Die Zahl der verlorenen und verlassenen Gebäude, für die Berlin seit den Neunzigern so bekannt war, ist zwar stark geschrumpft, mit etwas Ortskenntnis lassen sich die Schulruinen, Weltkriegsbunker und aufgegebene Geistervillen aber noch ausfindig machen – und jeder einzelne der Orte hat seine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Hier finden Sie alle wichtigen Fragen und Antworten zu den Lost Places im Ortsteil Lankwitz.

Auch interessant

Was zeichnet die Lost Places in Lankwitz aus?

Vor der Gründerzeit war die kleine Gemeinde Lankwitz südwestlich von Berlin überschaubar: Ein paar Bauernhöfe, einige Landarbeiterhäuser, einige Handwerker – das war es. Insgesamt 350 Einwohner zählte das im Dreißigjährigen Krieg verwüstete Dorf.  Mit dem Bau der Anhalter Bahn, der Entstehung der Villenkolonie Lichterfelde und dem Zuzug vieler Menschen in der Gründerzeit nach 1871 begann auch in Lankwitz ein Bauboom einzusetzen: Beliebte Wohnviertel entstanden wie die Rosenthalsche Villensiedlung (Komponistenviertel), das Zietemannsche Gelände (Klamottenviertel) und das Thüringer Viertel (Lankwitz Süd). Mit seinen begrünten Straßen, Parks und zahlreichen Gartenkolonien erhielt das 1920 in das Stadtgebiet von Berlin eingemeindete Lankwitz zu Recht den Beinamen „Gartenstadt“.

Mit einem fehlgeleiteten Angriff im August 1943 – eigentlich sollten Ziele in der Innenstadt Berlins getroffen werden – endete das alte Steglitz in einem Bombenhagel. 85 Prozent der Bebauung des Ortsteils wurden zerstört. Nach dem Ende des Krieges begann in großem Umfang der Wiederaufbau. Lankwitz war als Ortsteil von Steglitz zusammen mit den Bezirken Tempelhof, Zehlendorf, Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg Teil des US-amerikanischen Sektors der geteilten Stadt. Die Lost Places in Lankwitz spiegeln die Zäsuren wieder, die der Ortsteil im Laufe seiner Geschichte erfuhr. Heute stehen nicht nur einige der Weltkriegsbunker leer, sondern auch jüngere Bausünden aus der Nachkriegsgeschichte.

Ist es erlaubt, Lost Places in Lankwitz zu besuchen?

Gewöhnlich ist es offiziell nicht erlaubt, einen Lost Place zu besuchen. Obwohl die Orte verlassen aussehen, gibt es im Regelfall dennoch Eigentümer oder Verantwortliche, die alleine schon aus Gründen der Sicherheit nicht wollen, dass jemand diese Orte betritt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die spannendsten Lost Places im Stadtteil Lankwitz:

Lost Place in Lankwitz: Die ehemalige Bröndby-Schule

Die Bröndby-Schule gehörte zu den ersten Gesamtschulen, die mit dem Ziel einer Verbesserung der Chancengleichheit im Bildungssektor im Zuge der Bildungsreform der 1960er- und 1970er-Jahren entstanden. Leider wurde beim Bau der Berliner Schule Unmengen der „Wunderfaser“ Asbest benutzt. 1989 musste das Schulgebäude wegen Giftstoffbelastung geschlossen werden und die Schule zog in ein provisorisches Gebäude für die Dauer der Sanierungsarbeiten. In dem Provisorium findet der Schulbetrieb noch heute statt. Die ehemalige Schule aber verfiel über Jahre zu einem Horror-Lost Place, bis das Gebäude 2016 für ein Neubauprojekt abgerissen wurde.

  • Adresse: Dessauerstraße 37–39 / Ecke Retzowstraße, 12249 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: 1975 als Bröndby-Oberschule eröffnet; 1989 wurde das Gebäude wegen Asbestbelastung geschlossen; 2008 hat der Bezirk das ehemalige Schulgebäude dem Liegenschaftsfonds zur Verwaltung und Verwertung übertragen
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Das Gebäude wurde 2016 zugunsten eine Neubaus abgerissen
  • Lesen Sie auch: Berlins kaputteste Schule wurde fluchtartig evakuiert

Auch interessant

Lost Place in Lankwitz: Hochbunker in der Eiswaldtstraße

Nachdem 1940 die ersten Bombenangriffe die Reichshauptstadt Berlin trafen, legte die nervös gewordene NS-Führung ein Bunkerbau-Sofortprogramm auf. Unter der Leitung der „Baugruppe Langer“ wurden für Berlin verschiedene Typen von Normbunkern entwickelt. Einer von ihnen: Der Hochbunker Typ „M 500“, der in der Eiswaldtstraße in Lankwitz steht.

