Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind sie wieder zum Thema geworden: Zivilschutzbauten, Schutzräume oder einfach Bunker genannt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte der Bau von Bunkeranlagen vor allem während der Spannungs- und Krisenzeiten des Kalten Krieges Konjunktur. Dafür wurden auch einige der alten Weltkriegsbunker reaktiviert und im Zeichen der neuen Bedrohungsszenarien modernisiert. Einer von ihnen war der Flachbunker am Otto-Wels-Ring in Bukow, der vom Bund 2012 als „bombensichere Kapitalanlage“ an Privatinvestoren verkauft wurde. Alle Infos zu dem ehemaligen Lost Place.
Das sind die Fakten zum Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring im Überblick:
- Adresse: Otto-Wels-Ring 1–3, Fritz-Erler-Allee 36, 12351 Berlin-Bukow
- Geschichte: Anfang der 1940er-Jahren als Luftschutzbunker errichtet; in der Nachkriegszeit als Schutzbau instand gesetzt und 1980 in das Zivilschutzprogramm Berlins aufgenommen; anschließend Leerstand
- Bunkertyp: modernisierter Flachbunker vom Typ 4D mit 36 Kammern; Schutzkapazität für 379 Personen
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Ehemaliger Lost Place
Wo liegt der Ex-Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring genau?
Der ehemalige Weltkriegsbunker liegt an der Adresse Otto-Wels-Ring 1–3 an der Ecke zur Fritz-Erler-Allee 36 im Ortsteil Buckow des Bezirks Neukölln. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: CFM4+HG2 Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Grundstück am besten mit der Buslinie M46 (Haltestelle Kolibriweg) zu erreichen. Von der Station ist es ein rund dreiminütiger Fußweg entlang des Komoranwegs und der Fritz-Erler-Allee bis zu dem Grundstück. Achtung: Der umgebaute Bunker kann nicht betreten werden. Es handelt sich um Privatgelände. Vom öffentlichen Straßengrund aus sind die verputzten und in das Areal integrierten ehemaligen oberirdischen Zugänge zum Bunker sichtbar.
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Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Weltkriegsbunker Otto-Wels-Rings:
Ausgangslage: Luftschutz-Sofortprogramm für Berlin im Zweiten Weltkrieg

Als 1940 Luftangriffe der Alliierten erstmals die Reichshauptstadt trafen, reagierte die NS-Führung hektisch mit einem Bunkerbau-Sofortprogramm: Betonbauten schossen in Berlin aus dem Boden. Unter der Federführung der „Baugruppe Langer“ des Generalbauinspektors – einer von Albert Speer geleiteten Behörde – entstanden Normbunker für die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die militärische Ziele schützen sollten: Militär-, Flak, Nachrichten- und Kommandobunker.
Berlin wurde mit einem Netz von Schutzbauten überzogen – in der Innenstadt, aber auch in den grünen Außenbezirken. Im Südwesten Berlins, im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf, wurden Kolosse errichtet wie der Bunker Heckeshorn auf der Wannsee-Insel, Hochbunker wie an der Eiswaldstraße und Sonderanfertigungen wie der als Wohnhaus getarnte Bunker Eiderstedter Weg. Anfang der 1940er-Jahre wurden außerdem mehrere kleinere Bunker für die Zivilverteidigung gebaut. Einer von diesen war der Flachbunker am Otto-Wels-Ring in Buckow.
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Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring: Schutzbau der „ersten Welle“
Der Bunker gehörte zur „ersten Welle“ der während des Bunker-Sofortprogramms von 1940/1941 in Berlin errichteten Schutzbauten. Insgesamt waren es an die 1000 Anlagen, die gebaut wurden, wovon etwa 500 Flachbunker für einhundert bis dreihundert Personen in dicht besiedelten Wohngebieten entstanden. Die Schlüssel für eine Kammer mit jeweils zwei 3-Stockbetten wurden bevorzugt an kinderreiche Familien aus der Umgebung vergeben. Zusätzlich gab es zumeist Aufenthalts- und Sanitärräume sowie Schleusen, Räume für die Bunkertechnik und für das Luftschutzpersonal beziehungsweise den Bunkerwart.
