- Die EZB hat den Leitzins auch bei ihrer Sitzung am 11. September unverändert bei 2,00 Prozent belassen.
- Nach acht Zinssenkungen in Folge scheint der Lockerungszyklus vorerst beendet zu sein.
- Finanzexperten geben eine Prognose, wie es 2025 mit dem Leitzins weitergehen könnte
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrer Sitzung am 11. September den Leitzins erneut bei 2,00 Prozent belassen. Damit bestätigt sich die Zinspause, die bereits seit Juli anhält. Zuvor hatte die EZB acht Zinssenkungen in Folge vollzogen. Weitere Anpassungen nach unten erscheinen kurzfristig nicht sehr wahrscheinlich – das signalisierten auch die Währungshüter selbst.
Prognosen zum EZB-Leitzins: Wie es im Oktober und Rest des Jahres weitergeht
„Die EZB sieht zurecht keinen Anlass für Zinssenkungen“, sagte Dr. Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust. Die Beibehaltung des aktuellen Niveaus sei der wirtschaftlichen Lage angemessen: „Zum einen war die gesamtwirtschaftliche Produktion im ersten Halbjahr klar aufwärtsgerichtet und zum anderen liegt die Inflation leicht über dem Ziel der Preisniveaustabilität. Das ließ eine Politik der ruhigen Hand erwarten.“
Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24, sieht den Lockerungszyklus sogar beendet: Der weitere Zinspfad hänge stark von den Wirtschaftsdaten und insbesondere den Inflationserwartungen ab. Weitere Zinsschritte nach unten sind seiner Ansicht nach in diesem Jahr eher unwahrscheinlich: „Der Lockerungszyklus scheint damit zumindest vorläufig beendet – möglicherweise sogar endgültig.“,

Auch Konstantin Veit, Portfoliomanager bei PIMCO, wertet die Entscheidung als Signal für eine längere Pause: „Der Zinssenkungszyklus der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte abgeschlossen sein: Die Inflation liegt im Zielbereich, und das Wachstum zeigt sich robust auf trendähnlichem Niveau.“
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Das Analystenteam der japanischen Bank Nomura erwartet, dass die Inflation im Euroraum um die Zwei-Prozent-Marke pendelt und die EZB bis Dezember 2025 den Einlagensatz auf 1,50 Prozent senken wird. Die jüngsten Preisdaten und die gesunkenen Rohölpreise geben der Notenbank laut Analyst Andrzej Szczepaniak zunehmend Spielraum: „Die erhöhten Inflationssorgen sind unserer Ansicht nach für die EZB endgültig passé.“

Altaf Kassam vom Vermögensverwalter State Street Global Advisors ergänzt: „Die gemäßigte Haltung der EZB lässt uns eine weitere Zinssenkung im Jahr 2025 erwarten, obwohl wir der Ansicht sind, dass kurzfristig keine weiteren Senkungen erforderlich sind.“ Dem stimmen auch die Finanzexperten Konrad Kleinfeld vom Vermögensverwalter SPDR und Bastian Freitag vom Asset Manager Rothschild & Co zu: „Weitere Zinsschritte nach unten sind aus heutiger Sicht nicht zwingend erforderlich“, sagt Kleinfeld.
Wann findet der nächste EZB-Entscheid statt? Wir haben hier alle Termine für die nächsten EZB-Zinsentscheide für Sie zusammengestellt.
EZB-Leitzins: Warum Immobilienkäufer kaum auf günstigere Zinsen hoffen können
Die Finanzexperten sind sich also uneinig darüber, wie viele Zinssenkungen in diesem Jahr noch zu erwarten sind. Immobilienkäufer fragen sich jedoch: Welche Auswirkungen hat die jüngste Entwicklung auf die Konditionen von Baufinanzierungen?
Die Bauzinsen wird die Leitzinssenkung nicht direkt beeinflussen – sie sei sogar bereits eingepreist, sagt Florian Pfaffinger, Mitglied des Expertenrats vom Finanzierungsvermittler Dr. Klein. Anders als häufig gedacht haben die Zinsschritte der EZB in der Regel nur einen geringen Einfluss auf die Bauzinsen. Das liegt daran, dass die Zinsen für Immobilienkredite nicht nur für wenige Tage oder Monate gelten, sondern für viele Jahre. Die meisten dieser Kredite haben einen festen Zins, also eine Zinsbindung, von mehr als zehn Jahren.
Nach Einschätzung von Oliver Kohnen, Geschäftsführer des Baufinanzierungsvermittlers Baufi24, liegen zehnjährige Zinsbindungen vielerorts bereits wieder bei rund 3,75 Prozent – mit Tendenz nach oben. „Das Zeitfenster für attraktive Finanzierungen schließt sich schneller als erwartet“, warnt Kohnen. Wer weiter abwarte, riskiere steigende Monatsraten und anziehende Kaufpreise.
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Vorsorge regeln: Hier bekommen Sie guten Rat
EZB und Sparzinsen: Worauf Sie sich 2025 einstellen sollten
Für Sparer, die ihr Geld auf Festgeld- oder Tagesgeldkonten legen, sieht die Lage jedoch anders aus. Ihnen drohen niedrigere Renditen. Banken orientieren sich bei ihren Sparzinsen am EZB-Leitzins, sodass Tagesgeld- und Festgeldzinsen mit Verzögerung nachgeben können. Aktuell gibt es aber noch einige Geldinstitute, die vergleichsweise hohe Zinsen auf Tagesgeldanlagen anbieten – meist aber nur für einen Aktionszeitraum und für Neukunden. In unserem aktuellen Vergleich zeigen wir die besten Zinsen fürs Tagesgeld.




