Viele Anwohner dürften sich beim Anblick der Wohnhäuser Hauptstraße Ecke Schillerstraße in Wilhelmsruh noch an das Kino erinnern, dass es hier einst gab. Auf einer DDR-Postkarte aus dem Jahr 1964 wurde es als eines der fünf schönsten Berliner Filmtheater aufgeführt – nur drei Jahre zuvor hatte das „Lunik“ eröffnet und galt als Prunkstück der Kinoarchitektur der DDR-Moderne.

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Generationen von Ostberlinern erlebten auf der Leinwand des „Lunik“ Filmpremieren, sahen DEFA-Klassiker und tauschten sich über den Inhalt aktueller Filmvorstellungen aus. Nach der Wende kam das Aus für das Traditionskino, die Projektoren standen still und wenig erinnerte im Foyer und dem leeren Zuschauersaal mehr an die glanzvolleren Tage des verwaisten Geisterkinos in Wilhelmsruh. Alle Infos zu dem ehemaligen Lost Place.
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Das sind die Fakten zum Kino „Lunik“ im Überblick:
- Adresse: Hauptstraße 40–42,13158 Berlin-Wilhelmsruh
- Geschichte: Zwischen 1958 und 1961 nach Plänen des Architekten Josef Kaiser (1910–1991) als einziges in den 1960er-Jahren in den Außenbezirken Ostberlins errichtetes Großkino mit Breitwandtechnik errichtet und im August 1961 eröffnet; der Prestigebau sollte ein Prototyp für das DDR-Kino der Moderne werden, fand aber keine Nachahmung; nach der Wende wurde das „Lunik“ Anfang der 1990er-Jahren stillgelegt; danach Leerstand
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Ehemaliger Lost Place. 1994 wurde das leerstehende Kinogebäude für ein Neubauprojekt abgerissen
Wo lag das Kino „Lunik“ genau?
Das Kino „Lunik“ lag auf dem Eckgrundstück Hauptstraße 40–42 Ecke Schillerstraße im Ortsteil Wilhelmsruh des Bezirks Pankow. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: H9Q9+8C Berlin. Das Grundstück kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten mit den Buslinien 155 und N53 (Haltestelle Hauptstraße/Schillerstraße) erreicht werden. Von der Bushaltestation ist das Eckgrundstück, auf dem das Lunik-Kino stand, bereits zu sehen. Achtung: Es handelt sich um Privatbesitz. Vom Kinogebäude haben sich vor Ort keine Spuren erhalten. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Kinos „Lunik“:
Ausgangslage: Wie sich Wilhelmsruh ein eigenes Filmtheater erstritt

Noch vor der endgültigen Kapitulation der Deutschen im Zweiten Weltkrieg bestimmte Nikolai Bersarin (1904–1945), sowjetischer Generaloberst und erster Stadtkommandant Berlins, dass der Betrieb von Vergnügungsstätten in der besetzten Stadt – Sportstätten, Zirkusse, Theater und Kinos – erlaubt sei; zumindest bis 21 Uhr. In der vollkommen verwüsteten Stadt musste niemand auf den Kinobesuch verzichten, soweit das Kino denn noch stand, und schon bald flimmerten wieder alte Kopien von DEFA-Klassikern über die Leinwände der Ex-Reichshauptstadt; bald ergänzt um ein neues Programm wie Sergei Eisensteins „Iwan der Schreckliche“ (1944), der im August 1945 in deutscher Synchronfassung gezeigt wurde.
Im Pankower Ortsteil Wilhelmsruh spielte das Kino früher schon eine besondere Rolle. Hier lag seit den 1920er-Jahren die „Urania-Lichtspiele“ in der Kronprinzenstraße, der heutigen Tollerstraße. Nach Kriegsende nahm das kleine Kiezkino seinen Spielbetrieb wieder auf, wurde aber kurze Zeit später, nachdem es an Eigentümer aus dem Westsektor verkauft worden war, stillgelegt. In Wilhelmsruh behalf man sich mit den nächstgelegenen Spielstätten – dem „Universum“ in Schönholz oder dem „RoLi“ in Rosenthal. Doch der Wunsch im Kiez nach einem eigenen Kino blieb und nachdem die SED-kontrollierte „Nationale Front“ 1957 einen Antrag für ein neues Lichtspieltheater in Wilhelmsruh einbrachte, kam Bewegung in die Sache.
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Ehemaliges Kino „Lunik“: Kalter Krieg in den Grenzkinos Berlins

Die DDR-Tageszeitung „Der Morgen“ berichtete im Februar 1958: „Endlich ein Filmtheater für Wilhelmsruh. Im Sommer soll der Bau beginnen.“ Der Redakteur wollte auch bereits wissen, dass der Progress-Filmvertrieb beabsichtige, das Filmtheater in Wilhelmsruh zu einem Uraufführungskino zu machen. Förderlich für das Bauprojekt war die Nähe zur damals noch offenen Sektorengrenze und die belebende Konkurrenz von Seiten Westberliner Grenzkinos. Der Rat des Stadtbezirks Pankow stufte den Kinoneubau 1958 als besonders dringlich ein, um der „erhöhten Gefährdung vor allem der Jugend durch westliche Schundfilme“ entgegenzuwirken.
Die beliebtesten Filme in diesem Jahr waren: „Die Brücke am Kwai“, „Das Wirtshaus im Spessart“ und „Der Pauker“, die ganz offensichtlich ihre Wirkung in ostdeutschen Amtsstuben nicht verfehlten. Für das Bauprojekt sprach außerdem, dass es im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) beantragt wurde, einer Initiative bei der man sich seit 1951 eine Anstecknadel verdienen konnte, wenn man freiwillig und unentgeltlich dazu beitrug, Ostberliner Bauvorhaben zu realisieren. Nachdem sich die Wilhelmsruher ihr Filmtheater ertrotzt hatten – im Oktober 1958 wurde der Bau des Lichtspieltheaters genehmigt – , haben sie in ihrer Freizeit zu Schaufel und Spachtel gegriffen und in unzähligen NAW-Arbeitsstunden dazu beigetragen, es zu erbauen.
Ehemaliges Kino „Lunik“: Neubau leitete DDR-Kinomoderne der 60er-Jahre ein
Das Kino wurde in den Jahren 1958 bis 1961 im Auftrag des „VEB Berliner Filmtheater“ erbaut. Die Pläne stammten von dem Tenor und Architekten Josef Kaiser (1910–1991), der zeitgleich auch Entwürfe für die DDR-Großkinos „Kosmos“ und „International“ an der Karl-Marx-Allee erarbeitete. Das Filmtheater an der Hauptstraße 40, Ecke Schillerstraße in Wilhelmsruh war mit seinen 512 Sitzplätzen zwar deutlich kleiner dimensioniert als die Prestigebauten in der Innenstadt, präsentierte sich aber mit seinem trapezförmigen, flachgedeckten Baukörper, einer modernen Breitbildleinwand und einem dem Hauptraum vorgelagerten Raucherfoyer mit integrierter Bar ebenso modern in seiner Gestaltung.
Tatsächlich war es das „Lunik“ in Wilhelmsruh, das die DDR-Kinomoderne architektonisch einleitete, und zeitweilig kamen Pläne auf, das als besonders gelungen wahrgenommene Kino zur Blaupause für einen DDR-Typenbau zu machen, der künftig die cineastische Landschaft der Republik von Rügen bis Plauen hätte bestimmen können. Doch daraus wurde nichts – das „Lunik“ blieb ein Pankower Unikat. Einzigartig als architektonischer Prototyp und einzigartig im städtebaulichen Konzept der DDR-Hauptstadt: Kein anderes Großkino wurde in den 1960er-Jahren in den Außenbezirken Ostberlins errichtet.
