Im Ortsteil Steglitz gibt es sie noch vereinzelt: Lost Places. Die Zahl verlorenen und verlassenen Gebäude, für die Berlin seit den Neunzigern so bekannt war, ist zwar stark geschrumpft, mit etwas Ortskenntnis lassen sich die ehemaligen Bahnhöfe, Wasserwerk-Ruinen und aufgegebenen Geistervillen aber noch ausfindig machen – und jeder einzelne der Orte hat seine ganz eigene Geschichte zu erzählen. Hier finden Sie alle wichtigen Fragen und Antworten zu den Lost Places im Ortsteil Steglitz.

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Was zeichnet die Lost Places in Steglitz aus?

Der alte Ortskern von Steglitz liegt am Übergang zwischen den dicht bebauten Innenstadtbezirken Berlins und den ländlich geprägten Villensiedlungen im Südwesten Berlins. In den grünen Vororten im Südwesten Berlins siedelten sich bevorzugt gutbetuchte Industrielle, Beamte und Künstler an, und es entstanden während der Gründerzeit die prunkvollen Villenkolonien, für die der spätere Bezirk Steglitz-Zehlendorf so bekannt ist. Vom Rand der Rauhen Berge im Osten von Steglitz machte Otto Lilienthal (1848 –1896) seine ersten Flugversuche. Weltberühmt wurde die Steglitzer Dünenlandschaft als Drehort des von Ernst Lubitsch gedrehten Blockbusters „Das Weib des Pharao“ (1922).

1920 wurde die Landgemeinde als Bezirk nach Berlin eingemeindet und war nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit den Bezirken Tempelhof, Zehlendorf, Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg Teil des US-amerikanischen Sektors der geteilten Stadt. Die Lost Places in Steglitz spiegeln die Zäsuren wieder, die der Ortsteil im Laufe seiner Geschichte erfuhr. Heute stehen nicht nur einige der Villen des Ortsteils mit ihrer interessanten, langjährigen Geschichte leer, sondern auch Anlage der Industriegeschichte und jüngere „Bausünden“ aus der Zeit des Kalten Krieges.

Ist es erlaubt, Lost Places in Steglitz zu besuchen?

Gewöhnlich ist es offiziell nicht erlaubt, einen Lost Place zu besuchen. Obwohl die Orte verlassen aussehen, gibt es im Regelfall dennoch Eigentümer oder Verantwortliche, die alleine schon aus Gründen der Sicherheit nicht wollen, dass jemand diese Orte betritt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Welche Lost Places gibt es im Ortsteil Steglitz? Das sind die spannendsten Locations

Lost Place in Steglitz: Steglitzer Kreisel

Seit Jahren steht der ehemals vom Bürgeramt genutzte Wolkenkratzer im südlichen Bereich der Schloßstraße schräg gegenüber dem Rathaus Steglitz leer, nachdem die letzten Mitarbeiter nach Asbestfunden ausziehen mussten – bis ein Investor die Wende versprach. Der Plan: Der Umbau des imposanten Gebäudes aus den 1970er-Jahren zum Appartement-Hochhaus „ÜBerlin“. Doch bis heute ragt die entkernte Bauruine ohne Fassade wie ein hohler Zahn am Rathaus Steglitz in den Himmel. Zurzeit erfolgten Stahlbauarbeiten in der Bestandskonstruktion.

  • Adresse: Schloßstraße 78–82, 12165 Berlin-Steglitz
  • Geschichte: Zwischen 1968 und 1980 nach Plänen der Architektin Sigrid Kressmann-Zschach (1929–1990) errichtet; bis 2007 durch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf genutzt; danach Leerstand
  • Führungen: Der kommerzielle Anbieter Stadtreisen Berlin bietet für Gruppen eine geführte Tour rund um das Hochhaus an.
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place. 2017 wurde der leerstehende Hochhausturm verkauft. Der Eigentümer, die Adler Group, hatte angekündigt, den Umbau des Steglitzer Kreisels mit 330 Eigentumswohnungen bis 2025 abzuschließen

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Lost Place in Steglitz: Stadtbad Steglitz

Verlassen und verfallen: Generationen von Steglitzern besuchten das Stadtbad Steglitz, um ihre Bahnen im zentralen Wasserbassin zu ziehen, sich zu reinigen oder um in der russisch-römischen Sauna ins Schwitzen zu kommen. Die öffentliche Badeanlage entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, schloss jedoch im Jahr 2002 und seitdem fand kein Schwimmbetrieb mehr statt. Der kaiserzeitliche Bau steht unter Denkmalschutz – dennoch ist die Zukunft des Bades ohne ein neues Nutzungskonzept unklar.

  • Adresse: Bergstraße 90 / Körnerstraße 52, 12169 Berlin-Steglitz
  • Geschichte: 1908 eröffnete das Stadtbad Steglitz; 2002 wurde es geschlossen; zwischen 2006 und 2014 als Clubtheater Berlin zwischengenutzt; seit 2014 Leerstand
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09065483
  • Status: Aktueller Lost Place

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Lost Place in Steglitz: Steglitzer „Bierpinsel“

Der Bierpinsel an der Schloßstraße ist seit seiner Eröffnung 1976 kaum zu übersehen. Seit 2006 steht futuristische Turm der Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte weitgehend leer – und wartet auf seine Wiederbelebung. Nachdem als letzter Mieter ein Kunst-Café ausgezogen war, verhinderte ein Wasserschaden weitere Ausbaupläne. Die jüngste Entwicklung: Mitte 2021 wurde der Turm an einen Investor verkauft, der den Bierpinsel umbauen und wiedereröffnen möchte.

