Mit seiner Rückkehr ins Weiße Haus sorgt US-Präsident Donald Trump beinahe täglich für Schlagzeilen. Am 4. Juli drehten sie sich um seine Steuerpolitik: Trump unterzeichnete am Unabhängigkeitstag das umstrittene Steuer- und Ausgabengesetz „One Big Beautiful Bill“. Es enthält weitreichende Steuererleichterungen und Investitionsprogramme. Doch hat das auch Einfluss auf Verbraucher in Deutschland? Experten erklären, wie das Gesetz Inflation, Aktien und Bauzinsen beeinflussen könnte.

Donald Trump: Was ist „One Big Beautiful Bill“?

Trumps „Big Beautiful Bill“ umfasst mehrere Regelungen. „Deshalb ist auch nicht sofort ersichtlich, wie massiv hier Steueranreize für US-Unternehmen gesetzt werden“, sagt Benjamin Bente, Geschäftsführer von Vates Invest. Neu sei beispielsweise, dass die befristeten Steuersenkungen aus Trumps erster Amtszeit nun dauerhaft gelten. Damals hatte er den Satz von 35 auf 21 Prozent gesenkt. „In Deutschland zahlen Unternehmen im Schnitt rund 30 Prozent“, erklärt Bente.

US-Präsident Trump unterwegs
US-Präsident Donald Trump hat das Gesetz „One Big Beautiful Bill“ unterschrieben. © Jacquelyn Martin/AP/dpa | Jacquelyn Martin

Zudem können US-Unternehmen ihre Steuerlast auch über andere Wege senken. „Konkret gibt es hier zwei wesentliche Anreize, vor allem für Unternehmen im Bereich der Zukunftstechnologien“, so Bente. Einer davon sei die sogenannte Bonus Depreciation, „eine Sonderabschreibung für Investitionen in materielle Wirtschaftsgüter wie Maschinen, Computer oder Anlagen“, erklärt der Experte.

Diese müssen Unternehmen nicht mehr wie sonst über mehrere Jahre abschreiben, stattdessen können sie die Anschaffung im selben Jahr direkt zu 100 Prozent geltend machen. Eine solche Sofortabschreibung setze massive Anreize, in reale Wirtschaftsgüter zu investieren, so Bente.

Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, feiert mit anderen Republikanern nach der endgültigen Verabschiedung eines Steuer- und Ausgabengesetzes.
Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, feiert mit anderen Republikanern nach der endgültigen Verabschiedung eines Steuer- und Ausgabengesetzes. © J. Scott Applewhite/AP/dpa | J. Scott Applewhite

Ein weiterer Hebel ist der sogenannte Research and Development Tax Credit. „Hier können rund sieben Prozent der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben eines Unternehmens direkt von der Steuerschuld abgezogen werden“, erklärt Bente. Die Forschungsausgaben mindern nicht nur den steuerpflichtigen Gewinn, sondern werden direkt mit der Steuerlast verrechnet. Von den neuen Regelungen profitieren besonders große Technologieunternehmen, die massiv in Bereiche wie Künstliche Intelligenz oder Robotik investieren.

„Hardware-Investments lassen sich zu 100 Prozent direkt von der Steuer abziehen, auf die Forschungskosten bekommen sie sieben Prozent über die Steuern zurück“, so Bente. „Für Konzerne wie Microsoft stellt sich daher die Frage: Geben wir unser Geld in Form von Steuern ab, oder investieren wir es in die nächste industrielle Revolution? Und es ist wohl nicht weiter erstaunlich, wenn sie sich primär für Letzteres entscheiden werden.“

Donald Trumps Steuerpolitik hat Folgen für Investoren

Auch wenn Tech-Firmen tendenziell von der Gesetzesänderung profitieren dürften, drohen dem US-Staat Nachteile. „Sollten die Steuersenkungen permanent bestehen bleiben, könnte dies die US-Verschuldung auf über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen lassen“, warnt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J. P. Morgan Asset Management. Kurzfristig sei zwar ein positiver Wachstumseffekt möglich – gleichzeitig drohten aber starke Verwerfungen an den Anleihenmärkten.