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Ehemaliges Kino „Lunik“: Premierenabend zwei Wochen nach dem Mauerbau
Nach dreijähriger Bauzeit feierte das Kino am 24. August 1961 – knapp zwei Wochen nach dem Mauerbau – mit einer 18.45 Uhr-Vorstellung des DEFA-Films „Der Fall Gleiwitz“ (1961) Eröffnung. Der Name des zunächst als „Filmtheater Wilhelmsruh“ geplanten Kinos ging auf die sowjetischen Luna-Mondsonden zurück, die Ende der 1950er-Jahre im Osten gefeiert, im Westen nicht ohne Argwohn bestaunt wurden. Mit dem „Lunik“ hatten die filmbegeisterten Wilhelmsruher wieder ein eigenes Filmtheater und man brauchte nicht mehr in die Nachbarorte zu fahren, um einen Kinofilm zu sehen. Zumal das „Lunik“ Filme in „Totalvision“-Breitbildformat abspielen konnte, dem DDR-Pendant zum westlichen „Cinemascope“. Viele der NAW-Aufbauhelfer, die während der Bauzeit tatkräftige Unterstützung geleistet hatten, waren die ersten Gäste.
Die Eingangsseite des Kinos lag zur Schillerstraße mit langgestrecktem, überdachtem Eingangsportal und zurückversetzter Stabschnittfassade, auf der der geschwungene Schriftzug „Lunik“ zu lesen war. Das Filmtheater befand sich am Ende einer angerartigen Grünanlage und schuf mit seinem geschickt gruppierten Baukörper mit Haupt- und Seitenflügel einen städtebaulich umgrenzten Vorplatz. Seit 1962 ergänzte eine rechts des Eingangsportals aufgestellte Mädchen-Bronzeplastik des Bildhauers Hans-Peter Goettsche (1927–2018) die Eingangssituation: ein stehendes Mädchen, bekleidet in dünnen, ärmellosen Kleid und Sandalen, die den Blick gen Himmel richtet – in jene kosmischen Gefilde also der „Luna“-Mondsonden, die dem Kino Namenspate standen.
Ehemaliges Kino „Lunik“: Filmprogramm nach Vorgaben des Staates

In den 1960er-Jahren wurde das „Lunik“ vom „VEB Berliner Filmtheater“ betrieben, die in Ostberlin die Verwaltung, Umsetzung und Programmgestaltung der Lichtspieltheater übernommen hatten. Mitte der 1970er-Jahre ging das Kino in die Verantwortung der Bezirksfilmdirektion (BFD) Berlin über – der Nachfolgeeinrichtung des VEB Berliner Filmtheater. Der BFD oblag die Aufsicht über die Filmtheater Berlins, wobei sie nach Vorgaben des Ministeriums für Kultur der DDR handelte.
Gespielt wurde ein Programm aus dem Fundus des Progress Film-Verleihs: DEFA-Produktionen und ausländische Filme, bevorzugt aus sozialistischen Freundesstaaten, aber auch Filme aus Frankreich, Westdeutschland und den USA, soweit sie eingekauft wurden und die DDR-Zensur freigab. DEFA-Spielfilmproduktionen wie „Auf der Sonnenseite“ (1962) mit Manfred Krug, Konrad Wolfs „Der geteilte Himmel“ (1964), „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) oder Frank Beyers „Jakob der Lügner“ (1974) fanden ein Millionenpublikum und auch im Wilhelmsruher „Lunik“ ihr Publikum.
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Ehemaliges Kino „Lunik“: US-Blockbuster erobern in den 1980er-Jahren die DDR

Im 70mm-Format erschienen „Schneesturm” (1964) und „Krieg und Frieden” (1966), beide aus der damaligen Sowjetunion, US-amerikanische Produktionen wie „Spartacus“ (1960) und „El Cid“ (1961) oder die französisch-italienische Koproduktion „Die schwarze Tulpe” (1964) und seit den 1980er-Jahren fanden mitunter auch US-Blockbuster ihren Weg auf die DDR-Leinwände: „E. T. – der Außerirdische“ (1982), „Beverly Hills Cop“ (1984) und „Dirty Dancing“ (1987), der im Juni 1989 in den DDR-Kinos startete, lange nachdem sein Soundtrack über private Westkontakte die DDR-Nachtboutiquen Ostberlins erobert hatte.
