Wer eine Baufinanzierung abschließen möchte, sollte in einem ersten Schritt eine ordentliche Finanzplanung durchführen. Nur so können Kreditnehmer sicherstellen, dass sie die monatliche Rate langfristig tragen können. Doch trotz Planung kann irgendwann ein Zinsrisiko entstehen. Durch steigende Bauzinsen kann die Traumimmobilie dann schnell zum finanziellen Desaster werden. Was Kreditnehmer beachten sollten und wie sie sich vor einem Zinsänderungsrisiko schützen können.

Zinsänderungsrisiko: Warum eine Baufinanzierung selten komplett planbar ist

Banken passen die Zinsen für Immobilienfinanzierungen laufend an, wodurch ein Zinsänderungsrisiko entsteht. Selbst wer aktuell eine günstige Baufinanzierung abgeschlossen hat, muss damit rechnen, dass sich die Konditionen nach Ablauf der Sollzinsbindung ändern können.

Besonders ausgeprägt ist das Zinsänderungsrisiko bei variablen Krediten, bei denen der Zinssatz regelmäßig an den aktuellen Marktzins angepasst wird. Wer diese Finanzierungsform wählt, nimmt das Risiko schwankender Zinsen bewusst in Kauf. Doch auch Kreditnehmer mit anderen Darlehensformen sind nicht vollständig davor geschützt.

Eine Familie bezieht ihr neues Eigenheim
Kreditnehmer sollten sich eines Zinsänderungsrisikos bewusst sein. © Getty Images | blackCAT

Auch wer eine Anschlussfinanzierung braucht, kann sich in einem neuen Zinsumfeld wiederfinden. Besonders deutlich wurde das nach Ende der Niedrigzinsphase 2022. Vor diesem Umbruch lagen die Zinsen für zehnjährige Darlehen bei einem oder sogar unter einem Prozent. Derzeit liegen sie hingegen in einer Spanne zwischen 3,5 und 4,0 Prozent. „Das Zinsumfeld hat sich für die meisten Anschlussfinanzierer grundlegend verändert“, erklärt Immoscout24-Chefin Gesa Crockford.

Sind die Zinsen gestiegen, müssen Kreditnehmer für das neue Darlehen höhere Kosten einrechnen. Dennoch gibt es Wege, dem entgegenzusteuern.

Zinsänderungsrisiko bei der Baufinanzierung: Wie Kreditnehmer gegensteuern können

Eine Option, um das Zinsrisiko zu umgehen, ist, eine längere Zinsbindung zu wählen. Beispielsweise von 15 Jahren oder sogar 20 Jahren. Das kann Planungssicherheit geben. Der Haken: Diese Sicherheit kostet meist einen Aufschlag – die Zinsen sind also im Vorhinein höher als bei zehnjährigen Darlehen.

Zudem kann niemand mit Sicherheit die Zinsentwicklung vorhersagen, daher könnten die Zinsen in diesem Zeitraum auch wieder sinken. „Grundsätzlich empfehlen wir eine Zinsbindungsstrategie, die zum jeweiligen Käufer beziehungsweise Kreditnehmer passt“, sagt Carsten Zimmermann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Baufinanzierung e. V. Dabei hänge die richtige Zinsbindung vom Einkommen und dem Alter des Kreditnehmers, aber auch von eventuellen Zuwendungen wie Schenkungen oder Erbschaften ab. „In aller Regel werden nur die Kunden, die in die Glaskugel schauen können und fallende Zinsen erwarten, kurzfristige Zinsbindungen bevorzugen“, so der Profi.

>> In unserem Bauzinsen-Radar verfolgen wir die neuesten Konditionsänderungen der Banken. <<

Forward-Darlehen sichern Zinsen für künftige Anschlussfinanzierung

Eine andere Alternative kann ein sogenanntes Forward-Darlehen sein. Damit sichern sich Kreditnehmer die aktuellen Zinsen für eine Anschlussfinanzierung in der Zukunft. „Forward-Darlehen bieten die Möglichkeit, sich in einem schwankenden Zinsumfeld bis zu 60 Monate im Voraus günstige Konditionen zu sichern“, erklärt Oliver Kohnen, Geschäftsführer vom Kreditvermittler Baufi24. Das Prinzip ist einfach: Sie vereinbaren mit einer Bank bereits heute einen festen Zinssatz für ein Anschlussdarlehen, das erst in der Zukunft – meist nach Ablauf der aktuellen Zinsbindung – ausgezahlt wird.

