Am Tag der Beerdigung ist die Trauer um Papst Franziskus in Roms Gassen allgegenwärtig. Doch übertrumpft wird sie von Heiterkeit: Mit Mortadella-Brötchen und Morgengebet beginnen die Pilger den großen Tag des Begräbnisses. Während die Flaggen überall auf Halbmast wehen, schwingen die Gläubigen fröhlich ihre bunten Fahnen. Wer nicht zum Petersdom gekommen ist, verfolgt die Trauerzeremonie auf den Großbildschirmen, die in der Stadt und nahe dem Vatikan aufgestellt wurden.

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Lautsprecher auf der Piazza Santa Maria Maggiore, vor der Marien-Kirche, in dem der Papst auf eigenem Wunsch bestattet wird, beginnen zu knistern, auf den Leinwänden flackert es. Die Live-Übertragung der Beerdigung beginnt. Tausende Pilger verfolgen die Totenmesse per Großbildleinwand – sie alle haben nicht mehr auf den Petersplatz gepasst.
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200.000 Menschen konnten den großen Platz im Herzen des Vatikans erreichen, danach wurde er geschlossen. „Das macht uns nichts. Jetzt sehen wir wenigstens etwas und müssen uns nicht drängeln“, sagt eine Pilgerin aus Ravensburg. Hinter ihr flattern eine argentinische, eine deutsche und sogar eine bayerische Flagge. Trotz der vielen Menschen geht es geordnet und vor allem friedlich zu.
Abschied vom Papst: Reisegruppe wartete vier Stunden vor dem Petersdom
Vier Stunden lang hatte Anja Donaubauer nachts in der Schlange vor dem Petersdom in Rom ausgeharrt, um von Papst Franziskus Abschied zu nehmen. Die 32-Jährige aus dem Pfarrverband Wegscheid im Bistum Passau leitet eine Gruppe aus zwölf Personen, die schon vor Monaten die Pilgerreise nach Rom organisiert hatte. Sie waren bereits in die Ewige Stadt unterwegs, als am Ostermontag die Nachricht von Franziskus‘ Tod eintraf.

Um 5.30 morgens waren sie endlich ganz vorn in der Schlange. Als der Petersdom um 7 Uhr öffnete, konnten sie die leere Basilika betreten. „Das ist ein großes Erlebnis, den Papst im Sarg liegen zu sehen und ihm die letzte Ehre zu erweisen“, sagt Donaubauer. „Es ist seltsam, ausgerechnet in diesen Trauertagen in Rom zu sein.“ Ihre Gruppe hatte erwartet, mit dem Papst das Heilige Jahr zu feiern, doch es kam ganz anders. Die vier Stunden Wartezeit vor dem Petersdom sei ihnen mit „Gebeten und Gesang“ vergangen.
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Nach ihrem Aufenthalt in Rom wird die Gruppe nach Assisi, der Geburtsstadt des Heiligen Franziskus in Umbrien, weiterfahren. Pfarrer Heinrich Anzeneder (52) führt die Gruppe an. „Franziskus war für uns Gläubige ein Leuchtturm“, sagt er. „Er hat den christlichen Glauben wirklich gelebt, die Armen waren ihm am wichtigsten. Daher sind wir so froh, dass wir von ihm hier in Rom Abschied nehmen durften an einem Tag, der für die Stadt und die Weltkirche wirklich historisch sind.“
Deutsche Pilger reisten extra für die Beerdigung nach Rom
Die Freude am Beisammensein mit Freunden und das Bewusstsein, dass die Wallfahrt ein historisches Ereignis ist, sind spürbar. Auch wenn Franziskus schon lange sehr krank war, sei sie doch von der Nachricht seines Todes am Ostermontag überrascht gewesen, sagt eine Pilgerin der Gruppe aus Wegscheid. Schließlich habe der Papst noch am Vortag den Segen „Urbi et Orbi“ gespendet. Nun sei er am Ostermontag gestorben, dem Tag, an dem die Auferstehung des Herrn gefeiert wird.
Ferdinand Reithmeyr, pensionierter Arzt, und seine Frau Liselotte sind aus Augsburg nach Rom gekommen. Schon seit 30 Jahren unternehmen sie Wallfahrten nach Rom, die Ewige Stadt kennen sie gut. Sie versuchen, sich vom Trubel der Gläubigen, die sich zur Trauerzeremonie versammelt haben, fernzuhalten und besuchen die deutsche Nationalkirche Santa Maria dell‘ Anima nahe der Piazza Navona. Hier beten sie für den verstorbenen Papst.

„Wir wollen lieber in Stille von Franziskus Abschied nehmen, dem wir sehr verbunden sind, statt uns in das Gedränge zu stürzen“, sagt Ferdinand Reithmeyer. Die Kirche Santa Maria dell‘Anima ist seit jeher eine Anlaufstelle für deutschsprachige Pilger, deren Zahl in diesem Heiligen Jahr stark zugenommen hat. Die „Anima“ wurde vor über 650 Jahren als Pilgerhospiz zu Ehren der Gottesmutter gegründet.
Gläubige blicken in die Zukunft: „Man ist gespannt, wie es weitergeht“
Aus allen Ecken Deutschlands stammen die Pilger, die sich in Rom zur Trauerzeremonie versammeln. Jürgen Strohe (73) ist Reiseleiter aus Oberammergau. Auch er hatte seine Rom-Reise schon länger organisiert, als die Nachricht vom Tod des Papstes eintraf. „Wir waren im Bus nach Rom unterwegs, als wir vom Tod des Papstes erfahren haben“, berichtet Strohe. „Wir sind zutiefst traurig, dass der Papst, der noch am Ostersonntag an den Feierlichkeiten teilgenommen hatte, uns verlassen hat.“ Aber es sei schön, diese so stimmungsvollen Tage mit anderen Pilgern erleben zu dürfen.
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Ganze Familien sind aus Deutschland in Rom zur Trauerzeremonie angereist. Andrea Rüttiger, ihr Mann Ralf und Sohn Kilian kommen aus der Nähe von Passau. „Mein Sohn ist in den letzten Wochen des Pontifikats von Benedikt XVI. im Jahr 2013 zur Welt gekommen. Wenige Wochen später war dann Franziskus‘ Amtseinführung. Wir sind dem verstorbenen Papst sehr verbunden. Daher ist es für uns so wichtig, heute hier zu sein“, sagt Andrea Rüttiger.
Die deutsche katholische Gemeinschaft in Rom blickt bereits in die Zukunft. Bruder Jonas Hilger (31) aus Leinefelde-Worbis im thüringischen Landkreis Eichsfeld studiert Theologie in Rom. Der Abschied von Franziskus sei auch für ihn ein Riesenereignis. Aus aller Welt kämen die Leute, um sich von ihm zu verabschieden. „In die Stimmung des Abschieds mischt sich aber schon jene eines Aufbruchs“, sagt Hilger. Man ist gespannt, was kommt, wer der neue Papst sein wird, wie sein Programm aussieht – und wie es mit unserer Kirche weitergeht.“







