Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ein weiteres Mal über den Leitzins entschieden – und dabei eine Zinspause eingeläutet. Bedeutet: Der Einlagezins wurde unverändert gelassen. Zuletzt hatten die Währungshüter den Zins im Juni um 0,25 Basispunkte gesenkt, sodass der Einlagenzins aktuell bei 2,00 Prozent liegt. Doch wie wirkt sich diese Entscheidung jetzt auf Tagesgeld, Festgeld und Bauzinsen aus? Experten haben eine klare Einschätzung.

EZB-Zinsentscheid: Der Leitzins bleibt unangetastet

Wie bereits von der Mehrheit der Experten erwartet, hat die EZB die Zinsen im Juli unverändert gelassen. Dazu sagt Michael Heise, Chefökonom von der Investmentgesellschaft HQ Trust: „Die Entscheidung war zu erwarten gewesen. Die EZB hat ihre Politik stark an den aktuellen volkswirtschaftlichen Daten orientiert, die eine Zinspause nahelegten.“ Solides Wachstum im ersten Halbjahr und eine Inflationsrate auf Zielniveau sprachen klar dafür, die Zinsen konstant zu halten und „mit ruhiger Hand zu fahren“.

EZB-Ratssitzung - Christine Lagarde
EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf einer Pressekonferenz. © DPA Images | Boris Roessler

Der Profi ergänzt jedoch: „Ein weiterer Zinssenkungsschritt der EZB könnte im September anstehen.“ Bei einer Einigung im Handelsstreit mit den USA, einem Verzicht auf Gegenzölle der EU und einer tendenziellen Euro-Aufwertung dürfte die Inflation seiner Einschätzung nach im Euroraum weiter leicht zurückgehen.

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Baufinanzierung: Auswirkungen des EZB-Zinsentscheids auf Bauzinsen

„Ich erwarte von der EZB aktuell keine Überraschungen und rechne damit, dass sie die Zinsen im Juli nicht senken wird“, sagte Florian Pfaffinger vom Kreditvermittler Dr. Klein bereits im Vorfeld des Zinsentscheids. Deshalb erwartet er auch bei den Bauzinsen jetzt keine größeren Ausschläge.

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Ein weiteres Indiz für eine anhaltende Zinsstabilität sieht er im Immobilienmarkt: Dieser ziehe zwar leicht an, sei aber derzeit klar von einer Überhitzung entfernt. „Vor diesem Hintergrund haben Banken keinen Grund, die Baufinanzierungszinsen in den kommenden Wochen spürbar zu verändern“, so Pfaffinger. Der repräsentative Zins von Dr. Klein für eine zehnjährige Baufinanzierung liegt aktuell bei 3,24 Prozent.

>> In unserem Kredit-Ticker findet sie die neusten Entwicklungen zu den Zinsen. Hier finden Sie einen Vergleich der Baufinanzierungen.

Auch Florian Bauer, Geschäftsführer der Bauer Immobilien Unternehmensgruppe, zeigt sich optimistisch: „Dass die EZB die Zinsen nicht erhöht hat, ist ein gutes Zeichen. Die Erholung des Immobilienmarkts kann so weitergehen. Neuen Schwung mit attraktiveren Finanzierungskonditionen sollte dann die nächste Zinssenkung bringen.“

Gebäude der EZB in Frankfurt am Main
Wie wirkt sich der EZB-Zinsentscheid auf die Bauzinsen aus? Wir haben wichtige Fakten zusammengefasst. © Getty Images/iStockphoto | Stephan Behnes

Generell wirkt der EZB-Leitzins der Europäischen Zentralbank nur indirekt auf die Zinsentwicklung der Baufinanzierung. Da eine Baufinanzierung zu den langfristigen Anlagen zählt, hängt die Zinsentwicklung für Baudarlehen maßgeblich von den beiden Faktoren Bundesanleihe und Pfandbrief ab. Steigen die Zinsen für Bundesanleihen, steigen die Zinsen für Pfandbriefe und somit steigen auch die Zinsen für Baufinanzierungen. Entscheidend ist außerdem, wie der Kapitalmarkt künftige Zinsschritte der EZB einschätzt – darauf reagieren Banken oft im Voraus, indem sie ihre Konditionen anpassen. Diese Banken haben im Juli die Bauzinsen bereits geändert.

>> In unserer Bauzinsen-Prognose für 2025 finden Sie Einschätzungen zum weiteren Zinsverlauf.

Entwicklung für 2025: Wie weit sinkt der EZB-Leitzins noch?

Doch wie geht es nun im Jahresverlauf weiter? „Bei der Sitzung im September, könnte eine weitere Zinssenkung beschlossen werden, um dem Risiko einer längerfristigen Teuerungsrate unterhalb des gesetzten Inflationsziels vorzubeugen“, vermutet Konstantin Veit vom Vermögensverwalter Pimco. Ebenso gut sei es aber möglich, dass der Zinssenkungszyklus mit dem aktuellen Leitzins von zwei Prozent bereits abgeschlossen ist.

Bastian Freitag vom Vermögensverwalter Rothschild & Co. ergänzt: „Die EZB wird den Leitzins weiterhin schrittweise in Richtung des neutralen Niveaus zwischen 1,75 und 2,25 Prozent senken.“ Konkret seien seiner Meinung nach drei Szenarien für den weiteren Jahresverlauf denkbar:

  1. „Im Basisszenario erfolgt im September eine weitere Zinssenkung auf 1,75 Prozent, gefolgt von einer Pause.“
  2. „Im dovishen Szenario kommt es bei schwachem Wachstum und anhaltend niedriger Inflation zu einer weiteren Senkung auf 1,5 Prozent im Dezember. Auslöser dafür könnten eine deutliche Verschlechterung der Wirtschaftsaussichten infolge einer weiteren Zuspitzung des Handelskonflikts mit den USA oder ein nachhaltiger Rückgang der Inflation sein – etwa durch eine starke und kurzfristige Euro-Aufwertung.“
  3. „Im hawkishen Szenario, das wir derzeit für sehr unwahrscheinlich halten, käme es zu einem Stopp des Zinssenkungskurses – etwa bei deutlich steigender Inflation aufgrund stark zulegender Energiepreise oder einer Eskalation im Handelskonflikt. Auch gibt es im EZB-Rat eine starke Fraktion, die sich gegen weitere Zinssenkungen ausspricht“, so Freitag.

Weiter Prognosen zum EZB-Leitzins finden sie in einem separaten Artikel.

EZB-Entscheid: Einfluss auf Tages- und Festgeld

Während sich Bauzinsen nur indirekt von der EZB-Politik beeinflussen lassen, zeigen sich die Auswirkungen bei Tages- und Festgeldanlagen meist direkt. Sinkende Leitzinsen führen in der Regel zu niedrigeren Zinsen auf Sparprodukte.

Heise vermutet jedoch: „Der deutliche Rückgang bei den Spar- und Einlagenzinsen der Banken dürfte weitgehend vorüber sein.“ In unserem Spar-Ticker finden Sie die aktuellen Top-Konditionen für Tages- und Festgeld. Auch unser großer Tagesgeldvergleich und Festgeldvergleich kann helfen, eine Auswahl an Angeboten zu finden.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.