Das Vertrauen in den US-Dollar schwinde bereits spürbar, warnt der Profi. Das befürchten auch die Experten des Kreditvermittlers Hüttig & Rompf: „US-Präsident Donald Trump tut alles erdenklich mögliche, um das Vertrauen in die eigene Währung wie auch die amerikanische Notenbank zu erschüttern“, urteilen sie.

Sollte sich der Trend fortsetzen, drohe eine Verschlimmerung der Situation. Die Folge: Investoren könnten beispielsweise einen Risikozuschlag für ihre Kredite an die USA fordern. „Hinzu kommen erhebliche Inflationsgefahren, die durch die Politik des amerikanischen Präsidenten ebenfalls befeuert werden“, so die Kredit-Experten weiter.

Das Zollpaket von US-Präsident Trump hatte die Aktienkurse vor einigen Wochen kräftig ins Minus gedrückt.
Das Zollpaket von US-Präsident Trump hatte die Aktienkurse vor einigen Wochen kräftig ins Minus gedrückt. © DPA Images | Arne Dedert

Ein weiteres Risiko sieht Galler in der „Angst vor der Gefahr“, denn sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Verbrauchern nehme die Verunsicherung zu. „Konsumenten fragen sich zunehmend, wie es vor dem Hintergrund der Zollpolitik um das künftige Preisniveau stehen wird“, sagt er. Die Unternehmen befürchteten wiederum steigende Preise bei den Vorprodukten für ihre Produktionen.

Doch wenn aus Unsicherheit alle abwarten, drohen laut Galler negative Folgen für die Ökonomie: „Dies könnte in der weiteren Folge zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden, indem die Wirtschaft genau dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird“, erklärt er.

Inflation: Diesen Einfluss könnte die US-Politik auf die EZB-Entscheidungen haben

Mit Blick auf die Preisentwicklung warnt Galler vor einer trügerischen Ruhe: „Es könnte sein, dass sich Inflationsrisiken erneut aufbauen. Von der Energieseite wird es ab dem vierten Quartal weniger disinflationäre Impulse geben. Das könnte im Zusammenspiel mit der Zollpolitik zu einer moderaten Re-Inflation bis Jahresende führen, was auch die US-Notenbank Fed besorgt.“

Der Arbeitsmarkt in den USA bleibe zudem angespannt. In den USA gebe es immer noch knapp acht Millionen offene Stellen, die restriktive Einwanderungspolitik verschärfe die Personalknappheit weiter. Dies könnte im Endeffekt dazu führen, dass Arbeitgeber höhere Löhne zahlen müssten, um Personal zu gewinnen beziehungsweise zu halten.

Der Euro zeigt sich derzeit stark.
Der Euro zeigt sich derzeit robust im Vergleich zum US-Dollar. © Fernando Gutierrez-Juarez/dpa | Fernando Gutierrez-Juarez

Ein wenig anders ist die Wirtschaftslage in Europa: In der Eurozone und besonders auch in der Schweiz hat die Inflation stark nachgelassen. Der starke Euro in Kombination mit dem starken Franken sorge dafür, dass der Preisauftrieb vergleichsweise niedrig sei. Das gebe der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr Handlungsspielraum: „Gerade aus Deutschland heraus kommt eine starke Konjunkturförderung durch die zusätzlichen Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben.

Auch die Kreditnachfrage ist weiterhin positiv. In Verbindung mit dem nachlassenden Inflationsproblem hat die EZB ausreichend Spielraum, um die Zinsen weiter zurückzufahren“, erklärt Galler. Sinkende Zinsen haben jedoch auch Auswirkungen auf die Einkünfte aus Tagesgeld und Festgeld. Sparer sollten also mit weniger Einnahmen rechnen.

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Aktien & Trumps Politik: Auf diese Anlagen sollten Anleger jetzt setzen

Mit Blick auf Aktien rät Galler weiterhin zu globaler Streuung: „Es ist sinnvoll, über die USA und die Tech-Segmente hinaus breiter zu diversifizieren – das heißt das Portfolio um Europa, Asien, oder auch Japan zu ergänzen.“ Mit Blick auf Asien sieht Galler auch wieder in China Opportunitäten, wo der Tech-Sektor nicht so weit hinter den USA sei, wie man dachte. „Bei Patenten und technologischer Entwicklung spielt China in der oberen Liga mit“, stellt Galler fest.

