Werbefreie Zone mit stabilen Preisen, solange der Vorrat reichte – und nach der Wende Brachland. Kaum jemand interessierte sich noch für die alte DDR-Halle, die in den 1980er-Jahren als Teil des Ortsteilzentrums am Boulevard Kastanienallee entstanden war. In der DDR hatte man rund um den Kastanienboulevard eine gehobene Wohnlage mit allerlei Komfort geplant – vieles blieb unfertig. Ein Schicksal, dass Jahrzehnte später das inzwischen verwaiste Grundstück wieder ereilen sollte, als Rechtsstreitigkeiten erst den Abriss der Halle und dann jeglichen Baufortschritt verhinderten. Alle Infos zu dem ehemaligen Lost Place.

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Das sind die Fakten zur Kaufhalle Stollberger Straße im Überblick:

  • Adresse: Stollberger Straße 57–59, 12627 Berlin-Hellersdorf
  • Geschichte: Ende der 1980er-Jahre als HO-Kaufhalle im Marzahner Neubaugebiet am Kastanienboulevard eröffnet; nach der Wende Nachnutzung durch Kaisers und Schlecker; in den 2000er-Jahren schloss die Kaufhalle, danach Leerstand und Verfall
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place

Wo lag die Kaufhalle genau?

Die Kaufhalle lag an der Adresse Stollberger Straße 57–59 im Ortsteil Hellersdorf des Bezirks Marzahn-Hellersdorf. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: GJM3+2F4 Berlin. Das Grundstück kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten mit der Buslinie X54 (Haltestelle Nossener Straße) erreicht werden. Von der Bushaltestation ist es ein rund sechsminütiger Fußweg entlang der Oelsnitzer Straße bis zu dem Grundstück. Achtung: Von der Kaufhalle haben sich keine Spuren vor Ort erhalten. Es handelt sich um Privatbesitz. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der Kaufhalle Stollberger Straße:

Ausgangslage: Eiskalter Krieg um deutsch-deutsche Tiefkühlregale

Kaufhalle Wintergartenstrasse Leipzig
Die Kaufhalle mit Selbstbedienung war die sozialistische Antwort auf den Supermarkt des Westens. Aufnahme aus Leipzig, 1981.© picture-alliance / akg-images | akg-images

In der Blockkonfrontation des Kalten Krieges wurden nicht nur sportliche Erfolge und wissenschaftliche Durchbrüche instrumentalisiert. Auch die Kühltruhe wurde zum Schlachtfeld, an der die Überlegenheit des eigenen Systems bewiesen werden sollte: Planwirtschaft, subventionierte Brötchen und Preisstabilität auf der einen Seite gegen die glitzernde Warenwelt des Kapitalismus, Markenprodukte und Sonderangebote auf der anderen. Hinter dem Eisernen Vorhang beobachtete die DDR-Führung die Entwicklung an westdeutschen Fleisch- und Käsetheken aufmerksam. Bereits mit dem Beginn des Kalten Krieges war die Versorgungslage der Bevölkerung als ein Propaganda-Schlachtfeld erkannt worden. Jetzt begann der selbsterklärte Arbeiter- und Bauernstaat mit der Aufholjagd an der Tiefkühltruhe.

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In der DDR waren es vor allem zwei Einzelhandelsketten, die die sozialistischen Lande mit Filialen überzogen: die 1948 gegründete Handelsorganisation (HO) und das in der Kaiserzeit gegründete, genossenschaftlich organisierte Konsum. Vereint im Mangel lieferten sich die beiden Handelsketten zwar keine Preisschlachten wie ihre westdeutschen Pendants. Die einzelnen Niederlassungen konnten sich aber stark voneinander unterscheiden. Seit Anfang der 1960er-Jahre experimentierten beide Versorger mit Selbstbedienungskonzepten in größeren Kaufhallen – die sozialistische Antwort auf den Supermarkt des Westens. Eine der DDR-Einkaufshallen war die in den 1980er-Jahren eröffnete HO-Kaufhalle in der Stollberger Straße in Hellersdorf.

