Zusammenfassung

  • Im Marathon-Training sind lange Läufe essenziell.
  • Unsere Autorin will in Hamburg starten, konnte durch eine Verletzung aber kaum laufen.
  • Wie Alternativtraining in der Vorbereitung helfen kann.

Es gibt Läufer, die verabscheuen Laufbänder. Die gehen lieber bei Sturm und Regen (oder auch Glätte) nach draußen, ehe sie ihre Lauftrainings in einem Fitnessstudio absolvieren. Ich gehöre nicht dazu. Zwar ist mir frische Luft und ein wenig Abwechslung auf der Strecke auch lieber, als in einem stickigen Raum beim Joggen einfach nur auf einen Parkplatz zu starren. Gerade im dunklen Winter bin ich aber in den vergangenen Jahren immer mal wieder aufs Laufband ausgewichen und habe festgestellt, dass vor allem Intervall-Einheiten gut darauf funktionieren. Und trotzdem habe ich 30 Minuten auf dem Laufband wohl nie so sehr zu schätzen gewusst wie jetzt.

Mit meiner Knieverletzung und nach vier lauffreien Wochen taste ich mich gerade wieder langsam ans Joggen heran. Erst 15, dann 20, inzwischen 30 Minuten. Und ja: Es war warm und die Aussicht nach zehn Sekunden langweilig. Die Bandage am Knie, die ich laut Arzt und Physiotherapeutin während des Laufens tragen soll, fing mit der Zeit an zu drücken oder zu rutschen – je nachdem, wie fest ich die Gurte eingestellt habe. Und dennoch wurde mir bewusst, wie mir das Laufen in den vergangenen Wochen gefehlt hat und dass man es nicht als Selbstverständlichkeit ansehen darf, den Sport ohne Schmerzen ausüben zu können.

Auch interessant

30 Minuten auf dem Laufband sind plötzlich ein Highlight

Bei all der Freude darüber, wieder laufen zu können und vor allem: danach ohne Knieprobleme gehen und Treppen steigen zu können, ist allerdings auch klar, dass 30 Minuten weit weg von einem Marathon sind. Ich müsste im Training eigentlich an einem ganz anderen Punkt stehen. Bis zum Hamburg-Marathon sind es jetzt (nur) noch rund zweieinhalb Monate. Die Zweifel daran, ob es mit der Teilnahme klappt, werden nicht geringer, auch wenn ich versuche, das wegfallende Lauftraining bestmöglich auszugleichen.

Denn es ist nicht so, dass die Zeit, die Sport in meiner Woche einnimmt, durch die Verletzung unbedingt geringer geworden ist. Zur wöchentlichen Physiotherapie (von der ich tatsächlich schon einmal Muskelkater bekommen habe) kommen weitere fünf bis sechs Sporteinheiten pro Woche hinzu. Nur das Laufen spielt im Moment eben eine eher untergeordnete Rolle. Stattdessen stehen weiterhin Radfahren, Schwimmen und Krafttraining auf dem Programm, mit einem Fokus darauf, die Muskulatur ums Knie zu stärken und es so zu stabilisieren.

Mehr zum Thema Laufen in Berlin

Radfahren und Schwimmen statt Laufen: Was Grund zum Optimismus gibt

In Teilen funktioniert das gut: Die Grundlagenausdauer lässt sich auch auf dem Rad trainieren, indem man auf die Herzfrequenz achtet. Genauso lassen sich dort Intervalle mit hoher Intensität trainieren – übrigens auch beim Schwimmen, wo sich der Puls erstaunlich hoch treiben lässt. Einen Zwei- oder Drei-Stunden-Lauf durch eine Alternative zu ersetzen, ist dagegen schwierig. Hier lässt sich der Trainingsrückstand kaum leugnen. Es ist der Punkt, der mich am meisten beunruhigt – vor allem, weil ich die Laufdistanz nur langsam steigern möchte, um die Knieverletzung auf keinen Fall zu etwas Dauerhaftem werden zu lassen.

Es gibt aber auch etwas, das mich zumindest verhalten optimistisch stimmt. In der Vergangenheit habe ich es immer mal erlebt, dass sich das Laufen nach einer längeren Pause unrhythmisch und ungewohnt anstrengend anfühlte, auch Muskelkater im vorderen Oberschenkel gab es danach regelmäßig. All das ist ausgeblieben, was zeigt, dass Krafttraining, Radfahren und Schwimmen durchaus eine Wirkung erzielen, von der ich hoffentlich auch längerfristig beim Laufen profitieren werde.

Auch interessant

Eine Antwort auf die Frage, ob es gelingen kann, sich so auf einen Marathon vorzubereiten, werde ich in einigen Wochen geben können. Dann werde ich eine Entscheidung dazu treffen müssen, ob ich es mit einem Start versuche oder den Platz zurückgebe. Ich werde gründlich darüber nachdenken. Weil ich kein Interesse daran habe, mich von den 42 Kilometern über 20 Kilometer nur zu quälen. Dann wechsle ich lieber von der Strecke an den Streckenrand und feuere die Menschen an, die wirklich fit genug sind, den Marathon zu laufen.