Samwer-Brüder

Start-up-Fabrik Rocket Internet strebt mit Macht an die Börse

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René Gribnitz

Foto: IdeaLab

Rocket Internet hat 75 Unternehmen mit mehr als 15.000 Beschäftigten weltweit gestartet. Jetzt wollen die Gründer-Brüder Samwer die ersten Unternehmen zu Geld machen.

Der Berliner Internetinvestor Rocket Internet der Gebrüder Samwer prüft für mehr Firmen der Gruppe Börsengänge als bislang bekannt. Neben Rocket Internet selbst werden auch Aktienplatzierungen für das Münchner Einrichtungshaus Westwing und den Berliner Lebensmittelversender HelloFresh erwogen. Das berichtet das „Manager Magazin“ in seiner jüngsten Ausgabe. Ein Rocket-Internet-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die Samwers und ihre Partner wollen sich offenbar das derzeit gute Umfeld für Technologie-Börsengänge zunutze machen, um nach Jahren der Investitionen Kasse zu machen. Vor allem der Hauptfinanzier, die schwedische Investmentgesellschaft Kinnevik, die mehr als 1,2 Milliarden Euro in Samwer-Unternehmen investiert hat, drängt auf Einnahmen.

Bislang war bekannt, dass die Samwers Rocket Internet selbst an die Börse in Frankfurt bringen wollen. Unter dem Dach der Startup-Fabrik haben die Samwers in den vergangenen Jahren 75 Unternehmen gegründet mit 15.000 Beschäftigten weltweit. Dazu gehören die Modehändler Lamoda (Russland) und Dafiti (Brasilien), der Pizza-Vermittler Foodpanda (weltweit) oder Auto- und Wohnungssucheportale in Südostasien. Rocket Internet ist neben Deutschland vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika, Südamerika, Asien und im Nahen Osten aktiv.

Rocket-Börsengang soll bis zu einer Milliarde Euro bringen

An Rocket Internet halten die Samwers knapp unter zwei Dritteln der Anteile, Kinnevik ist mit 24 Prozent beteiligt, der US-Wagnisfinanzierer Access Industries hält 11 Prozent.

Die Investmentbanken Berenberg, Morgan Stanley und JPMorgan wurden beauftragt, einen IPO der Startup-Fabrik zu prüfen. Bis zu einer Milliarde Euro wollen die Samwers dabei mit der Platzierung von bis zu einem Fünftel der Anteile erzielen. Damit würde Rocket Internet auf 3 bis 5 Milliarden Euro bewertet. Das „Manager Magazin“ berichtet nun, dass bereits institutionelle Anleger wie Pimco und Lazard angesprochen worden seien.

Es wäre der größte Börsengang eines Internetunternehmens in Deutschland seit vielen Jahren. An dem Erfolg würde auch der Wert der noch jungen deutschen Technologie-Gründerszene gemessen.

Oliver Samwer will Rocket-Chef werden

Nach einem Börsengang wolle Oliver Samwer als Vorstandsvorsitzender an die Spitze des Unternehmens rücken, berichtet das „Manager Magazin“ weiter. Der extrem öffentlichkeitsscheue Samwer war in den vergangenen Jahren nicht mehr operativ tätig, sondern hat weltweit das für den Betrieb des Unternehmens nötige Geld eingeworben. Zwei Milliarden Dollar hat Samwer in den vergangenen beiden Jahren bei Investoren locker gemacht.

Spekuliert wird zudem seit langem über den Börsengang des Berliner Modehändlers Zalando, an dem Kinnevik und die Samwers über ihr Investmentvehikel European Founders Fund maßgebliche Anteile halten. Zalando, das im vergangenen Jahr mehr als 1,8 Milliarden Euro Umsatz machte, wird dabei auf bis zu fünf Milliarden Euro bewertet.

IPO-Pläne für Westwing und Hellofresh

Parallel dazu prüft Rocket Internet offenbar, den Möbelhändler Westwing an die Börse zu bringen. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 130 Millionen Euro erzielt. Wagnisfinanzierer haben bislang insgesamt 150 Millionen Euro in das Unternehmen investiert, darunter neben Kinnevik auch der Handelskonzern Tengelmann und der Berliner Investmentfonds Point Nine Capital.

Für den Berliner Lebensmittelversender HelloFresh wiederum werde ein Börsengang in Australien geprüft, berichtet das „Manager Magazin“. Das 2011 gegründete HelloFresh verschickt im Abonnement Boxen mit Zutaten für drei bis fünf Mahlzeiten und den entsprechenden Rezepten. Nach eigenen Angaben werden derzeit monatlich mehr als eine Million Mahlzeiten versandt, zu Einzelpreisen ab etwa fünf Euro (ab 9 Dollar in den USA). Das Unternehmen ist in sechs Ländern aktiv und erwirtschaftet in den europäischen Märkten operativ Gewinn. Erst am Mittwoch hatte HelloFresh bekannt gegeben, dass die Wagnisfinanzierer Insight und Phenomen 50 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert haben.