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Die Volatilität könnte allerdings fester Bestandteil an den Aktienmärkten bleiben, da sich die US-Wirtschaft weiter abschwächen könnte. Die Gewinnerwartungen dürften aus Gallers Sicht jedoch nicht ins Negative drehen. Kritisch sieht Galler jedoch die Bewertungen in den USA: „Die KGVs sind auf 22 gestiegen. Da fängt es an, unkomfortabel zu werden.“ Das bedeutet, dass die Aktien dort derzeit recht teuer sind. Im Vergleich dazu werden viele Branchen in Europa zu niedrigeren Preisen gehandelt. Europäische Aktien können also helfen, das Risiko im eigenen Portfolio zu verringern und mehr Stabilität zu schaffen.

Immobilien gegen „inflationäre Schocks“: Warum sich das jetzt lohnen kann

Gleichzeitig sieht Galler zur Ergänzung von Aktien und Anleihen auch alternative Anlagen als sinnvoll an. Sie seien gut, um sich etwa gegen mögliche „inflationäre Schocks“ abzusichern. Interessant seien dabei vor allem die Segmente Infrastruktur, Transport – aber auch Immobilien. Bei Gold sieht Galler auf dem aktuellen Niveau dagegen nach dem kräftigen Anstieg der letzten Jahre nur noch begrenztes Steigerungspotenzial.

Mauerpark in Berlin, Germany
Auch Immobilienkäufer in Deutschland könnten die neuesten Entwicklungen in den USA zu spüren bekommen.© Getty Images | Nikada

Bauzinsen: So beeinflusst Trumps Politik Baufinanzierungen

Die USA wirken weit entfernt, sodass Immobilienkäufer glauben könnten, die Entwicklungen dort hätten keine Auswirkungen auf sie. „Das stimmt allerdings keineswegs“, sagen die Profis von Hüttig & Rompf. So gelten Zinsen auf US-Staatsanleihen weltweit als eine Art Basiszins für sichere Anlagen. Verlieren internationale Investoren das Vertrauen in den US-Kreditmarkt, könnten sie weltweit höhere Risikoaufschläge fordern.

>> Sie sind auf der Suche nach einer Baufinanzierung? Unser Vergleich kann helfen.

Zudem vergleichen Investoren kontinuierlich die (risikobereinigten) Renditen unterschiedlicher Anleiheklassen. Bringen US-Treasuries mehr Zinsen, verlangen sie auch für vergleichbare europäische Staatspapiere – wie etwa langlaufende Bundesanleihen – entsprechende Renditeaufschläge. Da sich aber genau an diesen Renditen die Zinsen deutscher Hypothekenkredite orientieren, hat dies unmittelbare Folgen für die Kosten einer Baufinanzierung.

Mehr zum Thema finden Sie auch im wöchentlichen Zins-Check:

Außerdem schaue die EZB genau hin, was die amerikanische Notenbank tut. Hebt die Fed wegen höherer Schulden und steigender Inflationsraten die Zinsen an, könnten die europäischen Währungshüter diesen Schritt nachvollziehen, um den Euro nicht zu schwächen und Kapitalabflüsse zu verhindern. Für die immobilienfinanzierenden Banken kann dies längerfristig steigende Kosten zur Folge haben, die sie über höhere Bauzinsen an ihre Kunden weitergeben.

Kurz- bis mittelfristig rechnen die Kredit-Experten zwar mit vergleichsweise stabilen Bauzinsen von um die 3,5 Prozent bei zehnjähriger Zinsbindung, „langfristig werden sich die beschriebenen Entwicklungen in den USA aber sicherlich belastend auf das deutsche Bauzinsniveau auswirken“, heißt es. Hier finden Sie weitere Bauzinsen-Prognosen.

Dabei geben die Profis von Hüttig & Rompf noch einen abschließenden Rat: „Je nach Zeithorizont kann sich auch der Abschluss eines Forward-Darlehens, mit dem Sie sich das heutige Zinsniveau für ein Bauprojekt oder einen Immobilienkauf in der Zukunft sichern können, sinnvoll sein.“