In Heiligenkreuz, da grüßt man sich mit einem betonten „Grüß Gott“. Dem Besucher steht man gerne Frage und Antwort, wenn es ums Klosterleben geht, man trägt stolz die schwarz-weiße Kutte der Zisterzienser, man singt sich mit Chorälen in die Charts. Und wenn ein Mönch dieser Zisterzienser-Abtei über den Hof eilt, dann tut er das zumeist mit einem riesigen scheppernden Schlüsselbund in der Hand – denn es gibt den Touristenbereich in Heiligenkreuz, und es gibt den Klosterbereich, in den nichts Weltliches eindringen soll.

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Nun aber dürfte so einiges aus diesem geschlossenen Klosterbereich in den weltlichen Bereich durchgedrungen sein. Und dieser Ruf, der hat anscheinend sowohl den Vatikan als auch die Strafermittlungsbehörden in Österreich ereilt. Der Vatikan hat zuletzt bekannt gegeben, eine sogenannte Apostolische Visitation in Heiligenkreuz durchführen zu wollen. Und die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat Ermittlungen gegen unbekannt bestätigt.
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Kirche: Schwere Vorwürfe gegen Kloster
Wohlgemerkt aber: Heiligenkreuz ist keine kleine Gemeinschaft, die sich in einer Senke im Wienerwald zurückgezogen und abgeschottet hat. Ganz im Gegenteil. Aktuell zählt das Stift rund 100 Mönche. An der „Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI.“, einer ebenso kirchlich wie staatlich anerkannten Bildungseinrichtung, studieren mehr als 300 Priesteranwärter.

Im Raum stehen jetzt allerdings eine ganze Reihe an Vorwürfen, die den gesamten Betrieb in Heiligenkreuz betreffen dürften. Von Missbrauch ist die Rede, von Machtkämpfen, von Kritik an Methoden und Führungsstil von Abt Maximilian Heim, aber auch Missständen in der Verwaltung des Klosters, zu dem Wälder mitsamt Naturbestattungs-Stätten, ein Stiftsweingut, ein Verlag zählen.
Heiligenkreuz: Anonymer Informant packt aus
Durchaus bemerkenswert sind jedenfalls die Umstände, wie die Anschuldigungen die Klostermauern durchdrungen haben: Ein anonymer Absender hat Briefe mit schweren Vorwürfen an verschiedene Institutionen verschickt. Ob die Untersuchung des Vatikans auch auf dieser Quelle oder anderen Informationen fußt, ist nicht bekannt.
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In der Abtei hatte man jedenfalls seit einiger Zeit Kenntnis von den anonymen Briefen – und bereits Anzeige wegen übler Nachrede erstattet. Seit März liegt der Fall bei der Staatsanwaltschaft. Dort spricht man von „einem sehr undurchsichtigen Fall“. Demnächst soll es auch Vernehmungen in der Abtei selbst geben.
Vatikan: Ermittlungen sollen frühestens im Herbst starten
Im Vatikan mahlen die Mühlen langsamer. Erst im Herbst dürfte die Apostolische Visitation stattfinden. In der Ankündigung des Heiligen Stuhls von Papst Leo XIV. wird man dafür aber recht konkret, was den Untersuchungsgegenstand an sich angeht: Es gehe um den „Leitungsstil der Abtei in ihrer Gesamtheit sowie persönliches Führungsverhalten“, heißt es da. Untersucht werden solle die Umsetzung kirchlichen und ordenseigenen Rechts, sowie wie mit „Kritik, Anregungen und Rückmeldungen“ umgegangen werde und all das vor allem mit einem Fokus auf Konfliktkultur.
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Konkret benannt werden zudem schwere Anschuldigungen: Vorwürfe des Missbrauchs und andere schwerwiegende Verfehlungen. Worum es exakt geht, ob es konkrete Verdachtsmomente, Hinweise oder auch Vorwürfe gegen einzelne Personen gibt, unterliegt allerdings dem päpstlichen Geheimnis. Vonseiten der Abtei betont man jedenfalls, völlig transparent sein zu wollen.
Heiligenkreuz: Ein katholisches Vorzeigeprojekt – eigentlich
Dass Heiligenkreuz in diesem Sinne ins Visier des Vatikans gerät, ist in gleich mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Das Kloster ist so etwas wie das Flaggschiff des konservativen bis ultrakonservativen Katholizismus in Österreich und zugleich ein Ort von durchaus staatspolitischer Bedeutung.

Gegründet wurde das Stift 1133, es ist seither durchgehend belebt und damit neben dem „Stift am Rhein“ das zweitälteste Zisterzienser-Kloster der Welt. Gestiftet wurde das Kloster vom Adelsgeschlecht der Babenberger, denen die Gründung Österreichs zugeschrieben wird. Ihre wichtigsten Familienoberhäupter begruben die Babenberger in Heiligenkreuz. Aber auch einige Habsburg-Gräber finden sich in dem Kloster.
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Nach außen gibt sich das Stift gerne offen und modern. Man lädt Künstler ein, um im Kloster tätig zu sein. 2007 schloss man einen Plattenvertrag mit Universal Music. Die Platte „Chant: Music For Paradise“ erhielt Platin in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Polen und Österreich. Der Abt wurde damals zu „Wetten, dass...“ eingeladen. Eine zweite Platte der Mönche schaffte 2022 in Österreich den Goldstatus.
In krassem Gegensatz zu diesem modernen Auftreten steht die inhaltliche Ausrichtung. Da hatte etwa Pater Edmund Waldstein, an der Stift-eigenen Ausbildungsstätte Dozent für Moraltheologie, die Todesstrafe für Häretiker gefordert. Diese Aussagen werden übrigens als möglicher Grund für die Apostolische Visitation gehandelt. Seit Anfang 2024 arbeitet das Kloster zudem mit der inhaltlich wie datenrechtlich umstrittenen US-amerikanischen Gebets-App Hallow zusammen.