Während die Sirenen des Luftalarms heulten, liefen Familien mit ihren Kindern zu dem Bunker am Otto-Wels-Ring, in dessen schützenden Wänden ihnen – sofern sie einen Berechtigungsschein hatten und sie den Bunker rechtzeitig erreichten – reservierte Schlafräume zur Verfügung standen. Für die älteren Anwohner oder auch zufällig Schutz suchenden Passanten gab es größere Räume mit Holzbänken. Der Einlass wurde durch Luftschutzpersonal geregelt. Wer nach Fliegeralarm die zumeist überfüllten Bunker nicht rechtzeitig erreichte, stand vor verschlossenen Türen. Doch auch im Inneren herrschte häufig beklemmende Todesangst.
Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring: So war der Bunker aufgebaut

Der Anfang der 1940er-Jahre errichtete Bunker am Otto-Wels-Ring zählte zum verbreiteten Bunkertyp 4D – im Volksmund auch „Mutter-Kind-Bunker“ genannt – mit insgesamt 36 Schutzzellen. Die Länge und Breite des Bauwerks betrugen rund 40 mal 19 Meter auf einer Baufläche von 760 Quadratmetern. Die Deckenstärke betrug 1,40 Meter; die Wandstärke aus massivem Stahlbeton 1,80 Meter. Mehrere seitliche Zugänge führten über Treppen unter die Erde ins Innere des Schutzbauwerks.
Dort riegelten Eisentüren mit Sichtlöchern im Schleusenbereich die dahinterliegenden Schutzräume hermetisch ab. Vorbei an Sanitärräumen und der Bunkeraufsicht führten zwei parallele Gänge mit je acht Bunkerzellen an den Außenwänden und einem Zellenblock mit 20 Bunkerzellen in der Mitte zum hinteren Ausgang. Dort gab es einen größeren Aufenthaltsraum, einen Sanitärraum, einen Heizungsraum, einen großen Sandfilter, Lüftungsgeräte und Schutztüren, die die zweite Schleuse des hinteren Notausgangs sicherten. Es gab Toiletten, einen Wasserzulauf und einen Generator für Elektrizität.
Die Rettungswege im Bunker wurden mit im Dunkeln leuchtender Farbe gekennzeichnet. So konnten Fluchtwege auch bei einem Totalausfall der Bunkertechnik noch genutzt werden. Außerdem konnte mit Handkurbeln bei Stromausfall eine Notfallsauerstoffversorgung gewährleistet werden.
Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring: Anlage rettete Anwohner vor Bombensturm

Als sich in den letzten Kriegsjahren die Bombenangriffe auf Berlin verstärkten, wurden bomben-, trümmer- und splittersichere Luftschutzbauten als Zuflucht für die Bevölkerung immer wichtiger. Das Schutzbauwerk am Otto-Wels-Ring rettete mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Menschenleben – denn mit den schweren Bombenangriffen, die auch den Süden Berlins seit 1943 trafen, gab es Einschläge und zerstörte Wohnhäuser in der unmittelbaren Umgebung des Bunkers.
Besonders verheerend war für den Südwesten Berlins der Angriff in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1943 – die sogenannte Lankwitzer Bombennacht. In den Kriegsjahren 1944 und 1945 wurde Neukölln und Tempelhof mehrfach zum Ziel von Großangriffen, bei denen mehr als 2000 Tonnen Bombenlast über den Stadtteilen abgeworfen wurden.
Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring: Letzte Zuflucht in der Schlacht um Berlin

Im Frühjahr 1945 erreichten Verbände der Roten Armee Berlin und lieferten sich ein Wettrennen um die Einnahme der Stadt. Vom Norden und Südosten rückte Marschall Georgi Schukow (1896–1974) mit Verbänden der 1. Weißrussischen Front in Richtung Innenstadt vor. Einer der erfahrensten Generäle in Shukows Verband war General Tschuikow, Held von Stalingrad und Kommandeur der 8. Gardearmee.
