Pizza-Dienst

Berliner Lieferheld macht sich fit für den Börsengang

In den umkämpften Markt der Lieferdienstportale kommt mächtig Bewegung: Delivery Hero strebt an die Börse. Zuvor war der Berliner Rivale Lieferando von der niederländischen Takeaway übernommen worden.

Foto: Getty Images / Getty Images/Foodcollection

Der Berliner Restaurant-Bestelldienst Lieferheld (Delivery Hero) bereitet sich auf einen Börsengang vor. „In einem sich weiter verschärfenden Wettbewerbsumfeld prüfen wir jetzt alle Optionen“, sagte Delivery-Hero Chef Niklas Östberg der Berliner Morgenpost. Bis 2015 will das Unternehmen börsenreif sein.

Ob das Unternehmen einen Börsengang an der US-Technologie-Börse Nasdaq anstrebe oder einen europäischen Börsenplatz bevorzuge, sei noch nicht endgültig entschieden. Östberg selbst hatte in der Nacht zu Freitag auf Twitter einen Börsengang (engl.: IPO) an der Nasdaq angedeutet: Mit dem Hashtag #ipodeliveryhero verschickte Östberg ein Foto der Technologiebörse und dem Text „To come ...?“

Damit würde Delivery Hero den Konkurrenten Just Eat aus Großbritannien und Grubhub aus den USA folgen. Grubhub, der größte amerikanische Essensdienstleister, war im März an die New Yorker Börse gegangen und ist dort inzwischen 2,77 Milliarden Dollar wert. Die britische Just Eat wird an der Londoner Börse mit 1,5 Milliarden Pfund bewertet.

Marktführer in Deutschland ist Pizza.de

Mit seinem Tweet reagierte Östberg auf die kurz zuvor bekannt gewordene Übernahme des Berliner Konkurrenten Lieferando durch den niederländischen Anbieter Takeway, der in Deutschland die Plattform Lieferservice.de betreibt. Am Donnerstag hatten die Wagnisfinanzierer Macquarie Capital und Prime Ventures bekannt gegeben, dass ihre jeweiligen Restaurant-Portale künftig zusammen gehen, um den größten europäischen Anbieter zu schmieden. Die australische Macquarie war seit 2012 an Lieferando beteiligt, die niederländische Prime an der vor allem in den Benelux-Staaten vertretenen Takeaway.

Mit der Übernahme wird sich der Wettbewerb der deutschen Lieferportale verschärfen. Marktführer ist bislang Pizza.de, dahinter liefern sich Lieferando/Takeway und Lieferheld ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der ebenfalls in Berlin ansässige Anbieter Foodpanda, der zum Rocket-Internet-Imperium gehört, vermeidet den deutschen Markt und investiert vor allem in Schwellenländern.

Die Portale vermitteln die Bestellungen

Die Lieferdienstportale setzen darauf, dass immer mehr Menschen Essen über das Internet statt per Telefon bestellen. Die Portale listen Restaurants und Lieferdienste in der Umgebung auf, bei denen die Kunden dann online bestellen können. Für die Vermittlung erhalten sie von den Restaurantbetreibern eine Provision. Das Geschäft gilt als lukrativ.

Weil sich das Geschäftsmodell aber nicht wesentlich unterscheidet, müssen die Anbieter in Spitzentechnologie und Restaurant-Akquise investieren, um schnellstmöglich eine Vielzahl von Kunden gewinnen und damit Vorteile gegenüber den Rivalen erringen zu können. Oder sie kaufen Konkurrenten dazu.

Das alles verschlingt viel Geld, das die Unternehmen bislang vor allem von Wagnisfinanzierern erhalten. So hat Lieferheld seit Gründung knapp 200 Millionen Dollar von Investoren bekommen, um seine internationale Expansion zu finanzieren. Takeaway hat jetzt rund 103 Millionen Dollar erhalten und hat damit vor allem die Lieferando-Übernahme bezahlt. Mit einem Börsengang ließe sich viel mehr Geld erlösen.

Delivery Hero stellt sich auf Verluste ein

Zumal Lieferheld und Lieferando ihren Konkurrenzkampf in der Vergangenheit auch vor Gericht ausgetragen haben, wird sich vor allem der Wettbewerb in Deutschland weiter verschärfen. „Deutschland hat den härtesten Wettbewerb weltweit bei Online-Essensbestellungen. Zwar repräsentiert dieser Markt nur einen Teilbereich unseres globalen Geschäfts, aber Deutschland hat für uns auch eine sehr emotionale Bedeutung“, sagte Delivery-Hero-Chef Östberg. „Deswegen werden wir hier so viel investieren wie nötig, um unsere Führungsposition vor den Wettbewerbern zu verteidigen“, sagte Östberg.

Das Unternehmen ist damit offenbar bereit, wieder in roten Zahlen zu gehen, um die Marktanteile zu sichern und auszubauen. Im vergangenen Jahr hatte Delivery Hero gemeldet, in seinen Kernmärkten profitabel zu sein. Delivery Hero ist in insgesamt 14 Ländern aktiv, darunter Deutschland, Großbritannien, Schweden, Südkorea, China und Indien, und beschäftigt 700 Mitarbeiter. Mehr als 300 davon arbeiten in der Berliner Zentrale in der Mohrenstraße. Das Unternehmen sieht sich mit sechs Millionen Kunden in 2013 als Weltmarktführer. Im vergangenen Jahr wurde über die Delivery-Hero-Portale Essen im Gesamtwert von mehr als einer halben Milliarde Euro vermittelt.

Lieferando-Gründer wird Spitzenmanager bei Takeway

Takeaway wiederum sieht sich nach der Lieferando-Übernahme als Marktführer in Kontintaleuropa. „Durch den Zusammenschluss von zwei profitablen und schnell wachsenden Unternehmen werden wir unsere gemeinsame Marktführerschaft in Kontinentaleuropa ausbauen“, sagte Lieferando-Gründer Jörg Gerbig, der künftig das operative Geschäft von Takeaway leiten wird. „Zusammen mit dem Lieferando Team ist es unser Ziel nicht nur Marktführer in Deutschland und Polen zu werden, sondern auch die beste Essensbestellplattform weltweit aufzubauen“, sagte Takeaway-Chef Jitse Groen.

Takeway ist in neun Ländern tätig. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Marktführer in den Niederlanden und Belgien. Gemeinsam vermitteln beide Unternehmen 1,7 Millionen Bestellungen im Monat an über 27.000 angeschlossene Lieferdienste. Insgesamt beschäftigen die zusammengelegten Unternehmen in Berlin und Utrecht knapp 300 Mitarbeiter, davon mehr als 80 in der deutschen Hauptstadt.

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