Der Betonkoloss sollte in erster Linie die Soldaten der gegenüberliegenden Train-Garde-Kaserne schützen. Nach Kriegsende gab es verschiedene Nutzungskonzepte: Unter anderem wurde ein Mitropa-Hotel in dem Bunker eröffnet. Zuletzt war das Bauwerk als Zivilschutzraum deklariert, bevor es nach Jahren des Leerstandes an einen privaten Investor verkauft wurde. Seitdem wartet das in die Jahre gekommene Bauwerk auf eine neue Verwendung.

  • Adresse: Eiswaldtstraße 17, 12249 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: 1941 durch die „Baugruppe Langer“ als Hochbunker „Typ M500“ errichtet; nach dem Krieg zwischen 1945 und 1949 als „Mitropa-Bunker Hotel“ geführt; danach amerikanisches Kasino und ab 1955 Filmlager; 1989 wurde der Bunker zur Zivilschutzanlage umgebaut und als solcher bis 2009 vorgehalten; danach Leerstand
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09065398
  • Status: Lost Place. Der Bunker wurde in den 2010er-Jahren an einen privaten Investor verkauft

Auch interessant

Lost Place in Lankwitz: Flak-Bunker in der Malteserstraße

Moosbewachsen und verlassen stand ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg für viele Jahre an der Lankwitzer Malteserstraße leer. Der Flakbunker war 1943 auf den rauchenden Trümmern der Offiziersmesse einer alten Kraftfahrer-Kaserne errichtet worden und hatte eine wichtige Funktion. Im Keller des Bunkers gab es Fernsprechverbindungen zu den Batteriebefehlsstellen des „Flakkommandos Süd“, mit denen die Luftverteidigung im Südwesten Berlins koordiniert wurden.

Nach Kriegsende wurde die alte Kaserne zum Hochschulstandort: Erst zog die Pädagogische Hochschule Berlin, und dann die FU Berlin auf dem Campus ein. Statt exerzierenden Soldaten eilten nun Professoren und Studenten an dem Flakbunker vorbei, der sich so recht nie in den Hochschulstandort einfügen wollte. Ende der 1990er-Jahre überließ die FU Berlin den Bunker einem Jugendprojekt: Aus dem leerstehenden Flakbunker wurde der „JugendKulturBunker“.

  • Adresse: Malteserstraße 84, 12249 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: 1943 als Hochbunker über dem Kellerbereich einer zerstörten Offiziers-Speise-Anstalt auf dem Gelände einer Kaserne errichtet; bis zum Ende des Krieges Sitz des Stabs des Luftverteidigungskommandos Berlin 1 und Verbindungsbunker zu den Batteriebefehlsständen „Flakkommando Süd“; nach Kriegsende teils als Lagerraum genutzt, zuletzt hatte das Bauwerk auf dem „GeoCampus“ der FU Berlin keine Verwendung
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Der Bunker wurde Ende der 1990er-Jahre zum Jugendtreff „JugendKulturBunker“ in der Malteserstraße umgebaut

Auch interessant

Lost Place in Lankwitz: Flakkaserne Hindenburgblock an der Eiswaldtstraße

Für die 1943 durch Bombenangriffe stark beschädigte Flakkaserne an der Eiswaldtstraße mussten in der Nachkriegszeit neue Nutzungskonzepte gefunden werden – die Polizei zog ein, katholische Ordensschwestern und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks, doch eine Teilfläche der kaiserzeitlichen Kaserne wartete bis in die 2010er-Jahre auf eine sinnvolle Neunutzung. Zwischen 2017 und 2019 entstand auf dem Kasernenareal am Lerbacher Weg 59 das Neubauquartier "Ankergold". Ein Heizhaus außer Betrieb, das zuletzt teils leer stand, teils als Atelier von einer Künstlerin genutzt wurde, musste für die vier neuen Stadtvillen weichen.

  • Adresse: Lerbacher Weg 59, 12249 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: Zwischen 1913 und 1915 als Garde-Train-Kaserne an der heutigen Eiswaldtstraße errichtet; Ausbildungskaserne für die 3. preußische Fahrabteilung nach 1918; 1935 erfolgte die Umbenennung der Truppen in Flakregiment 12 und die Erweiterung der Kasernenbebauung im Süden bis zur Kolonie Königsgraben; das Nordgelände der kriegsbeschädigten Kaserne wurde in der Nachkriegszeit durch die Polizei genutzt; im Süden Nachnutzung durch das St. Marien-Krankenhaus und das THW Steglitz-Zehlendorf
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Zwischen 2017 und 2019 entstand auf dem ehemaligen Kasernengelände am Lerbacher Weg 59 das Neubauquartier "Ankergold"

Auch interessant