Tschuikows Einheiten bildeten den Stoßkeil über Buckow und Britz im Berliner Süden – mit dem Ziel, den Flugplatz Tempelhof zu erreichen und einzunehmen. Im April 1945 wurden die deutschen Stellungen in Buckow schlichtweg überrannt. Angehörige der Roten Armee befreiten die Anwohner, die sich in den letzten Kriegstagen in den Bunker am Otto-Wels-Ring geflüchtet hatten.
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- In der Lankwitzer Bombennacht wurde dieser Ort zur letzten Zuflucht
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Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring: Lost Place in der Nachkriegszeit
Nach Kriegsende gehörte Buckow als Ortsteil von Neukölln zusammen mit den Bezirken Tempelhof, Zehlendorf, Schöneberg, Steglitz und Kreuzberg zum US-amerikanischen Sektor der geteilten Stadt. Mehr als die Hälfte der Bunker und Luftschutzstollen Berlins wurden im Rahmen der Entmilitarisierung durch die Alliierten bis 1948 abgebaut oder gesprengt. Die Zivilbevölkerung reagierte mit Unverständnis: Schließlich gehörten die Bunker in manchen Stadtteilen zu den wenigen noch intakten kommunalen Bauwerken. In den ersten Nachkriegsmonaten fanden in ihnen ausgebombte Familien, Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge und Kälteopfer einen Unterschlupf.
Für die Beseitigung der Stahlbetongiganten waren Tonnen an Sprengstoff nötig. Manche hielten stand, wurden kurzerhand zugeschüttet oder erhielten eine zivile Funktion als Notunterkunft oder als Lager für Lebensmittel. Auch der Bunker am Otto-Wels-Ring wurde nicht gesprengt. In der Nachkriegszeit diente das verwaiste Gelände als Abenteuerspielplatz für Neuköllner Jungs. Der Sprung von den hochaufragenden Treppenabgängen in die Tiefe zählte zu den Aufnahmeritualen örtlicher Cliquen. Erst in den 1960er-Jahren sollte der vor sich hindämmernde Stahlbetonriese Westberlins eine neue Aufgabe erhalten, als die Spannungen im Kalten Krieg auf einen neuen Höhepunkt zusteuerten und Berlin im Fokus der Blockkonfrontation beidseits der Mauer erneut verschanzt wurde.
Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring: Revitalisierung als Westberliner Zivilschutzbunker

Ab Mitte der 1960er-Jahre erfolgte angesichts der Spannungen im Kalten Krieg ein Strategiewechsel im Umgang mit Zivilschutzanlagen: Jetzt wurde in West wie Ost die Instandsetzung der Weltkriegsbunker angeordnet und weitere Bunker als Mehrzweckanlagen errichtet. Die klassischen Luftschutzbunker wurden durch Atomschutzbunker ergänzt, die größeren Druckkräften und der Verseuchung und Verstrahlung von Gebieten standhalten sollten.
1966 wurden 178 erhaltene Luftschutzanlagen in Westberlin erfasst, von denen rund 40 für das Programm zur Wiederherrichtung angemeldet wurden. Nach der Übertragung der Haushaltsmittel vom Bund wurde mit der Durchführung der Baumaßnahmen begonnen. Zum Wiederausbau kam es an elf Objekten aus der Weltkriegszeit. Der Tiefbunker am Otto-Wels-Ring war einer der ersten Weltkriegsbunker Berlins, die in das Zivilschutzprogramm aufgenommen wurden, und der erste, der nach seiner Modernisierung 1980 an den Senat Berlins übergeben werden konnte.
Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring: Zuflucht für 354 Berlin im Falle eines Atomkriegs
Der Bunker am Otto-Wels-Ring wurde saniert, erhielt einen neuen Anstrich und erfuhr kleinere Umbauten im Inneren: Neue Filteranlagen und modernisierte Bunkertechnik, Ausstattung für Notbehandlungen und Erste Hilfe sowie neue Sanitäranlagen. Um den Bunker im Ernstfall möglichst schnell aktivieren zu können, waren Technik und Ausstattung mit Schutzfolien verkleidet. Der Bunker war mit kombinierten Schutzlüftern, Sandfiltern und Trockenaborten ausgestattet. Die einzige Möblierung waren ein Schreibtisch im Aufsichtsraum und eine Krankenliege im Notbehandlungsraum.