Kaufhalle Stollberger Straße: Plattenbausiedlungen auf Berlins Rieselfeldern

Das in den 1970er-Jahren gestartete Wohnungsbauprogramm der DDR versprach: „Jedem seine Wohnung“ – wenn auch vorwiegend in rasch aus dem Boden gestampften Plattenbausiedlungen. Überall in Ostberlin wuchsen Trabant-Betonsiedlungen aus dem Boden, bei denen die umgebende Infrastruktur am Reißbrett mitgeplant wurden: Schulen, Sportstätten, Polikliniken, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten. Eines der städtebaulich wichtigsten Elemente – ein zentraler Ort der Begegnung in den Neubauwüsten waren die HO-Kaufhallen neben Dienstleistungswürfeln und Wohngebietsgaststätten.

1985 begann auf dem Gebiet ehemaliger Rieselfelder im Nordosten Berlins der Bau einer neuen Großwohnsiedlung. Ein Jahr darauf wurde aus den Ortsteilen Hellersdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf, die seit 1979 zum Bezirk Marzahn gehört hatten, der neue Stadtbezirk Hellersdorf gebildet. Einer der Vorzeigeadressen war der Boulevard Kastanienallee, der, als Hellersdorf entstand, eigens als Fußgängerzone konzipiert wurde – gesäumt von prächtigen Kastanien, mit vielen Grünanlagen und Geschäftszeilen im Sockelgeschoss der modernen Neubauten. Die Planung des späteren Kastanienboulevards in den 1980er-Jahren sah als wesentliche Funktion die Grundversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs vor. Auch ein Staatlicher Kunsthandel, eine Galerie für bildende Kunst und ein Ausstellungsraum des Berliner Handwerks gehörten zur Vision. Bis 1989 war jedoch nur die HO-Kaufhalle realisiert.

Kaufhalle Stollberger Straße: So war die HO-Filiale aufgebaut

HO-Kaufhalle / Außenansicht
Serienbau in der DDR: Flachdach und Logo zeichnen die Kaufhallen der Handelsorganisation (HO) aus. Fotografie einer Kaufhalle an der Greifswalder Straße 1980.© picture-alliance / Berlin_Picture_Gate | Thie Volkmar

Bei der Kaufhalle an der Stollberger Straße handelte sich um ein eingeschossiges Gebäudeensemble, das in einen zweigeschossigen Hallenflügel im Nordwesten überging, und in Stahlskelettbauweise im nüchternen Stil der DDR-Moderne aus Fertigteilstützen, Fertigteilriegel und Fertigteildeckenplatten zusammengebaut worden war. Charakteristisch war die trapezförmige Spannbetondachkonstruktion: ein zickzackförmiges Dach, das im Fachjargon VT-Falte genannt wird. Wiedererkennungswert hatte auch das blaue HO-Logo neben drei im Gleichschritt einkaufende Figuren mit rotem Kopf und der Kaufhallen-Leuchtschrift über dem Eingang.

Anders als die meisten rechteckigen HO-Filialen wies die Kaufhalle am Kastanienboulevard auf rund 2700 Quadratmeter Grundfläche einen verschachtelten L-förmigen Grundriss auf und grenzte im rückwärtigen Teil an ein mehrgeschossiges Bürohaus an. Am Boulevard öffnete sich die Einkaufspassage zu einem Vorplatz hin, der von der Fußgängerzone durchschnitten wurde, und Einkäufer am Haupteingang mit einem Kolonnadenvorbau mit Verkaufsständen empfing. An der Nordostseite befand sich zur Stollberger Straße gelegen die Warenanlieferung der Kaufhalle.

Kaufhalle Stollberger Straße: Nudossi, Sofix, Badusan & Co

Im Inneren herrschte bis auf die leicht größere Dimensionierung der mit Halogenlampen beleuchteten Kaufhalle die gleiche spartanische Sachlichkeit wie in anderen Kaufhallen der Republik: gesellschaftspolitische Parolen statt Reklame, schlichte Präsentation, in Regalen aufgestapelte Grundnahrungsmittel und Konsumgüter, Kühltruhen an den Gängen zur Selbstbedienung und einzelne Verkaufsstände mit Bedienung für Fleisch, Fisch und Käse. Außer den bekannten Ostmarken – Wernesgrüner, Vita Cola, Nudossi, Spee & Co. – bezog die Kaufhalle auch Frischwaren aus dem Umland.

