- Die ehemalige Irakische Botschaft ist seit 1991 ein „Lost Place“
- Was sich hinter diesen Wänden abspielte, sorgt heute immer noch für Aufsehen
- Die wichtigsten Infos rund um die ehemaligen Irakische Botschaft an der Tschaikowskistraße
Einst diplomatischer Stützpunkt, heute verlassene Legende: Die ehemalige Irakische Botschaft im Pankower Ortsteil Niederschönhausen ist vieles zugleich – ein mutmaßliches Terrornetz, ein Betonungetüm im DDR-Stil und ein düsterer Magnet für Fans von Lost Places. Seit 1991 steht das Gebäude an der Tschaikowskistraße leer – und zieht mit seiner verfallenen Ästhetik viele Abenteuerlustige und Hobbyfotografen an. Hier erfahren Sie alles über die Geschichte des "Lost Place" in Berlin.
Die Fakten zur ehemaligen Irakischen Botschaft in Berlin-Pankow im Überblick:
- Adresse: Tschaikowskistraße 51, 13156 Berlin-Niederschönhausen (Pankow)
- Geschichte: Eröffnung 1974; Schließung im Jahr 1991
- Status: Aktueller Lost Place. Das Gebäude ist verfallen und unzureichend gesichert, sodass es immer wieder zu Graffitischäden kommt.
- Führungen: Keine. Das Betreten des Geländes ist verboten.
- Zukunft: Keine aktuellen Pläne
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der ehemaligen Botschaft Iraks in der DDR:
Alte Irakische Botschaft in Berlin-Pankow: Geschichte, Architektur, Verfall

Der Bau wurde 1974 an der Tschaikowskistraße am östlichen Zipfel des Volksparks Schönholzer Heide eröffnet und gehörte zu einer ganzen Reihe von Botschaftsbauten des damals rasch wachsenden Diplomatenviertels. In direkter Nachbarschaft befanden sich die Botschaften Frankreichs, Italiens, Polens und Australiens. Die Beziehung zwischen der DDR und dem Irak hatte zur damaligen Zeit etwas Singuläres: Der Irak war der erste nicht-sozialistische Staat, der die DDR völkerrechtlich anerkannte.
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Weniger besonders gestaltete sich hingegen die Architektur der Botschaft: Sie erfolgte nach typisierter Plattenbau-Fertigung und Vorlagen des Architekten Horst Bauer, der etwa auch für den Bau des berühmten Cafés Moskau an der Karl-Marx-Allee verantwortlich war.
Nach Mauerfall und zweitem Golfkrieg verließen irakische Diplomaten 1991 die Bundesrepublik. Seitdem steht das Gebäude leer und ist dem Verfall preisgegeben. Denn: Irakische Diplomaten nutzen seit 2010 eine Villa an der Pacelliallee in Dahlem als Botschaftsgebäude.
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Pankow: Ehemalige Botschaft des Iraks als Terror- und Agentennest?

Was macht die ehemalige Irakische Botschaft an der Tschaikowskistraße auch heute noch so faszinierend? Sicherlich auch, dass hinter den wuchtigen Beton-Platten möglicherweise Terrorpläne ausgeheckt und Anschläge vorbereitet wurden. Denn die DDR gewährte arabischen Kämpfern des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein Unterschlupf, heißt es in diversen historischen Berichten. So meldete der "Spiegel" 1991, die Botschaft habe bis zur Wende als "Drehscheibe für Saddams Terrorbrigaden" gegolten. Mehr noch: Nach Geheimdienstinformationen waren in der ehemaligen Irakischen Botschaft massenhaft Waffen und Sprengstoff eingelagert, so das Magazin.
Die Iraker hätten demnach über ihre Botschaft unbehelligt von der Stasi einen Sprengstoffkoffer in den Westen schleusen können, heißt es in dem Bericht weiter. Mit der Bombe sollten Teilnehmer einer oppositionellen irakisch-kurdischen Studentenversammlung getötet werden. Der Plan scheiterte, die Täter stellten sich vor der Detonation der Polizei.
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Die ehemalige Irakische Botschaft heute: ein schauriger "Lost Place" – und streng verboten

Seit 32 Jahren steht das Beton-Ungetüm nun leer. Bilder bei Instagram zeigen indes, dass Hobby-Fotografen das Botschaftsgebäude auch aktuell als Kulisse für ihre Fotos nutzen. Dabei lassen sie sich nicht abschrecken von unmissverständlichen Hinweisen auf Schildern, die im Garten der Botschaft platziert sind: "Privatgrundstück. Betreten verboten! Das Gebäude ist Eigentum der Botschaft der Republik Irak in Berlin und genießt diplomatische Immunität. Die betretende Person haftet rechtlich für den unbefugten Zutritt. Eltern haften für ihre Kinder!"
Was sich also im Inneren des Gebäudes befindet, lässt sich nur über historische Fotos oder aktuelle Instagram-Bilder erschließen. Eine umfangreiche Foto-Reportage aus dem Jahre 2015 (siehe Bildergalerie oben) zeigt etwa etliche arabisch-sprachige Akten und Propaganda-Material mit dem Konterfei von Saddam Hussein. Die ehemaligen Büros sind verwüstet und mit Graffiti überzogen. Liebhaber vorsintflutlicher Büro-Geräte kommen beim Anblick von Schreibmaschinen oder Schreddern ins Schwärmen. Vermeintlich neuere Aufnahmen zeigen: Daran hat sich bis heute kaum etwas verändert.

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Wer einen – zugegeben stark inszenierten – Eindruck vom Zustand der Botschaft erhalten möchte: Im Jahr 2009 wurde ein Musikvideo in dem Gebäude produziert. Das Video finden Sie hier:
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Zukünftige Nutzung der ehemaligen Irakischen Botschaft in Pankow offen
Was aus dem "Lost Place" wird, ist aktuell offen. Morgenpost-Anfragen an die Irakische Botschaft in Dahlem blieben unbeantwortet. Sobald aktuelle Informationen über mögliche Pläne vorliegen, erfolgt an dieser Stelle eine Aktualisierung des Artikels.
Eigentümerin des Grundstücks ist die Bundesrepublik Deutschland und die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die Republik Irak hat ein unbefristetes Nutzungsrecht, das auch aktuell weiter gilt, wie die BImA auf Morgenpost-Anfrage mitteilte.




