Normalerweise steht ein Fazit am Ende eines Textes, in diesem Fall muss ich es aber vorwegnehmen: Der Berlin-Marathon, das ist die zentrale Erkenntnis des vergangenen Wochenendes, ist einfach etwas Besonderes. Egal ob man an der Startlinie oder am Streckenrand steht. Wobei ich gestehen muss: Ein paar Mal habe ich den Tagen vor dem Marathon noch darüber nachgedacht. Hätte ich mich doch anmelden sollen, werde ich es bereuen, wenn ich nur zuschaue und nicht selbst mittendrin bin? Auslöser waren die vielen Läuferinnen und Läufer, die ich auf der Messe und in der ganzen Stadt gesehen habe und die offensichtlich so aufgeregt und voller Vorfreude waren.
Aber am Ende war alles gut so, wie es war. Denn am Samstagmorgen wurde mir klar: Der Marathon wird für viele Teilnehmer ein hartes Rennen. Ich war an dem Morgen beim Lauf „Generali 5K“ dabei, der vom Potsdamer Platz bis zum Ziel hinter dem Brandenburger Tor führte. Und während strahlender Sonnenschein und Temperaturen von (weit) mehr als 20 Grad bei einem 5-Kilometer-Rennen gerade noch erträglich sind, hätte mir das Wetter auf einer 42 Kilometer langen Strecke doch zu schaffen gemacht. So kam es dann auch für viele am Sonntag.
Auch interessant
Als Zuschauer Berlin-Marathon die Schmerzen kurz vergessen machen
Umso mehr war es mir ein Anliegen, an der Strecke zu stehen und die Läuferinnen und Läufer anzufeuern, von der Elite über Freunde und Familie bis hin zu fremden Hobbysportlern, die sich alle durch das Rennen gebissen haben. Ich weiß, wie viel es bringt, bekannte Gesichter am Rand zu sehen, aber auch von unbekannten Menschen angefeuert zu werden. Mich hat die Stimmung durch den Marathon im vergangenen Jahr getragen. Und ich würde sagen: Die Zuschauer haben auch dieses Mal ihr Bestes gegeben, dass die Läufer ihre Schmerzen zumindest für kurze Zeit vergessen können.
Auch interessant
Schon am Samstagmorgen, bei dem 5-Kilometer-Lauf, war ich überrascht, wie viele Menschen an der Strecke standen. Und am Sonntag wurde die Zahl natürlich bei weitem nochmal übertroffen. Ich war an acht verschiedenen Punkten an dem Rundkurs und hatte teilweise Mühe, überhaupt bis an den Streckenrand zu kommen, so viele Zuschauer standen dort. Und den meisten ging es nicht nur um ihre Angehörigen, sondern um alle Läufer.

Erstmals hatte ich am Sonntag für einen Lauf ein Plakat vorbereitet. „Tap here to power up“ stand darauf, also übersetzt etwa: Schlag hier dagegen und tanke neue Energie. Daneben hatte ich mich bemüht, den Pilz aus Mario Kart zu malen, der in dem Spiel zusätzliche Kraft verleiht. Ich habe ähnliche Plakate selbst schon oft bei Läufen gesehen – und auch das eine oder andere Mal abgeklatscht. Diesmal wollte ich das Ganze also aus der anderen Perspektive testen.
Berlin-Marathon 2025: Viele Läufer haben sich ins Ziel gekämpft
Ganz ehrlich: Ein Kunstwerk war das Schild wahrlich nicht und wasserfeste Stifte wären hilfreich gewesen. Schon nach einer Handvoll Läufer waren die Farben teilweise verschmiert, die Buchstaben verschwommen. Ich habe mich bemüht, das Plakat während der U-Bahn-Fahrten zwischen den Stationen (am liebsten in vollen Kurzzügen im Zehn-Minuten-Takt) wieder zu richten, damit Schrift und Bild wenigstens halbwegs erkennbar blieben. Aber das Schild hat seinen Zweck erfüllt.
Auch interessant
Ich weiß nicht, wie viele Menschen dagegen geschlagen haben, aber es waren einige. Vereinzelt sind Läufer sogar quer über die Straße gejoggt, um gegen das Plakat zu tippen, andere haben gelächelt oder „Danke“ gerufen. Wahrscheinlich habe ich mich darüber genauso sehr gefreut, wie es die Starter über die Anfeuerungen vom Rand getan haben. Ich habe viele Läufer gesehen, die wirklich gekämpft haben, die Gehpausen eingelegt haben und offensichtlich bis an ihre Grenzen gegangen sind, um das Brandenburger Tor zu erreichen. Ich habe mitgelitten und versucht, auch Fremden Mut zuzusprechen. Im Ergebnis war meine Stimme am Nachmittag etwas angeschlagen und die Beine waren schwer, aber es hat sich gelohnt. Und Berlin hat mal wieder bewiesen, warum es kaum einen besseren Ort für einen Marathon gibt als hier.






