, der Jahrzehnte lang leer stand, haben sich auf dem Gelände keine sichtbaren Überreste erhalten. In der DDR-Zeit wurde das beräumte Areal als Lagerplatz genutzt. Heute befindet sich ein mehrgeschossiges Wohnhaus auf dem Gelände, auf dem sich einst der Weltkriegsbunker befand.
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