Der zentral gelegene Münsinger Park, einst beliebter Treffpunkt für Familien, war zum Drogenumschlagplatz geworden. Betonklötze dienten als Dealer-Treffpunkte, überwucherte Büsche boten Verstecke. Im April reagierte der Bezirk mit einem umfassenden Maßnahmenpaket: verstärkte Polizeipräsenz, Umgestaltung des Parks und soziale Hilfe für Suchtkranke. Die Strategie basierte auf drei Säulen und sollte die Situation grundlegend verbessern. Jetzt, ein halbes Jahr später, zieht Spandau Bilanz – und macht deutlich: Die Arbeit geht weiter, doch wichtige Forderungen an das Land Berlin bleiben unerfüllt.

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Dauereinsatz im Park: Wenn Ordnungsamt und BSR zum Alltag werden

Polizei und Ordnungsamt sind mittlerweile deutlich häufiger im Münsinger Park unterwegs. Auch Parkläufer patrouillieren regelmäßig. Einmal pro Woche gehen Beamte des Abschnitts 21 gemeinsam mit dem Ordnungsamt durch den Park. Dabei sprechen sie rauchende Jugendliche an, aber auch Menschen, die Drogen konsumieren oder in die Büsche urinieren.

Das Ordnungsamt kontrolliert außerdem regelmäßig, ob Müll herumliegt oder gefährliche Gegenstände im Park zurückgelassen wurden. Die Mitarbeiter sind bewusst sichtbar präsent – das soll abschreckend wirken und gleichzeitig das Sicherheitsgefühl der Anwohner stärken. Wer ein Anliegen hat oder Hinweise geben möchte, kann die Ordnungskräfte direkt vor Ort ansprechen.

Auch falsch abgestellte Fahrräder und E-Scooter werden kontrolliert. Die BSR rückt täglich an und arbeitet eng mit dem Ordnungsamt zusammen. Darüber hinaus führt das Ordnungsamt auch im erweiterten Gebiet rund um den Park Gewerbekontrollen durch.

Alle Teile der Artikelserie lesen Sie hier:
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Die Büsche im Park wurden zurückgeschnitten – in Abstimmung mit der Polizei. So entstanden freie Sichtachsen, Verstecke verschwanden. Die Beleuchtung war bereits vor einigen Jahren verbessert worden.
Doch die Betonklötze, die als Dealer-Treffpunkte dienen, stehen noch immer.

Im April erklärte Bezirksbürgermeister Frank Bewig (CDU), ihr Rückbau würde einen sechsstelligen Betrag kosten. Der Bezirk wollte Fördermittel beim Senat beantragen. „Etwas zurückzubauen, was für viel Geld geschaffen wurde, ist eigentlich verrückt – aber in der Gesamtabwägung jetzt nötig“, so Bewig. Das Dilemma: Orte der Begegnung sollten geschaffen werden – nun müssen sie wieder verschwinden.

5500 Stunden gegen den Drogenhandel: Die Bilanz der Polizei

Die massive Aufstockung der Polizeipräsenz war der wohl sichtbarste Teil der neuen Strategie. Schon in den ersten drei Monaten dieses Jahres leisteten Beamte 5500 Einsatzstunden im Münsinger Park – im Vergleich zu nur etwa 500 Stunden monatlich im Vorjahr. Eine Verzehnfachung der Präsenz.

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„Wir haben unsere Präsenz für die Bürgerinnen und Bürger sehr deutlich erhöht“, erklärte Robert Mario Thiel, Leiter Führungsdienst Abschnitt 21, im April. Die Beamten arbeiten oft in Zivil und beobachten Drogenübergaben. Ihr Ziel: „Nicht die Menschen, die Drogen kaufen, sondern die Verkäufer und besonders die Hintermänner, die Verteiler, die Führungsebenen.“

Die Bilanz: 108 Identitäten aufgeklärt, 53 Durchsuchungen durchgeführt. Die Polizei setzt auch auf Videoüberwachung – manchmal läuft die Kamera nicht, aber allein der sichtbare Videoanhänger verunsichert die Dealer. Die zurückgeschnittenen Büsche helfen zusätzlich: „Das hilft uns ungemein, dass wir unsere Maßnahmen zielführender durchsetzen können“, so Thiel.

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Parallel zum Polizeieinsatz verstärkte der Bezirk das Streetwork-Projekt SPAX speziell für den Münsinger Park. Astrid Leicht und Julia Seidel vom Träger Fixpunkt sind mit einem auffälligen Lastenfahrrad im Park unterwegs. Ihre praktische Arbeitsweise ist niedrigschwellig und direkt: Sie bieten Kaffee an, sprechen Menschen gezielt an und bauen so Vertrauen auf. Das Fahrrad ist dabei mehr als nur ein Transportmittel – es ist ein Türöffner für Gespräche, auch mit Parkbesuchern, die einfach nach dem Weg fragen oder neugierig sind.

Berlins Kampf gegen Drogen: Alle Artikel der Serie lesen Sie hier

„Die Menschen haben genauso wie alle anderen ein Recht, hier am Tag zu sein“, betonte Seidel im April. Der Ansatz von SPAX: nicht verdrängen, sondern helfen. Die Sozialarbeiterinnen vermitteln Suchtkranke in Hilfssysteme, unterstützen bei Behördengängen und sensibilisieren für ein respektvolles Miteinander im öffentlichen Raum.

Bezirksstadträtin Tanja Franzke (CDU) erklärte damals: „Wir schauen, wo wir unterstützen und Menschen in Hilfesysteme hinleiten können – sei es, weil jemand wohnungslos ist oder Hilfe mit seiner Suchterkrankung braucht.“ Auch die Polizei unterstützte diesen Ansatz von Anfang an. Thiel stellte klar: „Die Suchtkranken sind nicht das Problem. Das Problem sind die Handelsaktivitäten.“

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Was fehlt: Spandau wartet auf Berlin

Das Bezirksamt Spandau hält an seiner klaren Forderung nach Videoüberwachung und einer Messerverbotszone im Münsinger Park fest. Beide Maßnahmen liegen in der Verantwortung des Landes Berlin und sind aus Sicht des Bezirksamts zwingend erforderlich, um die bestehenden Probleme einzudämmen.

Im Juli hat das Bezirksamt erneut gegenüber Innensenatorin Iris Spranger auf die Dringlichkeit hingewiesen. Das Bezirksamt behält diese Forderungen weiterhin im Blick. Die Botschaft an den Senat ist unmissverständlich: „Es darf nicht erst zu schwereren Vorfällen kommen, bevor gehandelt wird.“

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