• Carlo Acutis wurde nur 15 Jahre alt
  • 19 Jahre nach seinem Tod soll der „Cyber-Apostel“ nun heiliggesprochen werden
  • Diese Wunder hat er laut katholischer Kirche vollbracht

Karate, Tennis, Skifahren – das waren Dinge, die Carlo Acutis schon als Knirps äußerst gern gemacht hat. Allerdings war das längst nicht alles. Dass der Junge aus Italien den Beinamen „Cyberapostel“ trug, zeigt schon an, was ihn so besonders machte: die Verbindung von Religion und Internet. Programmieren war sein Hobby.

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Religionsbegeistert war er schon von Kindesbeinen an. Als kleiner Junge schon habe er jeden Tag an einer Messe teilnehmen wollen, um mit Jesus vereint zu sein. Die Eucharistie sei seine „Autobahn zu Gott“, lautet ein Zitat des Jungen, der sogar für Wunderheilungen verantwortlich gemacht wird. Nun soll Carlo Acutis, dessen Leben schon mit 15 Jahren endete, nachdem er an Leukämie erkrankt war, am 7. September heiliggesprochen werden. Ein Termin am 27. April musste wegen der Trauerfeierlichkeiten um Papst Franziskus und der Neuwahl von Papst Leo XIV. verschoben werden.

Italien: Glassarg lockte allein 2024 eine Million Menschen in die Kirche von Assisi

Die Verehrung von Carlos, dessen Krebserkrankung die Menschen erschütterte, hat seit seiner Seligsprechung im Oktober 2020 in Assisi außergewöhnliche Ausmaße angenommen. Die Umstände sind auch geradezu wie gemacht, um das Andenken zu zelebrieren: Schon allein der gläserne Sarg, den allein im vergangenen Jahr eine Million Menschen in der Kirche Santa Maria Maggiore besuchten, gilt als magischer Anziehungspunkt.

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Carlo wollte immer ein ganz normaler Junge sein. Und so sieht er auch im Tod aus: Kein sakrales Hemdchen, das den Leichnam bekleidet. Nein, Carlo trägt Trainingsjacke, Jeans und Turnschuhen. Der Glassarg lässt sich nicht nur vor Ort, sondern auch eindrucksvoll in einem Livestream bestaunen. Alles, was sich zeigen lässt, wird auch gezeigt: In einer Kirche in Rom sind ein Splitter seines Betts, ein Stück eines Pullovers und des, mit dem er nach seinem Tod bedeckt war, ausgestellt.

Carlo Acutis: Herz des Leichnams ging auf Europatournee

Und damit nicht genug. Eine Aktion stellte nämlich alles in den Schatten: Die Heiligenverehrung steigerte sich fast zu einer Art Pop-Kult, als sage und schreibe das Herz des Jungen 2024 auf Europatournee geschickt wurde. 2019 war das Organ bei der Exhumierung des Leichnams entnommen worden, danach wurde es als Reliquie in einem kostbaren Reliquienschrein aufbewahrt. Auch im deutschsprachigen Raum kamen viele junge Menschen in die Kirchen, um sich mit dem Herz des „Cyberapostels“ fotografieren zu lassen.

ITALY - MASS PRESIDED BY VATICAN SEGRETARY OF STATE CARDINAL PIETRO PAROLIN AT THE VATICAN - 2025/4/27
Wollte immer ein ganz normaler Junge sein: Carlo Acutis. Sein früher Tod hat die Menschen berührt.© picture alliance / ipa-agency | Alessia Giuliani

Die Tournee führte über München, Berlin, Köln, Hamburg und Amsterdam. Stationen, die eines Promis würdig sind, so heißt es in Medienberichten. In der Manier von Andy Warhol koloriert, so ist zu lesen, grüßt er popartig porträtiert vom Plakat. Klare Botschaft: Reliquienkult funktioniert auch heute noch. Der sinnliche Kontakt zu Heiligen, sei eben auch heute noch eine tief verwurzelte Sehnsucht, so interpretierten es Religionswissenschaftler.

Italiens Wunderkind war ein Genie am Computer

Carlo Acutis wurde 1991 in London geboren, wuchs in Mailand in einer wohlhabenden Familie auf. Der Vater verdiente sein Geld als Investmentbanker. Was die als nicht übermäßig gläubigen Eltern überraschte, war seine außergewöhnliche Frömmigkeit. Religiöse Themen hätten eine enorme Rolle gespielt, so berichtet seine Mutter Antonia gerne. Schon als kleiner Junge habe er sie mit Fragen über Religion gelöchert, auf die sie keine Antwort wusste.

Ein Priester, den die Mutter dann schon fast verzweifelt aufsuchte, legte ihr nahe, den katholischen Glauben doch besser kennenzulernen. Daran hielten sich die Eltern und besuchten von da an zum Beispiel Gottesdienste. Der Junge war nicht nur neugierig und schlau. Nein, er hatte auch eine missionarische Ausstrahlung: Ein aus Mauritius stammender Hindu-Gelehrter, der als Haushaltsgehilfe in der Familie arbeitete, war von der Begeisterung des Jungen für den Glauben so beeindruckt, dass er sich taufen ließ.

