Während im Rest von Deutschland die Drogentoten in den vergangenen Jahren zurückgingen, steigen sie in Berlin seit 2018 an. Gerade der Innenstadtbezirk Mitte ist seit Jahren trauriger Spitzenreiter. 55 Personen kamen im Herzen der Hauptstadt 2024 durch Drogen ums Leben. Laut dem Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin gab es im vergangenen Jahr in bestimmten Gebieten die meisten Rauschgiftdelikte. Dazu gehören die unerlaubte Beschaffung, der Handel, der Anbau, die Zubereitung und die Verabreichung bestimmter Drogen. Doch nicht nur Hotspots sind ein Problem.
„Berlins Kampf gegen Drogen“
Drogentaxis, Konsum in der Öffentlichkeit, Dealer mit Visitenkarten – illegale Drogen sind Teil des Alltags in Berlin. Die Anzahl der Drogentoten hat einen Höchststand erreicht. In der mehrteiligen Serie „Berlins Kampf gegen Drogen“ zeigen wir, wie tief das Thema in der Stadt verankert ist – und wie es das Leben von Abhängigen, Ärztinnen, Polizisten, Eltern und vielen anderen beeinflusst. Alle Teile der Serie finden Sie hier.
Drogen-Hotspots in Mitte 2024
Zwar lassen sich Orte herausstellen, die besonders von Drogenkonsum und -kriminalität betroffen sind. Dazu gehören in Mitte:
- Platz 1: Alexanderplatz: 563 Delikte
- Platz 2: Wedding-Zentrum mit Leopoldplatz: 539 Delikte
- Platz 3: Moabit-Ost: 513 Delikte
Im Bezirksamt beobachtet man jedoch noch eine andere Entwicklung. „Man kann sagen, dass der gesamte Innenstadtbereich sehr belastet ist und es aufgrund von Verdrängungseffekten eine hohe Dynamisierung der Szene gibt“, teilt eine Sprecherin auf Nachfrage mit. Es lasse sich somit eher feststellen, dass es einen Trend weg von den Hotspots hin zu einer „flexiblen starken Belastung“ gebe. Betroffen seien insbesondere die U-Bahnlinien U8 und U9. Die Osloer Straße ist bereits seit geraumer Zeit dafür bekannt, dass Drogensüchtige vom Leopoldplatz dorthin ausweichen.
Probleme auch am Hansaplatz
Es gebe im Stadtgebiet immer mal wieder Orte, die temporär als Treffpunkt von Konsumenten und Dealern genutzt werden. Von einem „Hotspot“ könne man in diesen Fällen aber nicht sprechen. „Es gibt beispielsweise immer mal wieder Probleme am Hansaplatz mit obdachlosen Menschen oder kürzlich im Umfeld der Heinrich-Heine-Straße, dennoch kann man hier nicht von einem etablierten Hotspot sprechen“, so die Bezirksamtssprecherin weiter.
Etablieren sich Orte aber zu Hotspots, fallen diese dann durch Drogenutensilien, Abfälle und Fäkalien auf. Das Bezirksamt bemüht sich dann um die schnelle und regelmäßige Reinigung der Orte und darum, die erforderlichen Ämter wie die Suchtprävention, Suchthilfekoordination, Straßen und Grünflächenamt, Mobile Streetwork des Sozialamts sowie mobile Streetwork der Suchthilfe miteinander zu vernetzen.
Gesamtstädtische Lösung für gesamtstädtisches Problem gefragt
Das Paradebeispiel im Bezirk ist der Leopoldplatz in Wedding. Dort hat das Bezirksamt mithilfe von Landesmitteln etliche Maßnahmen ergreifen können. Abhängige und obdachlose Menschen finden auf dem Platz schon länger Betreuung und Hilfe durch Fixpunkt. Vom Bezirksamt wurden dauerhafte Infopunkte und „Notinseln“ eingerichtet. Die Polizei hat ein Steuerungsbüro für den Leopoldplatz etabliert, ein mobiles Beratungsteam der Stiftung Sozialpädagogisches Institut (SPI) ist unterwegs. Außerdem gibt es seit Februar 2025 Kiezhausmeister am Leopoldplatz, die mit dem Lastenfahrrad den Kiez durchstreifen. Derzeit ist nicht sicher, ob alle Angebote ab 2026 weiterhin finanziert werden.

Was fehlt, ist eine dauerhafte und flächendeckende Lösung. „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass eine gesamtstädtische Problemlage auch nur durch eine gesamtstädtische und kohärente Lösungsstrategie verbessert werden kann. Hierzu müssen sowohl öffentliche Räume, sozialer Wohnungsbau, soziale Infrastruktur, Suchtprävention, Stadtentwicklung und Sicherheit zusammen gedacht werden“, teilt die Sprecherin mit. Dabei sei die Landesebene, also der Berliner Senat gefragt. In Mitte unterbreitet man aber Vorschläge. Dazu gehört ein sogenanntes „Haus der Hilfe“, für das eine Immobilie erworben werden müsste. In diesem Haus sollen niedrigschwellige Angebote für „drogengebrauchende, wohnungslose Menschen“ vereint werden.
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Laut der Sprecherin brauche es einen grundlegenden Richtungswechsel im Umgang mit Sucht. „Die bestehenden Angebote reichen nicht mehr aus, die Nachfrage ist zu groß und durch neue Entwicklungen wie beispielsweise den verstärkten Konsum von Crack müssen neue angepasste Angebote geschaffen werden. Bestehende Angebote müssen gestärkt werden und durch neue Angebote ergänzt werden.“
Berlin-Mitte: Drogensüchtige im Stadtbild sichtbarer
Die gesamtstädtische Bilanz für die Hauptstadt zeigt, dass die Zahl der Drogentoten gestiegen ist. Insgesamt kamen in Berlin im vergangenen Jahr 294 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen um (Vorjahr 271). Das gab der Bundesbeauftragte für Sucht- und Drogenfragen in Berlin jüngst bekannt.
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Drogensucht florierte lange im Verborgenen. Warum nehmen viele Berliner Drogensüchtige jetzt stärker wahr als früher? Astrid Leicht von der Drogenberatung Fixpunkt hat dazu eine Theorie: „Viele von unseren Leuten haben durch die Gentrifizierung ihre Wohnung verloren.” Auch die EU-Osterweiterung und die Fluchtbewegungen ab 2015 hätten eine Rolle gespielt.