Generationen von Jugendlichen, Enthusiasten und Filmliebhaber in Wilhelmruh erlebten im „Lunik“ ihre ersten Kinofilmabende, besuchten Premieren und Klassiker, diskutierten über aktuelle Produktionen und ließen sich von ostdeutschen und internationalen Stars auf der Leinwand verzaubern. Drei Jahrzehnte lang blieb das „Lunik“ eine feste Institution im Kiez, auch wenn es wie andere Ostberliner Lichtspieltheater seit den 1960er-Jahren, als das Fernsehen die guten Stuben eroberte, sich mit sinkenden Zuschauerzahlen konfrontiert sah. 1979/1980 erstellte der „VEB Baureparaturen Pankow“ gar eine Studie, die einen Umbau des Kinos zu einem Kulturzentrum mit Gastronomiebetrieb prüfte; doch die Wilhelmsruher Kinofreunde konnten noch einmal aufatmen: sie blieb ohne Konsequenzen.
Ehemaliges Kino „Lunik“: Sanierungsstau in Ostberlins Filmtheatern
Seit der Eröffnung 1961 wurde der Kinosaal nicht nur für tägliche Filmvorführungen, sondern auch für andere Kulturveranstaltungen genutzt: Politabende, Schulungen und Jugendweihen fanden im Wilhelmsruher „Lunik“ statt – 1978 beispielsweise eine Unterweisung Pankower Schüler in Verkehrssicherheit bei einem „bunten Matinee“ mit Dias und Filmen – und manchmal ist gefühlt ganz Ostberlin in das Außenbezirk-Kino geströmt, wenn dort Filme gespielt wurden, deren Vorführung in den Innenstadtkinos als heikel eingestuft wurde. Instandsetzungen und Modernisierungen sah das Filmtheater dagegen selten – eine technische Neuerung immerhin war die Umrüstung der Kinotechnik von Lichtbogen-Brennerprojektoren zu Xenon-Lampen in den 1980er-Jahren, was den Umbau der Apparate erforderlich machte. Die neuen Lampen wurden in der DDR nicht hergestellt, sondern aus Ungarn bezogen.
In den 1980er-Jahren muss auch der Umbau des „Lunik“-Kinosaals erfolgt sein, bei dem die Sitzreihen zugunsten des Komforts und einer moderneren Bestuhlung ausgedünnt wurden: dabei sank die Kapazität des Zuschauerraums von ursprünglich 512 Plätzen auf die zuletzt 357 Plätze, die in Verzeichnissen für das Kino Anfang der 1990er-Jahre angegeben wurden. Im kulturellen Leben von Wilhelmsruh spielte das Filmtheater an der Ecke Schiller- zur Hauptstraße insbesondere durch sein Kinderprogramm eine Rolle. Drei bis vier Vorstellungen am Tag zeigte das Haus bis Ende der 1980er-Jahre täglich. Donnerstags wechselte das Programm.
Ehemaliges Kino „Lunik“: Nach der Wende wurde der Spielbetrieb eingestellt
Zu den letzten Filmen die im „Lunik“ gezeigt wurden zählten die französischen Beziehungskomödien „Der große Blonde auf Freiersfüßen“ (1988) und „Damenwahl – Männerjagd“ (1982) im Frühjahr 1990 sowie der tschechoslowakische Abenteuerkinderfilm „Der dritte Drache“ (1985) im Mittagsprogramm, der US-Konzertfilm „Prince – Sign O‘The Times“ (1987) und der Neo-Noir-Thriller „Slam Dance - Blondinen sterben früher“ (1987) in den Spätvorstellungen im Sommer 1990. Dann gingen mit der Wende in dem ehemaligen DDR-Prestigebau die Lichter aus.
Nach 1990 entbrannte zwischen dem Senat und der Treuhand ein Streit um die Ostberliner Kinos. Der Senat sah in den Filmtheatern kommunale Kultureinrichtungen, die er im Sinne einer lebendigen Kinoszene erhalten wollte; die Treuhand verwies darauf, dass es sich um Wirtschaftsunternehmungen handele, die in ihre Zuständigkeit fielen. Im Tauziehen um die Überbleibsel des DDR-Kinowesens setzte sich die Treuhandanstalt durch, die mit Investoren in Verhandlungen trat. Ein Heizungsschaden besiegelte für das „Lunik“ das Ende des Spielbetriebs. 1991 wurde das Traditionskino stillgelegt; statt Instandsetzungsarbeiten folgten Jahre des Leerstands.
