Schwimmen empfinde ich eigentlich als sehr beruhigende Sportart. Man taucht ab, gleitet durchs Wasser, bekommt von der Welt draußen kaum etwas mit. Und weil ich mich vor allem auf den Rhythmus und die Atmung konzentriere, kann ich auch sämtliche andere Gedanken gut ausblenden. In den letzten Wochen musste ich allerdings feststellen: In den Berliner Bädern funktioniert es nur bedingt, in diesen manchmal fast meditativen Rhythmus zu finden. Denn ganz offensichtlich habe nicht nur ich die Vorzüge des Schwimmens erkannt.

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Weil mich eine Verletzung weiterhin vom Laufen abhält, versuche ich, das Schwimmen aktuell wöchentlich in meinen Trainingsplan zu integrieren. Die Herausforderung beginnt schon damit, überhaupt ein Bad zu finden, das nach dem Feierabend fürs öffentliche Schwimmen geöffnet hat. In meinem Wohnbezirk Tempelhof-Schöneberg sind von den eigentlich vier Hallenbädern zwei aktuell wegen Sanierungsarbeiten langfristig geschlossen. Von den beiden, die übrig bleiben, hat keines an Abenden unter der Woche geöffnet, am Wochenende stehen sie nur eingeschränkt zur Verfügung.

Berlins Bäder sind knapp bemessen – und entsprechend voll

Beide Bäder habe ich trotzdem inzwischen ausprobiert, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Entscheidend sind dabei weniger die Bedingungen im Bad an sich – ob das Becken 25 oder 50 Meter lang ist, man an einem Ende stehen kann oder ob das Wasser zwei Grad wärmer oder kälter ist, spielt für mich keine Rolle. Aber bei dem schon oft attestierten Berliner Mangel an „Wasserfläche“, wie es im Behördensprech so schön genannt wird, ist klar, dass es in den Hallen schnell voll wird.

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Jetzt bin ich sicherlich genauso wenig ein Schwimm-Profi wie ich ein Lauf-Profi bin. Aber zumindest war ich als Kind und Jugendliche viele Jahre in einem Berliner Schwimmverein, was mir einen Vorteil denen gegenüber verschafft, die erst im Erwachsenenalter lernen, wie man überhaupt Kraul schwimmt. Das Problem ist nun, wenn Menschen mit sehr unterschiedlichem Tempo versuchen, gleichzeitig auf einer 2,5 Meter breiten Bahn zu schwimmen. Dann mutiert die eigentlich beruhigende Sportart schnell ins Gegenteil.

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In seinem eigenen Rhythmus zu schwimmen, ist in diesen Fällen kaum möglich. Je nach Perspektive ist es ein ständiges Überholen oder Überholt-Werden. Schwimmen wird ein Wechselspiel aus Abbremsen und Beschleunigen, getrieben vom Versuch, Lücken zwischen den anderen Sportlern zu finden und möglichst nicht vom Bein oder Arm eines Mitschwimmers getroffen zu werden. In Perfektion konnte ich gerade an einem Abend in Wilmersdorf trainieren. Mit der Erkenntnis, dass meine Suche nach dem passenden Bad noch nicht abgeschlossen ist. Hinweise für Hallen, in denen Schwimmen abends oder an Wochenenden ohne Gerangel möglich ist, nehme ich gern entgegen.

Schwimmen ist unter Läufern eine unterschätzte Sportart

Wenngleich die Umstände den Spaß minimieren können, stelle ich doch fest: Schwimmen ist eine oft unterschätzte Sportart. Auch wenn die Regelmäßigkeit, mit der ich aktuell ins Becken steige, nicht unbedingt freiwillig ist, versuche ich doch, das Positive darin zu sehen. Und das liegt nicht nur darin, dass mein mehr als 15 Jahre altes, aber größtenteils erstaunlich gut erhaltenes Equipment wie Flossen endlich mal wieder zum Einsatz kommen kann. Schwimmen fordert andere und mehr Muskeln als laufen, ich merke das vor allem im Schulter- und Armbereich, den ich beim Joggen allenfalls mäßig trainiere. So kann, sagen Experten, Training im Wasser auch helfen, muskuläre Dysbalancen auszugleichen oder vorzubeugen. Und die Lunge profitiert, weil man gerade beim Kraulschwimmen gezwungen ist, mehrere Armzüge lang ohne Atmung auszukommen.

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Nun ist völlig klar, dass ich das Laufen nicht vollkommen durch Schwimmen ersetzen kann. Aber manchmal hilft es ja, sich nicht darauf zu konzentrieren, was man – aus welchen Gründen auch immer – gerade nicht machen kann. Sondern auf das, was möglich ist. Und wenn ich jetzt noch das passende Schwimmbad finde, macht das die temporäre Laufpause gleich noch etwas erträglicher.