Die Bauzinsen sind aktuell stabil – doch wird das so bleiben? In unserem wöchentlichen Zins-Check weist Rainer Eichwede von der Bausparkasse Schwäbisch Hall auf ein verborgenes „Überraschungspotenzial“ hin. Er erläutert, welche Faktoren derzeit die Konditionen für Baufinanzierungen beeinflussen und wann Kreditnehmer über eine Umschuldung nachdenken sollten.

Baufinanzierung: Profi warnt vor „Überraschungspotenzial“ bei Zinsen

„Die Bauzinsen bewegen sich seitwärts in einem engen Korridor um rund 3,6 Prozent für zehnjährige Darlehen“, sagt Eichwede. Größere Schwankungen seien kurzfristig eher unwahrscheinlich, allerdings berge die Diskussion über eine mögliche neue Führung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in den USA ein gewisses „Überraschungspotenzial“. Die Entscheidungen der wichtigsten Zentralbank der Welt können auch den europäischen Markt verändern.

Denn: Auf die Bauzinsen wirken viele Faktoren ein. Dazu zählen die wirtschaftliche Entwicklung, die Inflation und die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung. Diese Elemente beeinflussen auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Renditen von Bundesanleihen.

Rainer Eichwede leitet den Bereich Finanzcontrolling bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall.
Rainer Eichwede leitet den Bereich Finanzcontrolling bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall. © Bausparkasse Schwäbisch Hall AG | Bausparkasse Schwäbisch Hall AG

„Wir rechnen mit einer schwachen Wirtschaftserholung und einer Inflation um zwei Prozent“, so Eichwede. Zuletzt seien die Zinsen für Staatsanleihen leicht gestiegen, da öffentliche Haushalte aufgrund hoher Investitionen in Rüstung und Infrastruktur einen großen Anleihebedarf haben.

Immobilienkredit umschulden: Wann es sich lohnen kann

Eine Frage, die Kreditnehmer ebenfalls häufig beschäftigt: Wann lohnt sich eine Umschuldung des Immobilienkredits? Generell gilt: Das hängt stark von der individuellen Situation ab. „Prinzipiell kann sich eine Umschuldung besonders lohnen, wenn die Zinsbindung endet oder der Kredit schon zehn Jahre läuft“, erklärt Eichwede. „Dann entfällt die Vorfälligkeitsentschädigung.“

Über Rainer Eichwede:

Rainer Eichwede ist Kapitalmarkt-Experte der Bausparkasse Schwäbisch Hall und Leiter des Finanz-Controllings.

Da die Bauzinsen vor zehn bis fünfzehn Jahren oft niedriger waren als heute, ist eine sorgfältige Abwägung nötig. „Wer ältere Verträge oder eine hohe Restschuld hat und von gesunkenen Zinsen profitieren kann, beispielsweise durch eine kürzere Festzinsbindung, hat oft Einsparpotenzial und kann mehr tilgen“, sagt er.

Außerdem ermögliche eine Zusammenlegung mehrerer Kredite mehr Transparenz und könne Kosten senken. Wichtig sei, dass die Ersparnis höher sei als die Kosten der Umschuldung. Eichwede rät: „Spätestens sechs Monate vor Ablauf der Zinsbindung sollte man Umschuldungs- und Prolongationsangebote prüfen.“ So bleibe genug Zeit, um zu vergleichen und die nötigen Unterlagen zusammenzustellen.

Der Zins-Check der Woche:

Im Format „Zins-Check der Woche“ teilen Profis aus der Branche jede Woche praktische Tricks für Immobilienkäufer und aktuelle Entwicklungen auf dem Markt. Die wichtigsten Fragen rund um Baufinanzierung und Zinstrends diskutieren wir mit Immobilienprofis. Haben Sie auch Fragen oder Anmerkungen zu dem Thema? Schreiben Sie unserer Redakteurin, sie stellt sie unseren Experten.

Finanzierung: Profi erklärt Faustregel für die Monatsrate

Damit die Finanzierung langfristig tragbar bleibt, sollten Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer aber auf ihre Belastungsgrenzen achten. „Fürs Wohnen – inklusive aller laufenden Nebenkosten – sollte man nicht mehr als die Hälfte des monatlichen Nettoeinkommens aufwenden“, rät der Experte. Bei einem Kredit kalkulierten Banken oft strenger: Die monatliche Kreditrate sollte nicht mehr als 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens ausmachen, damit ausreichend Puffer für laufende Kosten und unvorhergesehene Ausgaben bleiben.