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Ehemaliges Kino „Lunik“: Leerstand im Geisterkino bis Mitte der 1990er-Jahre
Gegen den Verkauf des Kinos zog eine Initiative von Anwohner ins Feld. Unter der Devise: „Kein TREUHANDlungsbedarf in Sachen Kino-Kultur“ forderten sie 1991, dass das „Lunik“ in kommunaler Hand als Kommunikationszentrum für die Bürger erhalten bleiben soll. Doch es half nichts. 1992 verkaufte die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft mbH (TLG) das Lunik-Eckgrundstück samt 60er-Jahre-Kino an die Wilmersdorfer Grundstücksfirma „Dekagrund“. Diese plante an dem Standort ein Neubauprojekt: auf dem Grundstück sollte ein grundstücksfüllendes, fünfgeschossiges Wohngebäude mit Ladengeschäften im Erdgeschoss entstehen und das alte zweigeschossige Kino mit seinem begrünten Vorplatz ersetzen.
Unterdessen verblieb das „Lunik“, das drei Jahrzehnte lang Wilhelmsruhs kulturelle Herz gewesen war, in seinem ruinösen Dornröschenschlaf. Die Projektoren waren verloschen, das Kino-Lautsprechersystem verstummt. Am Kassenhäuschen und in den Aushängen zur Straßenfront vergilbten die letzten Filmplakate; der leere Zuschauersaal verbreitete mit seinen verwaisten Sitzreihen eine gespenstisch-ausgestorbene Atmosphäre – er hätte selbst erstklassige Qualitäten für ein düsteres Filmset geboten – und auf die Technik und Ausstattung legten sich allmählich Lagen von Staub. Drei Jahre lang geschah nichts. Dann fiel buchstäblich der letzte Vorhang, nachdem sich schweres Gerät dem Geisterkino näherte.
Ehemaliges Kino „Lunik“: Neubauprojekt ersetzte den DDR-Prestigebau
1994 ließ die Grundstücksfirma Dekagrund als neuer Eigentümer das „Lunik“ abreißen und die Trümmer des DDR-Kinos abräumen, um den Baugrund für ihr Neubauprojekt vorzubereiten. Zwischen 1994 und 1998 wuchs das fünfgeschossige Wohnhaus auf dem Grundstück Schillerstraße 32, Ecke Hauptstraße 42 dort aus dem Boden, wo sich die Wilhelmsruher einst ihr Filmtheater gebaut hatten.
Eigentlich hätte auf dem Baugrund zumindest ein Kleinkino mit 50 Sitzplätzen entstehen sollen – das sah zumindest eine Vereinbarung zwischen der Treuhand und dem Bauherrn, die Bauauflage und die Ausschreibung mit Grunddienstbarkeitseintragung Kino vor. Doch es kam anders. Zwar beantragte die Grundstücksfirma Dekagrund noch die Baugenehmigung für ein Kino-Café auf dem Eckgrundstück, aber mit einer gutachterlichen Stellungnahme des Wirtschaftsverbandes Berliner Filmtheater, die dem Kleinkino Unwirtschaftlichkeit attestierten, wurden die Bauauflagen ausgehebelt und das Kleinkino-Projekt begraben. Vor Ort existierten heute keine Spuren mehr des früher modernsten Kinos der DDR.
Nur die Mädchenskulptur Goettsches, die einst die Besucher am Vorplatz des „Lunik“ begrüßte, erinnert noch an frühere Kinotage in Wilhelmsruh. Sie fand in den 1990er-Jahren einen neuen Aufstellungsort im Garten des Max-Delbrück-Gymnasiums in Niederschönhausen an der Kuckhoffstraße 24 – die Google-Koordinaten ihres Standorts lauten: HCM2+G93 Berlin.