Preise vergleichen konnte man sich sparen. Die Festsetzung des Einzelhandelsverkaufspreises (EVP) erfolgte unter staatlicher Aufsicht durch das Amt für Preise beim Ministerrat. Lange Zeit kostete das Brötchen staatlich verordnet genau fünf Pfennig, zehn Pfennig das Doppelbrötchen, ein Stück Mohnkuchen 37 Pfennig, eine Schokoladentafel Bambina zwei Mark und ein Kilogramm Schnitzel zehn Mark. Die Löhne waren allerdings auch viel niedriger: Im Jahr 1989 verdiente ein Arbeitnehmer in der DDR im Durchschnitt 1.300 DDR-Mark im Monat.

Kaufhalle Stollberger Straße: Nach der Wende füllten Westwaren die Regale

Handel in DDR nach Einführung der D-Mark 1990
Juli 1990: Am ersten Tag nach Einführung der Deutschen Mark wurden in den DDR-Kaufhallen die Regale von Beschäftigten mit Westwaren aufgefüllt.© picture alliance / Peter Kneffel | Peter Kneffel

Nach der Eröffnung versorgte die Kaufhalle am Kastanienboulevard Tausende Kunden im Einzugsgebiet in Hellersdorf mit DDR-Waren, bevor das Sortiment mit der Einführung der Wirtschaftsunion am 2. Juli 1990 – quasi über Nacht –  rasant erweitert wurde. Jetzt fanden Westwaren in den Markt Einzug. Doch die Freude an der Sortimentserweiterung hielt nicht lang. Mit der Wiedervereinigung waren die HO-Filialen im Gegensatz zu den privatbetriebenen Konsumgenossenschaften in den Zuständigkeitsbereich der Treuhandgesellschaft gefallen, die seit 1990 viele der Filialen und Grundstücke des ehemals staatlichen Betriebs an Privatunternehmer veräußerte.

Die meisten der Kaufhallen wurden von Supermarktketten übernommen: Aus ihnen wurden erst Kaisers-, Spar- und Netto-Filialen, dann Rewe- und Edeka-Supermärkte. Auch die Filiale am Kastanienboulevard wurde übernommen. Nach 1990 residierten noch eine Zeit lang Schlecker und Kaisers in dem Gebäude, die das Einkaufszentrum als Supermarkt und Drogerie fortführten. Doch die einst belebte Meile am Kastanienboulevard begann sich zu einem für Gewerbe schwierigen Standort zu entwickeln. Der Kiez – als sozialistisches Vorzeigeprojekt für gehobene Wohnansprüche geplant – zählt heute zu den ärmsten Vierteln Berlins. Der kastaniengesäumte Boulevard begann zu verwaisen, ein Geschäft nach dem anderen zog aus. Die Ruine, zu der sich die Kaufhalle entwickelte, nachdem sich Kaisers Tengelmann in den 2000er-Jahren von dem Standort zurückgezogen hatte, trug nicht zur Attraktivität des Boulevards bei.

Kaufhalle Stollberger Straße: Lost Place seit den 2000er-Jahren

Berlin, Deutschland, aufgegebene Kaufhalle im Bezirk Marzahn-Hellersdorf
Schandfleck im Kiez: die aufgegebene Kaufhalle am Boulevard Kastanienallee, Foto: 2009.© picture alliance / Caro | Muhs

Mit der Schließung der noch letzten größeren Läden am Boulevard fiel die Passage in einen jahrelangen Dornröschenschlaf. Verkauft wurde an dem Standort schon lange nichts mehr, Pläne für eine Revitalisierung verliefen im Sande. In den 2010er-Jahren mehrten sich an der verlassenen Ex-Kaufhalle die Graffiti, die Metallträger begannen Rost anzusetzen und hinter den eingetrübten Schaufensterflächen sammelte sich immer mehr Staub und Dreck. Die Fassaden wurden beschmiert, die Fenster mit Holzplatten vernagelt.

