Investitionen

Rocket Internet sammelt eine Milliarde Dollar ein

Investoren haben sich in den ersten Monaten des Jahres 2013 mit rund 650 Millionen Dollar bei der Berliner Start-up-Schmiede engagiert. Aber auch die Muttergesellschaft investiert.

Foto: Amin Akhtar

Mehr als eine Milliarde Dollar hat das Berliner Internet-Unternehmen Rocket Internet seit Jahresbeginn eingenommen. Rocket gilt als die Start-up-Schmiede Deutschlands. Die von den drei Brüdern Alexander, Marc und Oliver Samwer gegründete Unternehmensgruppe hat sich auf den Ausbau von Onlinehandelsplattformen (E-Commerce) in aller Welt spezialisiert. Dabei investieren die Samwer-Brüder vor allem für den Modemarkt. Die bekannteste Marke ist der Schuhhändler Zalando.

Rocket hat seit Beginn des Jahres 2013 Investitionen von rund einer Milliarde Dollar (gut 764 Millionen Euro) angezogen. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus 650 Millionen Dollar, die in die Holding geflossen sind, und 400 Millionen von den beiden großen Geldgebern Kinnevik und Access Industries. Diese Summe ist in die Muttergesellschaft geflossen und wurde von dort wieder in die Gründungen des Unternehmens investiert. Das teilte der Start-up-Entwickler am Dienstag mit.

Die Samwer-Brüder haben während der vergangenen 15 Jahre mehr als 25 internationale Unternehmen aufgebaut und am Markt platziert. Käufer dieser Unternehmen waren 25 der wichtigsten Internetunternehmen weltweit – darunter eBay, Groupon, Rakuten und NBC Universal. Rocket Internet ist darüber hinaus nach eigenen Angaben an 75 Unternehmen in 50 Ländern beteiligt, die insgesamt rund 20.000 Mitarbeiter haben. Das Unternehmen wurde im Jahr 2007 gegründet.

Mehr als 100 Unternehmen gegründet

Ingesamt haben die Samwer-Brüder damit schon mehr als 100 Unternehmen in fünf Kontinenten auf die Beine gestellt. Mit ihren Marktplätzen erreichen sie fünf Milliarden Menschen in Ländern, die insgesamt 60 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts stellen.

Rocket Internet versteht es, internationale Märkte aggressiv zu erobern und E-Commerce-Unternehmen dort zu platzieren. Oliver Samwer soll, wie der Branchendienst Techcrunch berichtete, seine Strategie in einer internen Mail einmal mit dem Begriff „Blitzkrieg“ beschrieben haben, was er wegen der negativen Resonanz sehr schnell als „unangemessen“ bedauerte. In Investorenkreisen zollt man den Samwers unterdessen Respekt, vor allem weil sie diese Leistung aus eigener Kraft und ohne Unterstützung durch Börsen erbracht haben.

Hausinvestor Kinnevik stärkt Partnerschaft

Die knallharte Strategie der Samwer-Brüder führt mitunter zu Kollateralschäden. Ende 2011 verließen mehrere Manager das Unternehmen, um mit „Project A“ einen eigenen Inkubator aufzubauen.

Der in Schweden ansässige Hausinvestor des Rocket-Imperiums, AB Kinnevik, hatte einer Mitteilung zufolge zuletzt 67 Millionen Euro in Rocket Internet investiert, um seinen Anteil von 24 Prozent an dem Unternehmen nicht zu verwässern. Kinnevik-Chefin Mia Brunell Livfors will mit diesem Investment „die Partnerschaft mit den Gründern von Rocket Internet und mit Access Industrie als strategischen Partner stärken“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Der von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer gegründete Start-up-Entwickler mit Firmenzentrale in Berlin-Mitte setzt besonders auf Onlinehandel, etwa mit der deutschen Modeseite Zalando sowie ähnlichen Websites unter anderem in Russland, Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Außerdem gehören Lebensmittel-Lieferdienste wie Foodpanda und Bezahl-Dienstleister wie Payleven oder Paymill zur Unternehmensgruppe.

Das Geschäftsmodell von Inkubatoren wie Rocket ist es, Internet-Unternehmen zu entwickeln und anschließend an die Börse zu bringen oder zu verkaufen. In der Vergangenheit wurde immer wieder kritisiert, dass Rocket für seine eigenen Start-ups die Geschäftsideen amerikanischer Unternehmen nachbaue. Zalando etwa lehnt sich an den US-Händler Zappos an.