Däne kauft sich bei Zalando ein

Chef der Mode-Gruppe Bestseller übernimmt zehn Prozent der Anteile. Am größten Rivalen der Berliner ist er ebenfalls beteiligt

Zalando, Deutschlands größtes Onlinekaufhaus, wird ab sofort von Skandinaviern dominiert. Der dänische Modekonzern Bestseller steigt beim Internetversender ein. Zudem hält der Zalando-Ur-Investor Kinnevik aus Schweden nun 37 Prozent. Hinter dem neuen Mitbesitzer Bestseller steht einer der reichsten Dänen. Anders Holch Povlsen, der weltweit Modemarken wie Jack&Jones, Vera Moda und Selected verkauft, übernimmt zehn Prozent der Anteile und wird damit drittgrößter Anteilseigner von Zalando.

Die Neuordnung der Gesellschafter schürt neue Spekulationen um das rasant wachsende Unternehmen. Neu-Investor Povlsen ist nämlich auch mit rund 30 Prozent am härtesten europäischen Rivalen von Zalando, dem britischen Internet-Modehändler Asos, beteiligt. Somit verfügt kaum jemand über soviel Einfluss im europäischen Online-Handel wie der dänische Unternehmer. Und er bekommt mächtige Vertriebskraft für seine eigenen Marken. Zum einen. Zum anderen lässt sich nun trefflich darüber spekulieren, was aus den Konkurrenten Asos und Zalando wird, wenn sie sich einen solchen Großinvestor teilen. In mittlerer Zukunft eine Vereinigung zu einem europäischen Internet-Überriesen?

Niemand äußert sich zu derartigen Spekulationen. Bei Zalando verweist man auf die langjährige Zusammenarbeit mit Povlsen. Dessen Marken werden über das Portal schon seit Jahren verkauft. Zudem bringt Zalando mehr und mehr eigene Modemarken in den Online-Shop. Die Erfahrung des dänischen Modeunternehmers kann dabei hilfreich sein.

Emsiges Stühlerücken

Neben dem Einstieg von Povlsen gibt es noch weiteres Stühlerücken im Gesellschafterkreis von Zalando, eine Art Aufräumen. Rocket Internet steigt als Investor aus. Rocket hatte Zalando gegründet und für die Expansion Investoren geworben. Hinter der Berliner Firma stehen die drei Unternehmer-Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. Ihnen gehören jetzt 18 Prozent der Zalando-Anteile über ihren European Founders Fund (EFF) direkt. Bildlich gesprochen handelt es sich bei EFF um den (mit eingesammelten Kapital) gefüllten Tank und bei Rocket Internet um den Motor, der Unternehmen wie Zalando zum Laufen bringt.

Milliardär Povlsen hat seine Anteile von den bisherigen Zalando-Eigentümern EFF, Holtzbrinck Ventures und Tengelmann übernommen. Im Zuge der Neuordnung bei den Anteilseignern taucht auch noch ein weiterer neuer Investor auf – Access Industries hält jetzt vier Prozent. Zuvor war Access Industries über Rocket Internet indirekt an Zalando beteiligt. Hinter der Gesellschaft steckt der russischstämmige US-Investor und Milliardär Len Blavatnik. Dieser war bis 2009 auch Großaktionär von Air Berlin. Größter Zalando-Anteilseigner bleibt die schwedische Investmentbank Kinnevik mit 37 Prozent.

Spekuliert wird nicht nur über den weiteren Weg von Zalando, sondern auch über den Kaufpreis für das zehnprozentige Anteilspaket von Povlsen. Eine Annäherung ermöglicht der aktuelle Quartalsbericht des größten Zalando-Investors Kinnevik. Demnach wäre Zalando insgesamt rund 3,1 Milliarden Euro wert. Zehn Prozent bedeuteten dann 310 Millionen Euro. Das dürfte wohl eher eine Preisuntergrenze sein. Offizielle Stellungnahmen zum Preis gibt es nicht.

Dass die Veränderungen der Eigentümerstruktur grundsätzliche Veränderungen für das Geschäftsmodell von Zalando mit sich bringen, scheint derzeit nicht wahrscheinlich. Zalando schreibt trotz rasanten Umsatzanstiegs noch immer Millionenverluste.

Der britische Online-Fashionhändler Asos, an dem Povlson beteiligt ist, verdient bereits Geld. Asos arbeitet zu sehr viel niedrigeren Kosten als Zalando, vor allem beim Marketing. Hier verringern die Berliner allerdings schon seit Längerem ihre Ausgaben im Verhältnis zum Umsatz. Dieser betrug im vergangenen Jahr 1,15 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr wird abermals eine deutliche Steigerung erwartet. Manch einer erwartet sogar, dass das erst 2008 gegründete Unternehmen die Zwei-Milliarden-Marke übertreffen wird.

Rapides Wachstum

„Bestseller und Zalando arbeiten bereits seit Jahren sehr erfolgreich zusammen. Anders Holch Povlsen hat die Entwicklung von Zalando sehr eng mit verfolgt und kennt unsere Stärken gut“, sagte Zalando-Mitgründer David Schneider einer Mitteilung zufolge. Bestseller gehörte zu den ersten Modeherstellern, die Zalando 2010 mit Textilien belieferten, als der Onlinehändler sein Sortiment nicht mehr allein auf Schuhe beschränkte. Seither telefonieren Schneider, der bei Zalando als Geschäftsführer für Mode und Produkte zuständig ist, und Povlsen regelmäßig.

Schneiders Kollege aus der Geschäftsführung, Rubin Ritter, sieht im Einstieg des Dänen eine „strategische Weiterentwicklung“ des Gesellschafterkreises. „Wir haben mit Povlsen einen weiteren starken, langfristig ausgerichteten Gesellschafter für Zalando gefunden, mit dem wir gemeinsam die Zukunft des E-Fashion-Commerce gestalten wollen.“

„Zalando verkauft heute alle Bestseller-Marken in Europa und ist einer unserer größten Großhandels-Partner“, sagte Povlsen. „Das Unternehmen sollte in der Lage sein, sein rapides Wachstum in den kommenden Jahren fortzusetzen“, begründete der Bestseller-Chef sein Millionen-Investment. Er sei sicher, dass die Verbindung auf Dauer gewinnbringend für beide Partner werde.

Tatsächlich bringt der Bestseller-Chef nicht nur Geld und Erfahrung im Mode-Onlinehandel mit, sondern über seine bisherigen Modemarken auch die Kompetenz und Netzwerke im klassischen Textilhandel. Zalando könnte für seine Eigenmarken über die Bestseller-Beziehungen zu Herstellern profitieren. Zudem könnte der Einstieg des Jack&Jones-Eigentümers die Mode-Kompetenz Zalandos stärken – genau das gehört zu den großen Zielen des fünf Jahre alten Berliner Unternehmens. Nicht zuletzt wird sich die Geschäftsführung in ihrer Überzeugung gestärkt sehen, dass Zalando immer noch ein lohnenswertes Investment sei – was in der Internet-Community und bisweilen auch im Modehandel gerne bestritten wird.

Povlsen übernahm das im Jahr 1975 von seinen Eltern gegründete Unternehmen, damals war er 28 Jahre alt. Bestseller betreibt mehr als 3000 eigene Läden in 38 Ländern und beschäftigt fast 14.000 Mitarbeiter. Die Produkte allerdings gibt es auch bei anderen Händlern. Der Umsatz lag 2011/2012 bei knapp 2,5 Milliarden Euro.