Das einstige Zentrum des Hellersdorfer Kiezes erschien wie eine aufgegebene, amerikanischen Goldgräberstadt als verwaister, geisterhafter Ort, der langsam vor sich hin rottete. Viele der gut 6.000 Anwohner im Hellersdorf Quartier Kastanienallee empfanden den langsamen Verfall der alten DDR-Kaufhalle vor aller Augen als Zumutung. „Die Halle ist ein Schandfleck im Kiez, sie dient nur noch als gefährlicher Abenteuerspielplatz für Kinder“, äußerte sich einer Anwohnerin Anfang der 2020er-Jahre nach Jahren des Stillstands: „Seit Jahren kämpfen wir Anwohner darum, dass die Kaufhalle verschwindet, und das unser Kiez wieder schöner wird.“

Kaufhalle Stollberger Straße: Anwohner und Bezirk pochten auf Abriss der DDR-Ruine

Berlin, Deutschland, aufgegebene Kaufhalle im Bezirk Marzahn-Hellersdorf
Marzahn-Hellersdorf: Jahrelang verzögerte sich der Abriss der verwaisten, ehemaligen HO-Kaufhalle wegen ungeklärter Rechtslage und mehrfachen Eigentümerwechsels© picture alliance / Caro | Muhs

Jahrelang bemühte sich auch der Bezirk um eine städtebauliche Verbesserung des Standorts und den Abriss des ehemaligen Kaisers-Supermarkts. Doch wegen ungeklärter Rechtslage und mehrfachen Eigentümerwechsels wurde das Vorhaben immer wieder verschoben. Erste konkrete Pläne für einen Abriss und einen Neubau gab es bereits 2016. Doch Eigentümer und Bezirksamt konnten sich nicht auf einen zeitlichen Ablauf einigen. Im Mai 2017 stellte der damalige Eigentümer einen Antrag auf Vorbescheid, trennte sich aber kurze darauf von dem Grundstück mit der Kaufhallenruine, das im Sommer 2017 an die Bonava Deutschland GmbH veräußert wurde.

Auch der neue Investor wollte die maroden Bestandsgebäude abreißen lassen und auf dem Grundstück anschließend mehrgeschossige Wohnhäuser und, als städtebauliche Dominante, ein unmittelbar am Boulevard Kastanienallee geplantes 12-stöckiges Punkthochhaus errichten. Für die geplanten Neubauten vereinbarte der Bauträger mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau AG eine Übernahme nach der Fertigstellung.

Lost Place in Hellersdorf: 2019 wurde die marode Kaufhalle in Trümmer gelegt

Abriss einer Kaufhalle (Archivfoto und Text 1995)
2021 teilte die alte HO-Kaufhalle das Schicksal vieler ihrer Zwillingsbauten und wurde abgerissen. Die Fotografie aus dem Jahr 1995 zeigt den Abriss der HO-Kaufhalle an der Landsberger Allee 219.© picture-alliance/ ZB | Bernd Settnik

2018 wurde das Projekt von der Haberent Baugesellschaft mbH übernommen, die im Auftrag der landeseigenen Gesobau AG, drei sechs- bis siebengeschossige Gebäude in L-Form und ein freistehendes, nun auf vierzehn Geschosse aufgestocktes Hochhaus direkt am Boulevard errichten sollte: 149 Wohnungen waren vorgesehen, davon 74 Sozialwohnungen, plus Tiefgaragen und als soziale Einrichtung für alle Boulevard-Bewohner ein Kiez-Café im Erdgeschoss. Auch für den Vorplatz gab es Pläne: Parallel zu den Bauarbeiten wollte der Senat gemeinsam mit der Wohnungsgesellschaft Deutsche Wohnen als Grundeigentümerin die Fußgängerzone umgestalten, und unter anderem mit einem Naturlehrpfad, einer Fitness-Strecke und einem Spielplatz aufwerten.

Im Oktober 2018 begann die Innenausräumung der maroden Kaufhalle, zwei Monate später auch die Räumung des angrenzenden Bürogebäudes Sollberger Straße und im Frühjahr 2019 – die meisten Anwohner hatten schon nicht mehr damit gerechnet – der Abriss der alten DDR-Architektur. Bagger machten mit der Leichtmetallhalle in wenigen Wochen kurzen Prozess, die Baufläche wurde planiert, vorbereitet und im August 2019 der Grundstein für das Neubauprojekt gesetzt. Ein Abschluss war bis 2021/2022 vorgesehen – eine Fehleinschätzung, bis heute ist das Projekt nicht abgeschlossen.

