- Papst Franziskus ist tot: Kirchenoberhaupt stirbt mit 88 Jahren
- Jorge Mario Bergoglio trat 2013 als Papst an – viele sahen in ihm einen Hoffnungsträger
- Was vom Pontifikat von Papst Franziskus bleibt
Papst Franziskus ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Er starb am Ostermontag um 7.35 Uhr in Rom. Die genaue Todesursache ist bislang nicht bekannt. Noch am Vortag hatte er den Segen „Urbi et orbi“ gesprochen – deutlich geschwächt. Der gebürtige Argentinier Jorge Mario Bergoglio war seit 2013 Oberhaupt der katholischen Kirche und der erste Papst aus Lateinamerika. Die Wahl seines Nachfolgers ist bereits terminiert: Das Konklave beginnt am 7. Mai 2025 in Rom.
Papst Franziskus: Diese Erkrankungen belasteten ihn vor seinem Tod
Papst Franziskus hatte schon länger mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Das Knie machte ihm zu schaffen, seit einiger Zeit war er bei öffentlichen Terminen auf den Rollstuhl angewiesen. Zudem machte sich auch sein Darmleiden immer wieder bemerkbar. 2023 wurde er zweimal in einer Klinik behandelt: zunächst wegen einer Lungenentzündung, dann wurde er unter Vollnarkose am offenen Bauch operiert. Später sorgte eine Atemwegserkrankung für Probleme. Wegen einer Lungenentzündung hatte er im Frühjahr 38 Tage im Krankenhaus gelegen. Zuletzt hielt er sich wieder in seiner Residenz im Vatikan auf.
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Spekulationen, dass er es seinem Vorgänger gleichtun und von seinem Papst-Amt zurücktreten könnte, trat Franziskus aber entgegen. Er wolle nicht, dass Papst-Rücktritte „eine Mode, eine normale Sache“ werden, hatte er 2023 am Rande eines Besuchs im Kongo erklärt: „Ich habe das im Moment nicht auf meiner Agenda.“ Nun ist Papst Franziskus gestorben.
Papst Franziskus: Anfangs große Sympathien für den Pontifex aus Argentinien
Zu Beginn seines Pontifikats 2013 waren dem Mann aus Lateinamerika die Sympathien der Menschen zugeflogen. Durch seine joviale, fast schon lockere Art und sein betont volksnahes und bescheidenes Auftreten hatte der Papst, der sich als erster Pontifex nach dem Bettelmönch Franziskus nannte, große Hoffnungen geweckt. Viele Katholiken trauten ihm zu, endlich die von vielen dringend erwarteten Reformen anzustoßen, etwa in Sachen Sexualmoral oder bei der Rolle der Frauen in der Kirche. Er las den Gläubigen nicht die Leviten, wie es etwa Johannes Paul II. tat, und er dozierte auch nicht langatmig wie Benedikt XVI., sondern ging auf die Menschen zu. Er grenzte keinen aus.
Die Hoffnung: Nach dem professoral-verknöcherten Benedikt XVI., der mit seinem Rücktritt den Weg für Bergoglio frei gemacht hatte, komme da nun ein „Mann des Volkes“. Einer der näher an der katholischen Basis ist als an der Kurie. Franziskus nährte solche Erwartungen durch kleine Gesten: Er ließ sich bei Auslandsbesuchen im Kleinwagen chauffieren, statt in ausladenden Limousinen. Er zückte an der Hotel-Rezeption auch schon mal das eigene Portemonnaie. Ein Papst ganz im Geiste von Franz von Assisi.
Franziskus‘ Bilanz: Am Ende blieb es bei den Gesten
Nun, nach dem Tod des Pontifex, ist zu bilanzieren: Es blieb weitgehend bei Gesten. Franziskus hatte entweder nicht die Kraft, oder aber nicht den Willen zu grundlegenden Reformen, die der angeschlagenen katholischen Kirche neue Impulse hätten geben und den Exodus der Gläubigen gerade in Europa stoppen können.
Papst Franziskus: Die Stationen seines Lebens in Bildern
Wie zementiert die Dogmen und Grundsätze im Vatikan sind, lässt sich am Beispiel der Deutschen Bischofskonferenz verdeutlichen. Die Oberhirten haben mit ihrem „Synodalen Weg“ im Dialog mit den Gläubigen einen Prozess eingeleitet, der Reformen in den Bereichen Stellung der Frau in der Kirche, Umgang mit Macht, Sexualmoral und Zölibat anstrebt. Ein Synodaler Rat, in dem Kleriker und Nicht-Kleriker gemeinsam entscheiden, sollte als Leitungsgremium fungieren. Wie wenig der Papst von solchen Experimenten hielt, wurde Anfang 2024 deutlich: In einem Brief an die deutschen Bischöfe, unterzeichnet von den drei wichtigsten Kardinälen im Vatikan, wurden die Pläne rigoros gestoppt. Ausdrücklich wiesen die Absender darauf hin, dass Franziskus ihre Haltung unterstütze.
