Die allermeisten Menschen dürfen bei der Papstwahl im Mai nur von außen zusehen. Doch dank zweier Online-Tools darf sich jeder nun einmal selbst als Kardinal fühlen und herausfinden, welcher Kardinal für ihn am besten als Papst wählbar wäre. Unabhängig voneinander haben der Schweizer Student Luca Naudszus und der niedersächsische Webentwickler Tim Kneisel einen Kardinal-O-Mat entwickelt.

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Der Kardinal-O-Mat basiert auf dem bekannten Wahl-O-Mat, den die Bundeszentrale für politische Bildung vor Bundes- und Landtagswahlen anbietet. Auch hier muss man sich zu verschiedenen Thesen mit Zustimmung, Ablehnung oder neutral positionieren. Am Ende bekommt man eine Übersicht, mit welchen Kardinälen man die größte inhaltliche Übereinstimmung hat und welche man deshalb selbst am ehesten zum Papst wählen würde.

  • Der vom Schweizer Studenten Luca Naudszus entwickelte Kardinalomat: kardinalomat.de
  • Der vom niedersächsischen Webentwickler Tim Kneisel entwickelte Kardinal-O-Mat: kardinal-o-mat.de

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Kardinal-O-Mat: Einige Thesen sind nur für Fachleute verständlich

Dabei werden zum Teil in der breiten Öffentlichkeit debattierte Fragen gestellt, wie etwa zum priesterlichen Zölibat oder zur Segnung Homosexueller. Aber auch kirchenrechtlich sehr spezielle Fragen zur „tridentinischen Messe in der Form vor dem zweiten Vatikanischen Konzil“, die man als Nicht-Katholik wohl erst einmal googeln muss, bevor man sie beantworten kann. Auch zum synodalen Weg in der deutschen katholischen Kirche gibt es eine Frage.

Der vom niedersächsischen Webentwickler Tim Kneisel entwickelte Kardinal-O-Mat (kardinalomat.de)
Der vom niedersächsischen Webentwickler Tim Kneisel entwickelte Kardinal-O-Mat (kardinal-o-mat.de)© kardinalomat.de | Screenshot

Der Schweizer Entwickler Luca Naudszus sagt, er habe schon während der langen Krankheit von Franziskus im Frühjahr mit der Arbeit am Kardinalomat begonnen. Den jungen Katholiken hätte es interessiert, wer als als mögliche Kandidaten für die Nachfolge von Franziskus gehandelt werden. Deshalb habe er nach Infos zu den Kardinälen gesucht. Frühzeitig habe er sich die Domain gesichert und seine Idee umgesetzt, obwohl gerade seine Masterarbeit in Neurowissenschaften in den letzten Zügen ist. „Für kardinalomat.de habe ich deshalb nachts gearbeitet“, sagt der 26-Jährige.

Wenig Kirchenbezug hat der niedersächsische Entwickler Tim Kneisel. Laut dem Portal „Kirche und Leben“ sei für ihn der Kardinal-O-Mat ein „kleiner Gag“ für Freunde gewesen. Er selbst sei Atheist und habe „von keinem einzigen dieser Kardinäle“ vorher je gehört.

Kritik an Quelle: Daten zu Kardinälen stammen von konservativen US-Portal

Kritik gibt es an der Quelle der beiden Kardinal-O-Maten: Beide Entwickler haben die Positionen der Kardinäle auf der Internetseite „College of Cardinals Report“ der konservativen US-Verlagsgesellschaft Sophia Institute Press recherchiert, die dem Pontifikat von Franziskus sehr kritisch gegenübersteht.

Der vom Schweizer Studenten Luca Naudszus entwickelte Kardinal-O-Mat (kardinal-o-mat.de).
Der vom Schweizer Studenten Luca Naudszus entwickelte Kardinalomat (kardinalomat.de).© kardinal-o-mat.de | Screenshot

Auffällig ist, für welche Themen die Seite die Haltung verschiedener Kardinäle vergleicht: Frauendiakonat, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, Zölibat, „Alte Messe“, Geheimabkommen des Vatikans mit China, Synodale Kirche, Betonung des Themas Klimawandel, die Enzyklika Humanae Vitae samt dem „Pillenverbot“, Kommunion für geschiedene und wiederverheiratete Katholiken sowie – erstaunlicherweise – das deutsche Reformprojekt Synodaler Weg. Der Umgang mit dem Thema sexueller Missbrauch beispielsweise fehlt hingegen.

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Naudszus sagt, er habe viele der Fakten auf der Seite an anderer Stelle überprüft. „Aber natürlich merkt man, dass die Seite aus der traditionalistischen Ecke kommt.“ Er hat in seinem Kardinalomat zwei Themen noch ergänzt, Kirchenschließungen und Impfempfehlungen während der Corona-Pandemie sowie den Dialog mit dem Islam.

Kardinalomat als humorvolles Tool zu Positionen der katholischen Kirche

Unterschiede zwischen den beiden Kardinalomaten gibt es auch bei der Auswahl der möglichen Kandidaten: Der College of Cardinals Report nennt auf Basis ihrer Kriterien 22 vornehmlich konservative Kandidaten für das Papstamt. Während die niedersächsische Variante es dabei belässt, hat Naudszus für sein Tool noch weiter recherchiert und noch etwa zwei Dutzend andere Kardinäle ergänzt. Weitere sollen noch dazu kommen.

Beide Macher sehen ihre Kardinal-O-Maten mit Humor. Kneisel stellt seiner Anwendung folgenden Hinweis voran: „Der Kardinal-O-Mat ist keine Wahlempfehlung. Die Chancen stehen ohnehin nicht sehr gut, dass Sie wahlberechtigt sind.“ Und Naudszus schreibt zu Beginn: „Der Kardinalomat ist zwar keine Wahlempfehlung, aber empfiehl ihn gerne allen Kardinälen, die Du kennst ;)“. Ob sich die drei deutschen Wahlberechtigten – die Kardinäle Rainer Maria Woelki, Reinhard Marx und Gerhard Ludwig Müller – schon durch die Kardinal-O-Maten geklickt haben, ist nicht bekannt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes waren die Kardinalomaten nicht korrekt zugeordnet. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Verzeihung.

jst/KNA