Streit um Dauerbaustelle: Hochhausbau in Hellersdorf findet kein Ende

Nach der Fertigstellung des Rohbaus und dem Richtfest kam es zum Rechtsstreit zwischen dem Bauträger und den beschäftigten Baufirmen. Die Arbeiten auf der Baustelle ruhten – jahrelang. Weil die Haberent Baugesellschaft mbH, hieß es, mehrere Handwerksbetriebe für die bereits erbrachten Leistungen an der Stollberger Straße nicht bezahlt haben soll – es war von rund drei Millionen Euro die Rede –, stellten diese ihre Arbeit ein.

Das kommunale Wohnungsunternehmen Gesobau, welche die Wohnungen nach der Fertigstellung abkaufen und vermieten wollte, reichte im September 2021 beim Landgericht Berlin Klage auf Herausgabe der Grundstücke gegen Haberent ein und kündigte den Vertrag. Der Bauträger forderte daraufhin Schadensersatz. An der Stollberger Straße waren die Fassaden in frischem Mintgrün gestrichen, die Balkone schienen bereit bepflanzt zu werden, doch die Immobilie wartete vergeblich auf einzugsbereite Mieter. Der Rechtsstreit legte den Abschluss des fast fertiggestellten Hellersdorfer Bauzombies über Jahre hinweg lahm.

Bauzombie am Boulevard: Rohbauruine wird von Gesobau übernommen

Kastanienboulevard/Stollberger Straße
Am Kastanienboulevard werden seit 2019 über hundert Wohnungen gebaut. Seit Jahren steht der Bau wegen eines Rechtsstreits still. Jetzt ist klar, wie es weitergehen soll© GESOBAU AG / Thomas Bruns | GESOBAU AG / Thomas Bruns

2023 ließ Haberent eine Frist für einen Vergleich verstreichen. Am 18. Oktober 2023 urteilte das Landgericht gegen den Bauträger auf Herausgabe des Grundstücks, der daraufhin Berufung vor dem Kammergericht einlegte, welches diese abwies. Die Baufirma legte eine Nichtzulassungsbeschwerde vor dem Bundesgerichtshof vor. Unterdessen erwarb die Gesobau das Gebäude und die zugehörigen Grundstücke 2024 bei einer Zwangsversteigerung. Im Mai 2025 entschied der Bundesgerichtshof, nach vier Jahren, in denen die Arbeiten an den halbfertigen Bauruinen am Kastanienboulevard ruhten, zugunsten der Gesobau. Nach dem Gerichtsentscheid teilte das Wohnungsunternehmen der Berliner Morgenpost auf Anfrage mit, man werde jetzt die notwendigen Schritte zur Eigentumsüberschreibung und zur Vorbereitung der Bauarbeiten gehen.

Gutachten wurden eingeholt, um den Zustand der Bausubstanz und die Kosten der Fertigstellung zu ermitteln. Auf der Dauerbaustelle an der Stollberger Straße begann die Konzeptionsphase von neuen. Alle Planungsbüros und ausführenden Unternehmen mussten neu ausgeschrieben und beauftragt werden. Die gute Nachricht: Die Prüfung vor Ort ergab, dass kein Abriss bereits fertiggestellter Gebäudeteile nötig war.

2027 gehen die Bauarbeiten in Hellersdorf weiter – so der Plan

„Die Bausubstanz“, teilte die Gesobau 2025 mit, „weise trotz der langen Bauunterbrechung keine wesentlichen Schäden auf. „Die erforderlichen Kosten für die Fertigstellung des Gebäudes ermöglichen einen wirtschaftlichen Betrieb nach Abschluss der Bauarbeiten.“ Ende 2025 wurde die Gesobau als neue Eigentümerin des Bauprojekts in das Grundbuch eingetragen.

Wie aus einer aktuellen parlamentarischen Anfrage (Drucksache 19/24577) durch den Abgeordneten Stefan Ziller (Bündnis 90/Die Grünen) hervorgeht, laufen derzeit die Vorbereitungen der Gesobau AG für die Ausschreibung der noch ausstehenden Bauleistungen. Spätestens Anfang 2027 sollen die Arbeiten am Kastanienboulevard fortgesetzt werden, die Fertigstellung ist für das Jahr 2028 geplant. Dann endlich könnten Mieter ihre neuen Wohnungen auf der Fläche der ehemaligen Kaufhallenruine und Dauerbaustelle in Hellersdorf beziehen – wenn nichts dazwischenkommt.