Franziskus musste mit Benedikts schwerem Erbe kämpfen
Praktisch von seinem Amtsantritt musste Franziskus mit immer neuen Meldungen, Gerüchten und Spekulationen über die Rolle seines Vorgängers leben. Seit einem halben Jahrtausend hatte es keinen „Papst emeritus“ im Vatikan, mit großem Interesse blickte die Welt darauf, ob es zwischen „den beiden Päpsten“ zu Spannungen kommen würde. Eine Situation wie geschaffen für die Scharen von selbst ernannten Vatikan-Auguren, die jede Wortmeldung Benedikts als einen Angriff auf seinen Nachfolger deuteten.

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Tatsächlich ist nicht erkennbar, dass das fast zehn Jahre dauernde Nebeneinander der beiden Kirchenführer Franziskus nachhaltig geschwächt hätte. Ebenso wenig belegen lassen sich Behauptungen, ein eigentlich für Reformen aufgeschlossener der Papst werde durch eine erzkonservative Garde von Kardinälen und anderen Strippenziehern im Vatikan an Neuerungen gehindert. Stattdessen ist heute klar: Franziskus war, bei aller Volkstümlichkeit, kein Reformer.
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Ebenso von Beginn seiner Amtszeit an wurde Franziskus mit dem Missbrauchsskandal konfrontiert. Zehntausende Fälle, in denen katholische Amtsträger in Einrichtungen der Kirche sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausübten, haben das Vertrauen vieler Christen in die katholischen Institutionen nachhaltig erschüttert. Immer öfter kamen auch Fälle von Vertuschung und Verschleierung ans Licht. Franziskus hat all dieses klar und scharf verurteilt. Den Vertrauensverlust stoppen konnte er aber nicht.
Ein Papst, der für die Armen und Benachteiligten kämpfte
Positiv muss man sehen, dass sich Franziskus rigoros für die Armen und Benachteiligten in der Welt einsetzte. Mehrfach kritisierte er hemmungslosen Kapitalismus: „Wenn der Mensch nicht mehr im Mittelpunkt steht, wenn das Geldverdienen das erste und einzige Ziel ist, befinden wir uns außerhalb jeder Ethik, und so bekommen wir Strukturen der Armut, Sklaverei und Verschwendung.“ Immer wieder hatte er sich zuletzt gegen den Krieg Russlands in der Ukraine gewandt. „Es ist eine Geschichte, die so alt ist wie die Menschheit“, sagte er 2024 bei seinem ersten Auftritt in einem Fernsehstudio des italienischen Senders RAI. „Mit Frieden gewinnt man immer, vielleicht ein wenig, aber man gewinnt. Mit Krieg verliert man alles. Alles!“ Zu einem Besuch des Papstes in der Ukraine, über den seit Kriegsbeginn immer wieder spekuliert wurde, kam es nicht.

Unvergessen ist das Bild des Papstes, der während des Corona-Lockdowns im März 2020 auf dem menschenleeren Petersplatz den Segen Urbi et Orbi spendete, unterbrochen nur vom Signalhorn eines vorbeifahrenden Ambulanzwagens. Das waren eindringliche Bilder in einer – damals gerade für Italien mit tausend Corona-Toten am Tag – schweren Zeit.
Franziskus hinterlässt der katholischen Kirche kein bestelltes Feld. Nach allem, was nach außen dringt, hält hinter den Mauern des Vatikans der erbitterte Streit zwischen Bewahrern und Reformern um den Kurs der Kirche unvermindert an. Gerade in der westlichen Welt verliert die katholische Kirche gleichzeitig unvermindert an Rückhalt. Ihr Einfluss auf Politik und Gesellschaft nimmt ab. In der modernen, säkularen Gesellschaft spielt der Glaube an Gott eine immer kleinere Rolle. Diese Entwicklung zu stoppen, oder gar umzukehren, ist eine Herkules-Aufgabe für jeden neuen Papst, wer auch immer auf Franziskus folgt.

























