Es ist eine Tatsache, über die man lieber nicht allzu lange nachdenken sollte, wenn man sich selbst hinters Steuer setzt: In Berlins Straßenverkehr sind zahlreiche Teilnehmer betrunken, bekifft oder berauscht unterwegs. Zuletzt erst sorgten einige rücksichtlose Fälle für Schlagzeilen.

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So erfasste ein 20-Jähriger Anfang September mit seinem Wagen unter Drogeneinfluss eine Gruppe Kinder an der Seestraße in Wedding. Nur wenige Tage später führte eine chaotische Amokfahrt in Berlin und Brandenburg zum Tod eines Fahrradfahrers – der Verursacher stand mutmaßlich ebenfalls unter „Substanzeinfluss“. Im September erwischte die Polizei allein bei einer dreitätigen Verkehrskontrolle 44 Autofahrer mit Betäubungsmitteln im Blut.
Fast tausend Unfälle unter dem Einfluss von Substanzen im Jahr 2025
Es ist nur die Spitze des Eisbergs, wie aktuelle Zahlen der Polizei verdeutlichen. Im laufenden Jahr kam es demnach in Berlin bis Mitte Oktober bereits zu 906 Verkehrsunfällen, bei denen mindestens eine der beteiligten Personen zu viel Alkohol getrunken (82 Prozent) oder Rauschgift (18 Prozent) zu sich genommen hatte, darunter auch Fälle von Mischkonsum. Zum Vergleich: 2024 wurden insgesamt 1417 derartige Unfälle registriert, im Jahr davor 1592.
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Das große Problem: Die Polizei ist nicht in der Lage, statistisch auszuwerten, welche Droge neben Alkohol genau zu einem Unfall geführt hat. Was nicht nur an den biologisch völlig unterschiedlichen Geschwindigkeiten liegt, in denen die verschiedenen Substanzen im Blut abgebaut werden. „Wir brauchen endlich Geräte wie Spektrometer, mit denen bei Verkehrskontrollen die genaue Substanz und der Wirkstoffgehalt ermittelt werden kann“, sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. „Da reden wir neben Cannabis auch über andere Rauschmittel wie Kokain.“
Polizei Berlin soll bessere Geräte zum Messen bekommen
Wegen dieses Mangels gebe es auch noch gar keine evaluierten Ergebnisse, ob Unfälle unter Cannabis-Einfluss seit der Teillegalisierung der Droge am 1. April 2024 nun tatsächlich zugenommen haben oder nicht. In der Polizeistatistik wird derzeit bei Verkehrsunfällen jedenfalls nicht zwischen verschiedenen Drogen unterschieden. „Dort steht bei Unfällen unter Substanzeinfluss immer nur Betäubungsmittel“, so Jendro weiter. „Das muss geändert werden, um tatsächlich valide Aussagen zum Konsum einzelner Drogen und ihrem Einfluss auf das Unfallgeschehen treffen zu können.“
Des Weiteren sei es unerklärlich, warum die Hauptstadtpolizei nach wie vor ohne Honorarärzte auskommen und man bei notwendigen Folgemaßnahmen nach einer Verkehrskontrolle in Krankenhäuser fahren müsse, in der Hoffnung, dass die Ärzte dort Kapazitäten hätten. Das alles verlangsame und schrecke berauschte Verkehrssünder nicht genügend ab, zugedröhnt in ihre Wagen zu steigen, argumentiert die Polizeigewerkschaft.
Lachgas ist nach einer Stunde nicht mehr im Blut nachweisbar
Noch größere Probleme verursacht den Sicherheitsbehörden die immer beliebtere Party-Droge Lachgas. Lachgas kann heute in handlichen Kartuschen gekauft werden und wird über Luftballons eingeatmet. Es wirkt euphorisierend, der Konsum ist jedoch mit hohen Risiken verbunden. Diese reichen von Schwindel und Ohnmacht bis hin zu Halluzinationen und einer dauerhaften Schädigung des Gehirn- und Nervensystems, insbesondere bei Heranwachsenden.
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Extrem gefährlich ist Lachgas auch für Autofahrer. Kurzfristige Bewusstseinsveränderungen und Rauschzustände sorgen dafür, dass Konsumenten für kurze Zeit komplett die Kontrolle verlieren. „Mangels fehlender Methoden ist der Lachgas-Konsum im Blut aber nicht nachweisbar und etwa eine Stunde nach der Inhalation wieder komplett aus dem Körper ausgeschieden“, erinnert GdP-Sprecher Benjamin Jendro.
Alkohol und Drogen am Steuer: Prävention und Repression
Wie also reagiert die Polizei auf den verstärkten Konsum von Rauschmitteln auch im Straßenverkehr? Mit Prävention – und mit Repression. Die verkehrspolizeilichen Präventionsmaßnahmen der Polizei Berlin in Hinblick auf die Gefahr von Alkohol- und anderen Drogen richte sich vordergründig an die Zielgruppe der jungen Fahrer und Jugendlichen, heißt es.
„Die Verkehrssicherheitsberatenden der örtlichen Polizeiabschnitte bieten diverse themenorientierte und zielgruppenspezifische Veranstaltungen zum Thema ‚Drogen im Straßenverkehr‘ in Oberschulen, Berufsschulen und Freizeiteinrichtungen an“, so ein Sprecher auf Nachfrage. „Diese Schulungen, meist in Klassenstärke, geben die Möglichkeit, auf eine Vielzahl an Fragen der Zielgruppe einzugehen.“
Zudem könnten Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Präventionsprojekten an Oberschulen und Jugendclubs teilnehmen. Die Anzahl dieser Veranstaltungen wurde zuletzt von 241 im Jahr 2023 auf 565 im Jahr 2024 erhöht. Auch der Druck über gezielte Verkehrskontrollen auf Alkohol und Drogen wird hochgehalten. Im laufenden Jahr wurde bereits 928 Mal kontrolliert, im vergangenen Jahr kam es zu 1459 Verkehrsüberwachungseinsätzen und im Jahr 2023 zu insgesamt 1508. Nahezu sicher ist dabei: Wenn die Beamten in Berlin ihre Stoppkellen rausholen, dann finden sie auch etwas.
Berlins Kampf gegen Drogen: Alle Teile der Serie lesen Sie hier





