• Berlin-Pankow steckt voller geheimnisvoller Lost Places
  • Verlassene Bauwerke in Pankow sind beliebte Spots für Abenteuerlustige
  • Der Wasserturm Heinersdorf ist eine der spektakulärsten Ruinen in Berlin

Mitten im Pankower Ortsteil Heinersdorf steht ein Bauwerk, das nie ganz das wurde, was es einmal sein sollte: Der Wasserturm an der heutigen Tino-Schwierzina-Straße war ursprünglich als Turm eines Rathauses geplant – doch das dazugehörige Verwaltungsgebäude wurde nie gebaut. Übrig blieb der imposante Turm, der heute unter Denkmalschutz steht und als eines der markantesten Relikte Berliner Stadtgeschichte gilt.

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Der Wasserturm bis heute zahlreiche Neugierige an: Abenteuerlustige, Fotobegeisterte und Geschichtsinteressierte schätzen den Ort als geheimnisvollen Lost Place.

Hier erfahren Sie alle wichtigen Infos zur Geschichte des Wasserturms Heinersdorf:

Wasserturm Heinersdorf: Das sind die wichtigsten Fakten

  • Adresse: Tino-Schwierzina-Straße, 13089 Berlin-Heinersdorf
  • Geschichte: Errichtung 1910–1911 nach einem Entwurf des Charlottenburger Ingenieurs Emil Prinz; Leerstand seit Abzug der Alliierten 1994
  • Führungen: Keine. Das Betreten des Gebäudes ist nicht erlaubt
  • Status: Aktueller Lost Place
  • Planung: Der Bezirk plant, einen Bildungscampus im Turm einzurichten

Wo liegt das Wasserturms Heinersdorf genau?

Der Wasserturm liegt nördlich der Grundschule am Wasserturm in der Tino-Schwierzina-Straße 66 im Ortsteil Heinersdorf im Bezirk Pankow. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Turm mit den Buslinien 158 oder N58 zu erreichen (Haltestelle: Am Wasserturm) beziehungsweise mit der Tramlinie M2, die ebenfalls die Haltestelle Am Wasserturm anfährt.

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Wasserturms Heinersdorf:

Ausgangslage: Bedarf eines Rathauses in Heinersdorf

Weil die eigenständige Gemeinde Heinersdorf Ende des 19. Jahrhunderts ein rasantes Wachstum erlebte, wurde der Beschluss gefasst, ein eigenes Rathaus zu bauen. Ursprünglich war geplant, dass der Turm ins Heinersdorfer Rathaus integriert und stolzes Wahrzeichen der Landgemeinde werden sollte.

Wasserturm Heinersdorf: Errichtung in der Kaiserzeit

Da zu Beginn des Ersten Weltkriegs aber die finanziellen Mittel für den Rathausbau fehlten, wurde das Bauvorhaben erst einmal auf Eis gelegt. Lediglich der Rathausturm wurde in den Jahren 1910 bis 1911 fertiggestellt. Nach Kriegsende hätte das Bauvorhaben am Wasserturm fortgesetzt werden sollen.

Aber wieder schlug das Schicksal den Heinersdorfern ein Schnippchen: Mit der Eingemeindung 1920 zu Groß-Berlin wurde Heinersdorf in den Bezirk Pankow integriert. Ein eigenes Rathaus war nun nicht mehr nötig. Als Wasserturm konnte der Rathausturm aber auch nicht mehr benutzt werden, weil die Wasserversorgung inzwischen mittels unterirdisch verlegter Druckwasserleitungen erfolgte. Guter Rat war nun teuer: Was sollte aus der Neubauruine werden?

Wasserturm Heinersdorf: Flakstellung im Zweiten Weltkrieg

Pankow will den Wasserturm Heinersdorf zurückkaufen und Campus-Pläne im Hinblick auf ein riesiges neues Wohnquartier verwirklichen.
Pankow will den Wasserturm Heinersdorf zurückkaufen und Campus-Pläne im Hinblick auf ein riesiges neues Wohnquartier verwirklichen.© Berliner Morgenpost | Thomas Schubert

Mit 46 Metern Höhe war der Stahlbetonbau damals nicht zu übersehen. Eine riesige Uhr zierte die Fassade, gekrönt wurde der Rathausturm durch eine prächtige kupferne Kuppel. Nur eine sinnvolle Nutzung war nicht in Sicht. In den Jahren 1934/1935 wurden nach Plänen des Architekten Richard Ermisch am Wasserturm wenigstens eine Gemeindeschule samt Turnhalle errichtet. Der Turm sollte im Schulentwurf als "Aussichtsturm der Heimat- und Sternenkunde dienen".

Erst zogen Grundschüler ein, dann die Hitler-Jugend und zuletzt der Volkssturm, als der Turm im vorletzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs mit einer Flakstellung auf dem Dach versehen wurde. Der Rest des Turms war als Behelfslazarett und Kornspeicher genutzt worden.

Wasserturm Heinersdorf: Horchposten während der DDR

In der Nachkriegszeit nutzten die sowjetischen Streitkräfte das hohe Gebäude als militärischen Stützpunkt hauptsächlich zur Überwachung des Flugverkehrs mit dem Flughafen Tegel. Gleichzeitig dienten die beiden unteren Geschosse vorübergehend als Schule. Eine Sanierung des Rathausturms ohne Rathaus blieb in der DDR-Zeit aus. Das Baumaterial verfiel. Bis heute sind die Kriegsschäden und Einschusslöcher an der Fassade des rechteckigen Turms deutlich sichtbar.

Wasserturm Heinersdorf: Nach der Wende verkam der Turm zum Lost Place

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Nach dem Mauerfall und dem Abzug der Alliierten stand der Turm leer und wurde vom zuständigen Bezirksamt zum Verkauf ausgeschrieben. Ab 2008 wechselten mehrfach die Eigentümer der Liegenschaft. Pläne für einen Loft-Umbau des Turms zu einem Wohngebäude durch Investoren scheiterten. Das Bezirksamt genehmigte nicht den geplanten Umbau des denkmalgeschützten Objekts zu Wohnzwecken. Im Jahr 2014 brannte das Innere des Turms aus und das hölzerne Treppenhaus wurde völlig zerstört. Die Brandursache ist bis heute unklar.

Feuerwehrmänner löschen am 24.06.2014 in Berlin-Heinersdorf den  ehemaligen Wasserturm.
Feuerwehrmänner löschen am 24.06.2014 in Berlin-Heinersdorf den ehemaligen Wasserturm.© picture alliance/dpa/Maurizio Gambarini | Unbekannt

Wasserturm Heinersdorf: Gibt es Zukunftspläne?

Pläne zur Neunutzung des Wasserturms hat Pankow bereits in der Schublade liegen: Der Bezirk möchte das einstige Wahrzeichen kaufen, um darin einen Bildungscampus mit Kita zu eröffnen (Stand 2024). Der Bezirk möchte das Gesamtvorhaben umsetzen und will dazu auf den derzeitigen Grundstückseigentümer zugehen. Auf Anfrage von Grünen-Politikerin Koufen bestätigte der Bezirk 2024 anstehende Sicherungsmaßnahmen: „Das Bezirksamt unternimmt derzeit alle notwendigen Schritte zur Sicherung des Denkmals, um insbesondere von der Bausubstanz ausgehende Gefahren zu beseitigen“, heißt es.