Es gibt diese Menschen, die absolute Morgensportler sind. Die kein Problem damit haben, um fünf Uhr aufzustehen, nur damit sie vor der Arbeit schon die erste Laufrunde, die erste Yogaeinheit oder das erste Krafttraining erledigt haben. Ich gehöre nicht dazu. Für mich ist Sport nach dem Job der perfekte Ausgleich. Aber es gibt eben Phasen, in denen die Abende mit anderen Dingen gefüllt sind – so wie jetzt, in der Vorweihnachtszeit. Also habe ich in dieser Woche umgeplant. Und mich um 6:57 Uhr auf dem Rennrad wiedergefunden.

Meine Laufuhr war von diesem Einsatz begeistert und hat mir prompt die Auszeichnung „Frühaufsteher“ verliehen. Dafür muss man, wie ich erfahren habe, eine sportliche Aktivität zwischen vier und sieben Uhr morgens aufzeichnen. Genaugenommen haben also nur drei Minuten meiner Radfahrt innerhalb des Zeitfensters gelegen, der Uhr hat das aber offensichtlich gereicht. So oder so: Möglich war das Ganze nur, weil ich seit wenigen Monaten einen Rollentrainer besitze, in den ich mein Rennrad einspannen kann. Ich kann damit quasi aus dem Bett aufs Fahrrad fallen und bin unabhängig von Dunkelheit, Regen oder Kälte.

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Vor dem Kauf des Rollentrainers habe ich eine Weile überlegt, ob die Investition wirklich notwendig ist, mich dann aber von den Vorteilen überzeugen lassen. Und nach den ersten Wochen im Einsatz würde ich bestätigen: Fürs Training ist der Kauf sinnvoll. Und das Radfahren im eigenen Wohnzimmer erstaunlicherweise weitaus weniger langweilig als die Fitnessstudio-Variante. Zumal ich sagen muss: Es ist mir lieber, mich beim Radfahren zwischen meinen Möbeln etwas eingeengt zu fühlen als in einer Reihe von 20 Fahrrädern, die aus Effizienzgründen mit maximal einem Meter Abstand nebeneinander aufgebaut wurden.

Ich bemerke außerdem Fortschritte, die nichts mit meiner Fitness, sondern eher meinem Fahrrad-Verständnis zu tun haben. Um den Rollentrainer zu nutzen, muss ich mein Fahrrad darauf spannen. Das Hinterrad muss also raus (und nach dem Training wieder rein, was der weitaus schwierigere Part ist). Ich bin mit einem gewissen Respekt an die Aufgabe gegangen, und tatsächlich erinnerte mich mein erster Versuch an mein 16-jähriges Ich, das verzweifelt vor dem Spiegel versuchte, eine Kontaktlinse ins Auge zu setzen.

Etwa 45 Minuten benötigte ich – damals für die Kontaktlinse, jetzt für das Hinterrad. Glücklicherweise gilt aber ebenso für beides: Man wird schnell besser. Inzwischen klappt das Ganze (meistens) innerhalb weniger Minuten. Was auch für die nächste Freiluftsaison nicht schaden kann, sollte ich doch mal einen Platten haben.

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Nun gibt es aber, wie bei allem, auch weniger überzeugende Aspekte. Gerade in kleinen Wohnungen ist die Platzfrage ein Thema – wer, wie ich, in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebt, hat nur begrenzte Möglichkeiten, das Gerät aufzustellen. Auf Instagram sah ich dazu kürzlich einen Beitrag, in dem es mit Blick auf den Rollentrainer im Wohnzimmer hieß, der Wäscheständer brauche Gesellschaft bei der Verschandelung der Wohnung. Ich konnte mich sehr damit identifizieren. Ein Fahrrad, das mitten im Zimmer, zwischen Esstisch und Couch steht, trägt nicht gerade zur Verschönerung des Raums bei.

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Was mir außerdem auffällt: Entspanntes Radfahren gestaltet sich schwierig. Es mag an mir liegen, aber wenn ich in einer virtuellen Gruppe von Radfahrern unterwegs bin, dann versuche ich auch, in dieser Gruppe zu bleiben. Und wenn mir das Trainingsprogramm den Hinweis „Schließe die Lücke“ anzeigt, weil in nicht allzu großer Entfernung vor mir ein anderer Radfahrer unterwegs ist, fühle ich mich dazu animiert, dem Folge zu leisten.

Womöglich werde ich mit der Zeit gelassener. Auch das wäre, ganz unabhängig von der Fitness, ein nicht zu unterschätzender Trainingseffekt. Denn eine Portion Gelassenheit, die kann man in Berlin immer gut gebrauchen.