Pizza-Dienste

Lieferheld und Foodpanda auf weltweiter Einkaufstour

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René Gribnitz

Foto: Anke Schütz / picture alliance / dpa-tmn

Die Berliner Pizza-Dienste Lieferheld und Foodpanda gehen sich in Deutschland aus dem Weg. Weltweit dagegen liefern sie sich die beiden einen harten Kampf um Marktanteile. Lieferheld als auch Foodpanda schlucken Konkurrenten.

Die Berliner Restaurant-Vermittler Delivery Hero (Lieferheld) und Foodpanda drehen bei ihrer weltweiten Expansion weiter auf. Wie Delivery Hero am Donnerstag mitteilte, hat das Unternehmen den in Lateinamerika starken Wettbewerber Pedidos Ya übernommen. Zuvor hatte Konkurrent Foodpanda die Übernahme von Unternehmen Ecuador und Russland bekanntgegeben.

Delivery Hero und Foodpanda liefern sich auf den Weltmärkten einen harten Wettbewerb um Marktanteile. Delivery Hero ist in nach der Übernahme in 20 Ländern aktiv. Der zur Startup-Fabrik Rocket Internet gehörende Rivale Foodpanda hat in mehr als 40 Ländern eigene Unternehmen gestartet oder zugekauft.

Vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer gelten als Wachstumsmärkte. Aus dem umkämpften deutschen Markt hält sich Foodpanda dagegen heraus heraus. Delivery Hero gehört in Deutschland mit Pizza.de und Lieferando/Lieferservice zu den Top3-Anbietern.

Die Lieferdienstportale setzen darauf, dass immer mehr Menschen Essen über das Internet statt per Telefon bestellen. Die Portale listen Restaurants und Lieferdienste in der Umgebung auf, bei denen die Kunden dann online bestellen können. Für die Vermittlung erhalten sie von den Restaurantbetreibern eine Provision. Das Geschäft gilt als lukrativ.

Weil sich das Geschäftsmodell nicht wesentlich unterscheidet, müssen die Anbieter in Spitzentechnologie und Restaurant-Akquise investieren beziehungsweise konkurrierende Anbieter übernehmen, um schnellstmöglich eine Vielzahl von Kunden gewinnen und damit Vorteile gegenüber den Rivalen erringen zu können.

Delivery Hero sieht sich als Weltmarktführer

Mit der Übernahme von PedidosYa sieht sich Delivery Hero als Weltmarktführer. Das in Uruguay gegründete Unternehmen ist in mehr als 300 Städten in neun Ländern aktiv, darunter in Brasilien, Mexiko und Kolumbien. Der Marktstart in drei weitere Länder stehe bevor. „Lateinamerikanische Unternehmen beschränken sich traditionell meist auf ihre nationalen Märkte. Wir gehören zu einer neuen Generation von Unternehmern, die auf internationale Expansion setzen“, sagte PedidosYa-Chef Ariel Burschtin.

PedidosYa arbeitet nach eigenen Angaben mit 12.000 Restaurants zusammen. „PedidosYa hat eine der modernsten Plattformen unserer Industrie geschaffen. Wir sind sehr glücklich, dass dieses Team nun zu Delivery Hero gehört“, sagte Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg. Insgesamt vermittelt Delivery Hero damit Essen von mehr als 60.000 Restaurants weltweit.

„Vertrauliche Partnerschaft“ seit dem vergangenen Jahr

Wie Delivery Hero weiter mitteilte, habe es bereits seit Spätherbst 2013 „eine vertrauliche Partnerschaft“ zwischen den Unternehmen gegeben. PedidosYa habe seitdem seine Aufträge mehr als verdoppeln können. Vor diesem Hintergrund habe sich Delivery Hero entschlossen, die Mehrheit an PedidosYa zu übernehmen und den bestehenden Investoren, Atomico und Kaszek, ihre Anteile abzukaufen. Der Preis wurde nicht genannt.

Konkurrent Foodpanda hatte vergangene Woche erst die russische Lieferservice-Plattform Delivery Club übernommen. Ein Preis wurde ebenfalls nicht genannt. Foodpanda ist damit nach eigenen Angaben die größte Lieferdienst-Plattform in Russland. Am Dienstag gab das Unternehmen die Übernahme des Anbieters deliYami aus Ecuador bekannt. Insgesamt arbeitet Foodpanda nunmehr weltweit mit 30.000 Restaurants zusammen.

Delivery Hero macht sich börsenreif

Die Einkaufstouren finanzieren beide Unternehmen bislang aus dem Geld ihrer Investoren. So haben Wagnisfinanzierer wie Insight, Tengelmann oder Phenomen mittlerweile mehr als 200 Millionen Dollar in Delivery investiert. Das Unternehmen erwägt zudem den Gang an die Börse, um weiteres Geld für die Wachstumspläne aufzutreiben.

Damit würde Delivery Hero den KonkurrentenJust Eat aus Großbritannien und Grubhub aus den USA folgen. Grubhub, der größte amerikanische Essensdienstleister, war im März an die New Yorker Börse gegangen und ist dort inzwischen 2,77 Milliarden Dollar wert. Die britische Just Eat wird an der Londoner Börse mit 1,5 Milliarden Pfund bewertet. Delivery Hero beschäftigt weltweit 800 Mitarbeiter, davon 400 in der Unternehmenszentrale in Berlin

Interessanter Aspekt: Der russische Wagnisfinanzierer Phenomen ist sowohl an Delivery Hero als auch an Foodpanda beteiligt. Das 2011 gegründete Foodpanda hat bei Investoren insgesamt mehr als 50 Millionen Euro eingesammelt. Das Unternehmen beschäftigt knapp 100 Mitarbeiter.