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Acutis, der gefeierte „Cyberapostel“, aber hatte noch eine andere außergewöhnliche Gabe: seine Genialität im Umgang mit dem Computer. Richtig viel Zeit soll er am Bildschirm verbracht haben. Allerdings habe er doch noch reichlich Zeit gefunden, sich für Flüchtlinge und Bedürftige einzusetzen. Und von seinem Taschengeld Schlafsäcke für Obdachlose zu kaufen.

Mit neun Jahren konnte er in Rekordzeit programmieren

Wellen aber schlug, dass er bereits im Alter von neun Jahren sein Verständnis für Informatik auf Universitätsniveau vertiefte und dann in Rekordzeit das Programmieren erlernte. Mit elf Jahren erstellte er eine Website mit der Sammlung 108 eucharistischer Wunder. Hier sehen Kritiker ein Problem. Zum Beispiel der Beauftragte der deutschen Bundesregierung gegen Antisemitismus, Felix Klein: „Ich bemängele, dass es bei dem Verfahren auf dem Weg zur Heiligsprechung keine Rolle gespielt zu haben scheint, dass einige der ‚eucharistischen Wunder‘ zur Ermordung von Juden geführt haben“, sagte Klein der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Papst Leo XIV.
Papst Leo XIV. wird den Carlos Acutis, der auch als „Cyber-Apostel“ bekannt ist, heilig sprechen. © Alessandra Tarantino/AP/dpa | Alessandra Tarantino

Einige der von Acutis aufgeführten Wunder hätten sich um Bluthostien gedreht, mit denen im historischen Kontext Ritualmordvorwürfe gegen Juden einhergegangen seien – „und damit verbunden auch tödliche Angriffe auf sie“. Es sei „dringend geboten“, dass dieser Aspekt von der katholischen Kirche nicht erst auf Nachfrage besprochen und aufgearbeitet werde, so Klein.

Wie besonders das Kind war, daran erinnert man sich auch in der Klinik, in der Carlos behandelt wurde, der nach der Diagnose einer akuten promyelozytischen Leukämie (APL) nur noch wenige Tage zu leben hatte. Er starb innerhalb einer Woche. Pater Sandro Villa war der Krankenhausseelsorger des St. Gerald-Krankenhauses bei Mailand, der Acutis am 10. Oktober 2006 die Krankensalbung und die Heilige Kommunion gab – einen Tag bevor der Junge an einer Hirnblutung, die durch die Leukämie verursacht wurde, ins Koma fiel.

Pater erinnert sich: So war der kleine Carlos kurz vor seinem Tod

Er sei von Acutis’ „Gelassenheit und Hingabe“ beim Empfang der Sakramente im Krankenzimmer berührt war. „In einem kleinen Raum am Ende des Ganges befand ich mich vor einem Jungen. Sein bleiches, aber heiteres Gesicht überraschte mich – undenkbar bei einem schwerkranken Menschen, besonders bei einem Heranwachsenden“, sagte er.

Seine tugendhafte Lebensweise hatte der Vatikan als besonders anerkannt, ebenso zwei Wunder: medizinisch unerklärliche Heilungen von zwei Menschen, die nach Überzeugung der Kirche auf die Fürsprache des Verstorbenen bei Gott erfolgten.

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Einmal ging es um einen Jungen aus Brasilien. Berichten zufolge litt der kleine Matheus an einer angeborenen Krankheit der Bauchspeicheldrüse, die zu ständigem Erbrechen führte, wodurch die Gesundheit des Kindes immer schwächer wurde. Bei der Berührung mit einer Reliquie von Carlo Acutis habe die Heilung eingesetzt.

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Das zweite Wunder, das Acutis zugeschrieben wird, bezieht sich auf die Heilung eines Mädchens aus Costa Rica, das ein Kopftrauma erlitten hatte, als es in Florenz, wo es studierte, vom Fahrrad gefallen war. Die Mutter sagte, sie habe am Grab von Acutis in Assisi für die Genesung ihrer Tochter gebetet.

Vorbereitungen zur Heiligsprechung laufen auf Hochtouren

Die Heiligsprechung von Carlo Acutis im September zählt zu den Höhepunkten des „Heiligen Jahres 2025“ in Rom. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits auf Hochtouren: Im deutschsprachigen Raum werden mehrere Jugend-Pilgerreisen zu diesem weltkirchlichen Ereignis veranstaltet, während in Italien neben Rom auch die wichtigen Lebensstationen des künftigen Heiligen, wie Assisi und Mailand, im Fokus stehen.

Gemeinsam mit Acutis wird der italienische „Sozialapostel“ Pier Giorgio Frassati (1901-1925) zur weltweiten Verehrung freigegeben. Frassatis Heiligsprechung war ursprünglich für den 3. August – zum „Jubiläum der Jugend“ im laufenden Heiligen Jahr der katholischen Kirche – angekündigt. Jetzt wird sie zusammen mit jener von Acutis stattfinden. Der aus Turin stammende Frassati setzte sich in den 1920er-Jahren für Arme und Kranke ein. Er starb im Alter von 24 Jahren an Kinderlähmung. Papst Franziskus zählte ihn wie Acutis zu den Vorbildern für junge Menschen.