Online-Lieferdienste

„Die Streiterei raubt Spaß und Energie“

Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg spricht über den Streit zwischen konkurrierenden Essenslieferanten und Perspektiven des Start-ups.

Foto: Delivery Hero

Jürgen Stüber sprach mit Niklas Östberg, dem Gründer des „Lieferheld“-Mutterunternehmens „Delivery Hero“ über den „Pizza-Krieg“ in der Hauptstadt, die Wachstumspläne – und die Gründe für den Abschied seines Co-Chefs Fabian Siegel.

Berliner Morgenpost: In Berlin ist von Pizza-Krieg die Rede, wenn man die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Online-Lieferdiensten meint. Wie sieht dieser Streit aus Ihrer Warte aus?

Niklas Östberg: Es ist traurig, einen solch destruktiven Wettbewerb mitanzusehen. Die Streiterei raubt eine Menge Spaß und Energie. Wir versuchen, uns so wenig wie möglich von ihm ablenken zu lassen und für unsere Kunden zu arbeiten. Und ich wünschte, unsere Konkurrenten täten das gleiche. Ich will damit nicht sagen, wir hätten keine Fehler begangen. Aber wir haben die Strafe dafür gezahlt und dann sollte es irgendwann auch einmal gut sein.

Es ist eine Auseinandersetzung um fast nichts. Der Schaden soll damals ein paar hundert Euro betragen haben.

Ich kann nicht sagen, dass es um nichts geht. Unsere Mitbewerber versuchen immer wieder, auf Fehler hinzuweisen, die uns unterlaufen oder in der Vergangenheit unterlaufen sind. Besser wäre, sich auf seine Kunden zu konzentrieren. Ich denke, am Ende werden das beste Produkt und der beste Service gewinnen. Die emotionale Streiterei bringt niemanden weiter.

Lieferheld und ihre Mutter Delivery Hero erscheinen als „Bad Boys“ in dem Konflikt.

Die Tatsache, dass wir sehr schnell gewachsen sind, macht einige Mitbewerber möglicherweise skeptisch. Uns ist es gelungen, innerhalb von nur zwei Jahren 80 Millionen Euro einzusammeln. Einige Leute mögen das als unfair empfunden haben. Ich sehe das anders. Wir haben hart gearbeitet. Es ist ja nicht so, dass ein Investor einfach so jemandem 80 Millionen gibt – in der Regel haben sie dafür einen Grund.

Und was war der Grund?

Uns ist mit sehr wenig Kapital von unserer Familie und Freunden eine Menge gelungen. Und das haben die Investoren gemerkt. Sie haben gesehen, dass wir mit wenig Geld viel geschafft haben. Und deshalb gaben die größeren Investoren uns gern mehr Geld.

Welche Strategie verfolgen Sie mit Ihrem Unternehmen in den nächsten Monaten. Es gab einige Übernahmen, zuletzt „hungryhouse“ und „EatItNow“. Was kommt als nächstes?

Vielleicht gehen wir noch in einen anderen Markt. Aber das wichtigste ist der Erfolg in unseren gegenwärtigen Märkten. Momentan sind es zwölf. Im Fokus der nächsten Monate steht nicht, in weitere Länder zu expandieren. Wir müssen die beste Nutzer-Erfahrung und das beste Angebot für unsere Kunden und Restaurants garantieren.

Sehen Sie sich auf allen zwölf Märkten mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert?

Die Märkte sind sehr unterschiedlich, aber am Ende wollen alle Leute gutes Essen pünktlich geliefert bekommen. Und sie wollen eine einfache Benutzeroberfläche haben. In einigen Märkten mussten wir unseren Service allerdings ein wenig nachjustieren. Aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden.

Steht ein Konzentrationsprozess bevor?

Im nächsten halben Jahr fokussieren wir uns auf die bestehenden Märkte und wollen Marktführer werden. Im Moment sind wir sehr gut aufgestellt, aber wir sollten nicht aufhören, innovativ zu denken. Ohne Innovation werden wir bald in Schwierigkeiten kommen.

Schön und gut. Aber diese Plattformen gleichen sich doch alle sehr.

Wir haben alle voneinander gelernt. Bei Lieferheld und Delivery Hero haben wir immer versucht, Innovationsführer zu sein: Wir haben beispielsweise eine bessere Suchfunktion und wissen, wie man das richtige Restaurant für den jeweiligen Bedarf und Geschmack findet. Dafür haben wir viel Zeit in einen besseren Ranking-Algorithmus investiert. Ein weiteres innovatives Beispiel ist unser Point-of-Sales-Terminal.

Was heißt das?

Im Restaurant steht ein Gerät, mit dem das Restaurant dem Kunden mit nur einem Knopfdruck mitteilen kann, wenn das Essen geliefert wird. Unsere Plattform will immer ein bisschen besser als die anderen sein. Und in der Regel gewinnt der bessere.

Ihr Partner Fabian Siegel hat nach dem Strafbefehl gegen Lieferheld das Unternehmen verlassen. Was ist da passiert? War er unzufrieden?

Er ist immer noch sehr zufrieden mit Lieferheld. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es ist einfach so, dass es sehr wichtig ist, dass ein Unternehmen eine klare Richtung, ein klare Strategie und einen klaren Kommunikationskanal hat. Ein Co-CEO hat Vorteile, aber es gibt auch einige Nachteile. Langfristig ist es immer noch das beste Setup, einen CEO haben. Und wir haben gemeinsam beschlossen, dass dies die beste Lösung für das Unternehmen ist, um unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen.