Seit Jahresbeginn schwanken die Bauzinsen – eine Entwicklung, die für viele Bauherren und Kaufinteressierte zu Unsicherheiten führt. Doch trotz leichter Schwankungen bleiben die Zinsen für eine Baufinanzierung „seit über einem Jahr in einer vergleichsweise stabilen Seitwärtsbewegung“, betont Florian Pfaffinger, Mitglied des Expertenrats beim Finanzierungsvermittler Dr. Klein.
Dennoch fragen sich Kaufinteressenten: Wie geht es weiter? Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent gesenkt. Doch „auf die Bauzinsen wird diese Leitzinssenkung keinen direkten Einfluss haben – sie ist bereits eingepreist“, ist Pfaffinger überzeugt.
Neue Regierung beeinflusst die die Bauzinsen in den kommenden Monaten
Was die Bauzinsen laut Branchenkennern dagegen beeinflussen könnte, sind die aktuellen Gespräche der Regierung. Nach der Bundestagswahl haben Union und SPD mit Sondierungsgesprächen zur Bildung einer schwarz-roten Koalition begonnen.
Viele Kaufinteressierte fragen sich nun, was eine neue Regierung für den Immobilienmarkt bedeuten könnte. „Kaufinteressierte haben aktuell gute Möglichkeiten beim Erwerb einer Immobilie. Die Bauzinsen für 10-jährige Darlehen werden sich bis zur Jahresmitte voraussichtlich zwischen 3 und 3,5 Prozent seitwärts bewegen“, erklärt Mirjam Mohr, Vertriebsvorständin beim Baufinanzierungsplattform Interhyp.
Vor allem bei Bestandsimmobilien mit niedrigen Energieklassen gebe es noch Verhandlungsspielraum. Die besten Bauzinsen finden Sie übrigens in unserem Vergleich für Baufinanzierungen. Darüber hinaus kann auch unser Baufinanzierungsrechner eine Orientierung geben:
Auch Oliver Kohnen, Geschäftsführer der Baufinanzierungsvermittlung Baufi24, stimmt zu: „Die Erwartungen an den mutmaßlich nächsten Bundeskanzler Friedrich Merz sind groß – nicht zuletzt nach der ‚Whatever it takes‘-Ankündigung zum 900 Milliarden Euro schweren Finanzpaket für Rüstung und Infrastruktur.“ Besonders der Wohnungsmarkt könne von dieser Entwicklung profitieren.
Warum sich Baufinanzierungen in der zweiten Jahreshälfte verteuern könnten
Insgesamt hätten sich die Vorzeichen für Bauherren und Immobilienbesitzer verbessert: „Der Anstieg der Baukosten hat sich verlangsamt, während die Auftragslage am Bau wieder leicht anzieht“, so Kohnen. Dennoch warnt der Experte: „Die Bauzinsen könnten bald wieder steigen, wenn die nächste Bundesregierung das mit Sondervermögen finanzierte Investitionspaket umsetzt.“
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Der Anleihemarkt habe diese Entwicklung bereits vorweggenommen: „Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg von 2,4 auf 2,8 Prozent.“ Auch angesichts moderat steigender Immobilienpreise, vor allem in den Metropolen, sollten Immobilieninteressenten gute Einstiegschance nicht verpassen.

Rebecca Scheidler, CEO von Engel & Völkers Finance Germany GmbH, ergänzt auf Instagram: „Die Finanzierungskosten werden kurzfristig eher steigen. Grund dafür ist der außergewöhnliche Anstieg der Bundesanleihen.“ Analysten erwarten, dass die geplanten Sondervermögen der Bundesregierung für Infrastruktur und Verteidigung zu einer erheblichen Ausgabe neuer Bundesanleihen führen werden. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen seien dabei ein Indikator für langfristige Finanzierungen. Mohr fügt hinzu: „Durch den kurzfristigen Anstieg der Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen werden auch die Bauzinsen nach oben gehen.“
Steigen die Bauzinsen jetzt wieder? Das sagen Finanzprofis
Im Interhyp-Bankenpanel gehen über 71 Prozent der Experten von einem erhöhten Zinsniveau in der zweiten Jahreshälfte aus, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Im vergangenen Monat hatten nur 57 Prozent mit steigenden Zinsen für diesen Zeitraum gerechnet. Knapp 14 Prozent der Experten halten fallende Zinsen bis Jahresende für möglich, die restlichen 14 Prozent erwarten ein gleichbleibendes Zinsniveau.
Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf erwartet demnach die Mehrheit des Interhyp-Bankenpanels eine Entwicklung der Bauzinsen in einem Korridor zwischen 3,5 Prozent bis 4 Prozent.
Weitere Expertenprognosen zu den Bauzinsen finden Sie auch hier.
Die Bundesregierung sei jetzt gefragt
Die anhaltend hohe Nachfrage wird auch zu einem knapperen Angebot an Immobilien führen, was Neubau erforderlich macht, um das Angebot zu vergrößern. „Um den Immobilienmarkt zu entspannen, hilft nur Neubau“, sagt Mohr.
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„Die neue Bundesregierung muss nun ihre geplanten Maßnahmen auch wirklich umsetzen. Das gilt nicht nur für den Neubau, sondern auch für die Senkung der Kaufnebenkosten, die nach wie vor viel zu hoch sind. Häufig sprechen wir hier von mehr als 10 Prozent des Kaufpreises.“ Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer wären eine gezielte Maßnahme, um vor allem junge Familien zu entlasten. „Auch hier wäre es wichtig, dass diese Pläne auch umgesetzt werden – obwohl die Höhe der Grunderwerbsteuer natürlich Ländersache ist.“
Ein weiterer Punkt: Jeder Euro, der für Kaufnebenkosten verwendet wird, kann nicht als Eigenkapital eingebracht werden und verteuert somit die Konditionen für Kundinnen und Kunden. „Deshalb ist es so wichtig, mit Blick auf Finanzierungen die Kaufnebenkosten zu senken“, betont Mohr.