Die Belüftung erfolgte über spezielle Filteranlagen, die kontaminierte Außenluft reinigen und einen Überdruck im Bunker erzeugen, um das Eindringen von Giftgas zu verhindern. Mit Drucktüren und Druckklappen wurde der Innenbereich gegen Druckwellen von Explosionen geschützt und konnte – hinter dem Schleusenbereich – zeitweilig hermetisch abgeriegelt werden. Oberirdisch war der Bunker an der Straßenflucht und an den Zugangstreppen mit Zivilschutzzeichen gekennzeichnet: einem blauen Dreieck auf orangefarbenem Grund. Im Katastrophenfall bot der Bunker am Otto-Wels-Ring nominell Schutzplätze für 354 Personen.
Glücklicherweise wurde die Schutzfähigkeit der Westberliner Bunker trotz Kubakrise, Mauerbau und dem Poker um die Stationierung von Mittel- und Langstreckenraketen nie ernsthaft auf die Probe gestellt und nach der Wende und dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre wandelte sich der Umgang im wiedervereinigten Deutschland mit Atom- und Schutzbunkern – dem betonschweren Erbe des Kalten Krieges – erneut.
Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring: Verkauf als „bombensichere Kapitalanlage“
Gegen Gefährdungen wie Klimawandel, Naturkatastrophen und Terrorismus würden öffentliche Schutzräume keinen hinreichenden Schutz bieten, lautete damals die Einschätzung der Bundesregierung. Im Jahr 2007 beschloss der Bund im Einvernehmen mit den Ländern, das bisherige Konzept aufzugeben. Die bestehenden rund 2000 öffentlichen Schutzanlagen in Deutschland wurden seitdem nach und nach abgewickelt.
Der Flachbunker am Otto-Wels-Ring wurde – nachdem seine Zivilschutzbindung aufgehoben worden war und er noch zeitweilig als Lager für Akten des Bezirksamts gedient hatte – Ende 2011 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zum Verkauf angeboten. Das Echo sei nach der ersten Ausschreibung „sehr lebhaft aus dem ganzen Bundesgebiet“ eingegangen, freute sich damals Objektmanagerin Christel Philipp.
Preisvorstellung der BImA für den Bunker: 30.000 Euro. Dafür wurde ein Grundstück von 880 Quadratmetern mit einem äußerst soliden Baukörper aus Stahlbeton angeboten, dessen Abschlussdecke bislang als Terrasse für das benachbarte Altenheim diente. Baurecht bestand in dem allgemeinen Wohngebiet für bis zu zwei Vollgeschosse mit einer Bautiefe von 13 Metern. Im Januar 2012 wurde das Objekt an Privat verkauft.
Weltkriegsbunker Otto-Wels-Ring: Überbauung mit „Townhouse“-Reihenhäusern
2014 begannen die Bauarbeiten auf dem Eckgrundstück Otto-Wels-Ring 1–3 / Fritz-Erler-Allee. In wenigen Monaten Bauzeit wurde auf dem Bunker als Sockelfundament eine Gebäudezeile zweigeschossiger „Townhouses“ errichtet. Die Treppenzugänge zum Bunker, der als Kellergeschoss modernisiert wurde, erhielten eine neue Überbauung, passend zum übrigen Gebäudedesign.
Im Inneren des ehemaligen Zivilschutz- und Weltkriegsbunkers wurden Abstellkammer für die neuen Eigentümer eingerichtet. Die Bunkerräume werden außerdem als Proberäume für Musiker und für Tonaufnahmen genutzt. Bei der Außenwandstärke der massiven Betonmauern unter der Erde ist mit einer Lärmbelästigung für die Anwohner nicht zu rechnen.
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