Während der sogenannten Forward-Phase, also der Zeit zwischen Vertragsabschluss und Auszahlung, leisten Sie noch keine Ratenzahlungen. Allerdings wird für die langfristige Planungssicherheit in der Regel ein Zinsaufschlag erhoben. Ein Forward-Darlehen funktioniert grundsätzlich wie eine klassische Anschlussfinanzierung – mit dem Unterschied, dass Sie sich schon frühzeitig mit einer Bank über die künftigen Konditionen einigen.

Renovierungen eines Hauses
Wer Zinssicherheit will, muss mit höheren Konditionen rechnen. © Getty Images | AndreyPopov

„Wir raten allen Kundinnen und Kunden, deren Zinsbindung innerhalb der nächsten 36 Monate ausläuft, entsprechende Forward-Angebote einzuholen und zu prüfen, ob eine frühzeitige Zinssicherung für sie sinnvoll ist“, so Kohnen. Er ergänzt: „Ebenso empfehlen wir, einen Vergleich mit einer anderen Bank in Betracht zu ziehen – eine sogenannte Umschuldung. Der Vorteil dabei: Die neue Bank nimmt in der Regel eine frische Bewertung der Immobilie vor. Dies führt häufig zu einer Verbesserung des Beleihungsauslaufs, einem zentralen Faktor für die Konditionen der Baufinanzierung.“

Steigende Bauzinsen: Sondertilgungen reduzieren das Risiko

Sondertilgungen können ebenfalls helfen, das Zinsrisiko zu senken. Mit regelmäßigen Sondertilgungen verkürzen Kreditnehmer die Laufzeit ihrer Baufinanzierung und verringern dadurch die Zinszahlungen an die Bank. Bei der Anschlussfinanzierung sinkt dann das Risiko, weil weniger Geld finanziert werden muss.

Viele Banken bieten eine kostenlose jährliche Sondertilgung von bis zu 5 Prozent der Nettodarlehenssumme an. Darüber hinausgehende Beträge kosten oft einen Zinsaufschlag. Eine Sondertilgung mit Zinsaufschlag lohnt sich nur, wenn Kreditnehmer tatsächlich regelmäßig hohe Sondertilgungen einzahlen können. Welche Banken kostenlose Sondertilgungsoptionen bieten.

„Selbst wenn man die Sondertilgungsoption für ein Kalenderjahr in vollem Umfang nur einmal nutzt, sparen Kunden in der Regel bereits mehr Zinsen ein, als der Aufschlag kostet“, ist Daniel Fersch vom Finanzierungsvermittler Dr. Klein überzeugt.

Bausparvertrag: Eine weitere Option für Kreditnehmer

Auch ein Bausparvertrag kann eine sinnvolle Absicherung sein. Kreditnehmer sparen dabei Guthaben an und erhalten im Gegenzug ein Bauspardarlehen zu vorab festgelegten Konditionen. Was bei einem Bausparvertrag zu beachten ist.

Ein Paar vergleicht Angebote
Es gibt mehrere Optionen, um das Zinsrisiko zu senken. © Getty Images | Jacob Wackerhausen

Bauzinsen: Welche Entwicklung erwarten Profis?

Bei all diesen Überlegungen ist es wichtig, eine Vorstellung davon zu haben, wie sich die Bauzinsen künftig entwickeln werden. Für unsere Bauzinsen-Prognose 2026 haben wir mehrere Experten befragt. Diese gehen von steigenden Zinsen in Richtung der 4-Prozent-Marke aus. Das bedeutet: Die Kosten für Immobilienkredite werden tendenziell steigen. Dennoch bleibt der Baufinanzierungsvergleich weiterhin entscheidend. Wer Konditionen gründlich prüft und auch Förderungen von Bund und Ländern berücksichtigt, kann durchaus sparen.

Quellen:

Zinsänderungsrisiko, in: drklein.de. Zuletzt abgerufen am 11.02.2026

Zinsentwicklung in der Baufinanzierung, in: wuestenrot.de. Zuletzt abgerufen am 11.02.2026

Darlehenssumme für Baufinanzierungen auf Jahreshochstand, in: drklein.de. Zuletzt abgerufen am 11.02.2026

Baufinanzierung: Zinsen steigen – Wende 2026?, in: morgenpost.de. Zuletzt abgerufen am 11.02.2026

Forward-Darlehen – wann es sinnvoll ist, in: morgenpost.de. Zuletzt abgerufen am 11.02.2026

Im Gespräch mit Carsten Zimmermann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Baufinanzierung e. V., im November 2025