Der Online-Händler Zalando holt den früheren Deutsche-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke in den Aufsichtsrat. Der 52-jährige Ricke, der den Bonner Konzern vier Jahre bis 2006 führte und noch im Aufsichtsrat von United Internet sitzt, werde im Kontrollgremium die Nachfolge von Martin Weber antreten, teilte Zalando am Mittwoch mit. Weber ist Manager beim Verlag Holtzbrinck – einem der ersten Zalando-Investoren.
Da das Versandhaus sich wie angekündigt die Rechtsform der Europäischen Aktiengesellschaft SE gibt, ziehen zudem drei Vertreter der Arbeitnehmer in das Gremium ein: Christine de Wendel für Frankreich, Christoph Stark aus dem Logistik-Bereich und Benjamin Krümel aus dem Mode-Einkauf. Aufsichtsratsvorsitzende ist Christina Stenbeck, die Chefin des schwedischen Finanzinvestors Kinnevik, dem größten Zalando-Investor.
„Zalando ist ein europäisches Unternehmen: Wir sind in 15 europäischen Märkten tätig, erzielen mehr als die Hälfte unserer Umsätze außerhalb von Deutschland und unser Team wird immer internationaler. Zalando hat jetzt die Rechtsform, die zu einem modernen Unternehmen passt und unseren internationalen Ansatz reflektiert“, sagte Zalando-Vorstand Rubin Ritter.
Spekulationen über einen Börsengang
Die neue Rechtsform habe keine Auswirkungen auf das operative Geschäft, Firmensitz bleibe Berlin. Zuletzt wurde verstärkt über einen Börsengang von Zalando voraussichtlich im Herbst spekuliert. Das Unternehmen hält sich dazu bisher bedeckt und bezeichnet eine Aktienplatzierung als eine Möglichkeit für die Zukunft.
Anfang Mai hatte es in Finanzkreisen geheißen, dass das Berliner Unternehmen die Investmentbanken Credit Suisse, Morgan Stanley und Goldman Sachs mandatiert habe, um einen Börsengang im September vorzubereiten. Zalando gilt schon länger als Kandidat für einen Börsengang in diesem Jahr. Die schwedische Beteiligungsfirma Kinnevik, die mit 36,5 Prozent größter Zalando-Gesellschafter ist, hatte ihren Anteil zuletzt mit knapp 1,4 Milliarden Euro bewertet. Auf dieser Basis wäre der Online-Händler fast 3,8 Milliarden Euro wert.
Zalando wächst – und macht Verlust
Das 2008 gegründete Unternehmen wächst immer noch kräftig – und es schreibt Verlust. Zalando setzte im ersten Quartal insgesamt 501 Millionen Euro um, ein Plus von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Kernmarkt, der Deutschland, Österreich und die Schweiz umfasst, wuchs Zalando um 27 Prozent auf 284 Millionen Euro.
Das Unternehmen ist einer der größten Arbeitgeber in Berlin und Brandenburg. In der Region beschäftigt Zalando mehr als 3000 Mitarbeiter, davon allein 2000 in Berlin. Insgesamt arbeitern mehr als 5000 Menschen für den Onlinehändler.
Zuletzt war Zalando wegen der Arbeitsbedingungen in seinem neuen Logistikzentrum in Erfurt in die Kritik geraten. Das Unternehmen hatte daraufhin angekündigt, Pausen- und Schichtzeiten zu überprüfen. Eine Belohnung von 500 Euro für Mitarbeiter, die andere beim Diebstahl ertappen und Vorgesetzte darauf hinweisen, wurde abgeschafft.
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