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Hat Facebook beim Berliner Start-up TapTalk abgekupfert?

Facebook bringt seine Foto-App Slingshot auf den deutschen Markt. Branchendienste sehen Ähnlichkeiten mit anderen Apps. Vor allem Snapshot und TapTalk scheinen unfreiwillig Vorbild gewesen zu sein.

Foto: Uncredited / AP

Das soziale Netzwerk Facebook bringt seine neue Foto-App Slingshot nun auch nach Deutschland. Sie war vor einer Woche in den USA gestartet. Mit der App können Nutzer Fotos und Videos verschicken, die sich nach dem Anschauen von alleine löschen. Branchendienste wie Business Insider werfen Facebook vor, bei Slingshot Ideen anderer Start-ups kopiert zu haben. Slingshot bedeutet übersetzt Steinschleuder.

Die App funktioniert ähnlich wie der Facebook-Konkurrent Snapchat, der in den USA vor allem unter Teenagern sehr populär ist. Nutzer können dort Bilder aufnehmen, die sich nach dem Betrachten von alleine löschen. Die Facebook-Version sieht in mancher Hinsicht Snapchat zum Verwechseln ähnlich.

Facebook hatte im vergangenen Jahr versucht, Snapchat zu kaufen, doch die Gründer lehnten ab. Facebook hatte bereits früher versucht, auf dem Gebiet Fotografie Fuß zu fassen. Dazu hatte das Netzwerk die App „Poke“ im Angebot. Sie fand jedoch nur wenige Nutzer und wurde vor kurzem zurückgezogen. Auch bei Poke verschwanden die Fotos nach dem Ansehen von selbst.

Ähnlichkeit mit anderen Platformen

Ähnlichkeiten hat die neue Facebook-App auch mit der Foto- und Videoplattform Instagram, die allerdings auch ein Produkt von Facebook ist. Die Wiedergabe der Videos als Endlosschleife erinnert an Vine, die Videoplattform des Kurznachrichtendienstes Twitter.

Auch Übereinstimmungen von Slingshot und der Nachrichtenplattform Taptalk sind augenfällig. Taptalk ist ein Start-up aus Berlin, das seine iPhone-App Anfang des Jahres gestartet hat. Schon die Icons der beiden Programme sind zum Verwechseln ähnlich – verschiedenfarbige und nebeneinander liegende Kacheln.

TapTalk sendet Nachrichten mit einem Klick

Auch mit TapTalk können sich Freunde Fotos oder Videos von maximal sechs Sekunden senden – Selfies mit der Frontkamera des Smartphones oder auch Aufnahmen der Umgebung mit der rückwärtigen Hauptkamera. Dazu genügt das Berühren der Foto-Kachel eines Freundes auf dem Bildschirm der App. Jeder Freund ist dort mit einer kleinen quadratischen Kachel abgebildet. Sobald man den Finger vom Bildschirm nimmt, wird die Aufnahme beendet und der Sendevorgang gestartet.

TapTalk definiert eine neue Art der Nachrichtenübermittlung, die einfacher ist als der Gebrauch herkömmlicher Messengerdiensten. An ihrer Handhabung hat sich seit den 90er-Jahren nichts geändert: Man schaut auf den Bildschirm und tippt mit der Tastatur einen Text – früher mit den Nummerntasten, heute mit dem berührungsempfndlichen Bildschirm. Für TapTalk hingegen reicht – wie der Name schon sagt – eine Bewegung. TapTalk kann wegen seiner Einfachheit wie ein Walkie-Talkie benutzt werden. Die App findet gerade in den USA große Aufmerksamkeit.

Frisches Geld aus dem Silicon Valley für TapTalk

Einem Bericht des Branchendienstes PandoDaily zufolge hat Taptalk gerade eine Fianzierungsrunde mit Investoren aus dem Silicon Valley abgeschlossen. PandoDaily beruft sich dabei auf Informationen aus dem bei Wagniskapitalgebern beliebten Netzwerk Product Hunt. Über die Höhe des Investments wurde nichts bekannt.

In einem Punkt unterscheidet sich Slingshot aber wesentlich anderen Plattformen: Um erhaltene Bilder zu sehen, muss ein Nutzer dem Absender zunächst selber etwas zurückschicken. Die App können Nutzer nun weltweit aus den App-Stores für Android und Apple-Geräte herunterladen, teilte das Online-Netzwerk mit. Die Beschreibungen sind weiterhin auf Englisch.

Beliebtheit von Facebook ungebrochen

Facebook ist einer Umfrage zufolge immer noch das beliebteste soziale Netzwerk von Jugendlichen in den USA. Mehr als drei Viertel aller jugendlichen Internetnutzer gehen auf Facebook – doppelt so viele wie auf Pinterest, Tumblr oder Snapchat, und mehr als die Nutzer von Instagram und WhatsApp zusammengenommen, ergab eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Forrester. 28 Prozent der jungen Nutzer sagten demnach, sie seien ständig auf Facebook – das sei ein höherer Prozentsatz als bei jedem anderen sozialen Netzwerk, sagte Nate Elliott von Forrester.

Das Marktforschungsunternehmen befragte rund 4500 Jugendliche in den USA im Alter von zwölf bis 17 Jahren. Facebook-Finanzchef David Ebersman hatte im Herbst gesagt, Jugendliche gingen etwas weniger auf Facebook. Daraus sei die Annahme entstanden, junge Leute „flüchten in Massen“, wie Marktforscher Elliott sagte. Das sei aber nicht wahr, die Nutzung sei nur leicht zurückgegangen.

Facebook wurde vor zehn Jahren gegründet. Weltweit hat das soziale Netzwerk heute nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Nutzer.