„Berlins Kampf gegen Drogen“
Drogentaxis, Konsum in der Öffentlichkeit, Dealer mit Visitenkarten – illegale Drogen sind Teil des Alltags in Berlin. Die Anzahl der Drogentoten hat einen Höchststand erreicht. In der mehrteiligen Serie „Berlins Kampf gegen Drogen“ zeigen wir, wie tief das Thema in der Stadt verankert ist – und wie es das Leben von Abhängigen, Ärztinnen, Polizisten, Eltern und vielen anderen beeinflusst. Alle Teile der Serie finden Sie hier.
Geht es um Lösungswege für städtische Drogenproblematiken, wird meist auf die sogenannte Vier-Säulen-Politik der Schweiz verwiesen. Und ihre Anwendung in Zürich. Dort hatte sich in den 80er- und 90er-Jahren eine offene Drogenszene gebildet. Mit erschreckender Totenrate galt sie als größte Europas. Süchtige spritzten sich ungestört Heroin, Dealer waren unterwegs und selbst ausländische Abhängige reisten an, um sich in Zürich zu versorgen.
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Als ihr zentraler Standort 1992 von der Polizei aufsehenerregend mit Schlagstöcken und Tränengas geräumt wurde, ließ man sich an anderer Stelle in der Stadt nieder. Im Zuge einer weiteren Räumung 1995 erkannte die Politik schließlich, dass Verdrängung das Drogenproblem nicht löst.
Drogen in Berlin und ein Lösungsmodell aus der Schweiz
Statt Repression ging man mit neuer Strategie vor. Die sogenannte „Vier-Säulen-Politik“ sollte den Konsum psychoaktiver Drogen, primär also Heroin und Kokain, senken und die Süchtigen aus dem Stadtbild holen. Ziele dabei sind Prävention, Therapie, Schadensminderung sowie Regulierung und Vollzug. Im Zentrum stehen Konsumareale mit weitgehendem Angebot an die Süchtigen. In Zürich sind es bei rund 449.000 Einwohnern drei Orte.
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Während die fünf festen und drei mobilen Konsumräume Berlins, etwa am Kottbusser Tor, wie in der Schweiz auch soziale und medizinische Beratung und Hilfe bieten, geht das Angebot in Zürich weiter. So wird im Betreuungsbereich für Schwerstabhängige Kleinsthandel mit Drogen, etwa in einem Containerdorf, toleriert. Es gibt kurzfristig zu nutzende Schlafstellen. Haushaltstätigkeiten wie Kochen und Reinigungsarbeiten werden bezahlt. Zugang haben ausschließlich ortsansässige Menschen. Parallel geht die Polizei, anders als in Berlin, konsequent gegen Konsum und Dealen in der Öffentlichkeit vor.
Duldung von Kleinsthandel wäre Hürde in Berlin
Die Verbreitung von Crack in den vergangenen Jahren hat das System allerdings erschüttert. Schweizer Medien berichten von Anzeichen eines zunehmenden offenen Konsums, gegen den die Polizei vorgehen muss. Immer mehr Süchtige drängen zudem von Auswärts nach Zürich, weshalb die Stadt einen Versorgungsort für Nicht-Zürcher schaffen musste.
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Grundsätzlich, so Streetworker Juri Schaffranek, der seit 1988 in der Berliner Sozialarbeit unterwegs ist und heute in leitender Position beim Träger „Gangway“ arbeitet, könne Berlin vom Schweizer Modell lernen. Infolge der Konsumzentren seien Nachbarschaften dort von offenem Konsum und Beschaffungskriminalität entlastet worden. Der Gesundheitszustand vieler Abhängiger habe sich verbessert. Die für das Funktionieren des Modells erforderliche Duldung von Kleinsthandel lasse sich laut Schaffranek auch in Berlin realisieren. Als Vorbild nennt er die bis zum Konsumcannabisgesetz von 2024 in Berlin geltende Tolerierung von 15 Gramm Cannabis als Eigenbedarf.
Alle Teile der Artikelserie lesen Sie hier:
Interview: „Das Christiane-F.-Syndrom wiederholt sich“
Was Abwasseruntersuchungen über den Drogenkonsum in Berlin aussagen
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Bei der Senatsgesundheitsverwaltung erklärte ein Sprecher zum Schweizer Modell, es sei dort „natürlich bekannt und wird insbesondere im Umgang mit synthetischen Opioiden oft als positives Beispiel genannt“. Inwieweit es auch auf Berlin übertragbar ist, werde senatsintern beraten und geprüft.
Berlins Kampf gegen Drogen: Alle Texte der Serie lesen Sie hier