  • Adresse: Schloßstraße 17, 12163 Berlin-Steglitz
  • Geschichte: Zwischen 1972 und 1976 nach Plänen der Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte realisiert; 1976 eröffnete das Turmrestaurant Steglitz; 1980 von der Wienerwald-Kette übernommen; wechselnde Betreiber bis 2006; danach Leerstand mit Ausnahme von Kunstaktionen und Events
  • Führungen: Unregelmäßig. Zuletzt im Rahmen des Architecture Exhibitons Weekend im September 2023
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09097832
  • Status: Aktueller Lost Place. Geplant ist die Sanierung und Umbau zu Büros bis 2025

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Lost Place in Steglitz: Kriegsruine Beymestraße

Der Kiez rund um die Beymestraße zählt zu den edelsten Wohnlagen des Bezirks. Doch inmitten kaiserzeitlicher Schmuckstücke und prunkvollen Villen befindet sich in der Beymestraße 16 ein seit Jahren verwildertes Grundstück. Durch das Dickicht schimmern Mauerreste aus rotem Klinker, die die Umrisse einer ehemals stolzen Villa erahnen lassen. Das Haus war früher der Familiensitz der Familie Hinderer in Berlin. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Villa ausgebombt und ist heute eine der wenigen verbliebenen Kriegsruinen in Berlin.

  • Adresse: Beymestraße 16, 12167 Berlin-Steglitz
  • Geschichte: Um die Jahrhundertwende errichtet; gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört und danach durch die Erben des Eigentümers gepflegt, aber nicht wiederaufgebaut; verlassen seit 1991
  • Führungen: Keine. Achtung: Es handelt sich um Privatgelände. Das Betreten ist nicht erlaubt
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place

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Lost Place in Steglitz: Bewag-Kraftwerk

Fast einhundert Jahre lieferte das 1910/1911 errichtete Kraftwerk Steglitz Strom für Privathaushalte in der Umgebung, Gewerbebetriebe und die Industrie. Als Standort wurde ein Platz direkt am wenige Jahre zuvor eröffneten Teltowkanal ausgewählt, so dass die Kohleanfuhr per Schiff erfolgen konnte. Doch nach der Wiedervereinigung kam das Aus und der Industriestandort wurde zu einem Lost Place. Derzeit plant eine Künstlerinitiative, das stillgelegte Gelände in Steglitz mit Kultur und Kunst neu zu beleben.

  • Adresse: Birkbuschstraße 40–44, 12167 Berlin-Steglitz
  • Geschichte: 1910/1911 nach Plänen des Bewag-Architekten Hans Heinrich Müller errichtet; technischer Entwurf durch Martin Rehmer; 1926 und 1929 Umbau und Erweiterung; In den 1950er-Jahren auf Ölfeuerung umgerüstet; 1984 mit Batterie-Speicherkraftwerk erweitert; bis zur Stilllegung 1994 als Fernkraftwärmewerk in Betrieb
  • Führungen: Das Energie-Museum Berlin bietet Führungen nach vorheriger Anmeldung an
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09065388
  • Status: Aktueller Lost Place. Auf dem Gelände befindet sich heute das Energie-Museum Berlin. Das Umspannwerk wird weiterhin genutzt.

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Lost Place in Steglitz: Wasserturm Steglitz

Längst haben die zahlreichen Wassertürme Berlins ihre Funktion als Wasserversorger abgeben müssen. Das heißt aber nicht, dass die hochaufragenden Bauwerke an Faszination verloren hätten. Mit seinen 42 Metern Höhe war der Wasserturm Steglitz ein weit sichtbares Wahrzeichen der Gemeinde. Fast einhundert Jahre später versorgt er zwar keine Haushalte mehr mit Frischwasser, dafür prägt seine charakteristische Kuppel den Kiez.

  • Adresse: Bergstraße 34–38A, 12169 Berlin-Steglitz
  • Geschichte: Errichtung 1915 bis 1919 nach Plänen des Architekten Hans Heinrich Müller (1879–1951); 1928 Inbetriebnahme als Wasserreservoir für Steglitz und Schöneberg; Stilllegung als Wasserturm 1962
  • Führungen: Unregelmäßig zum Tag des Offenen Denkmals
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09065481
  • Status: Ehemaliger Lost Place. 1999/2000 umfangreiche Restaurierung und Instandsetzung und seit 2000 Nutzung als Verlagsgebäude

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Lost Place in Steglitz:  Wasserturm Fichtenberg

Der Wasserturm auf dem Fichtenberg wurde von Otto Techow für die Trinkwasserversorgung der damals selbstständigen Landgemeinde Steglitz entworfen. Seit Ende des 19. Jahrhunderts erhielt die Villenkolonie Fichtenberg und die Kolonie Steglitz ihr Frischwasser aus dem Reservoir an der heutigen Schmidt-Ott-Straße. Nach der Stilllegung wurde der Turm sei 1983 von der Freien Universität Berlin vom Institut für Meteorologie genutzt. Das Äußere wurde denkmalgerecht saniert und lohnt des Besuchs.

  • Adresse: Schmidt-Ott-Straße 13, 12165 Berlin-Steglitz
  • Geschichte: Errichtung 1885/1886 nach Plänen des Architekten Otto Techow (1848–1919); in Betrieb als Wasserreservoir bis 1962, danach Leerstand
  • Führungen: Unregelmäßig beispielsweise zur Langen Nacht der Wissenschaften
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09065641
  • Status: Ehemaliger Lost Place. In den Jahren 1979 bis 1983 zu einer Wetterbeobachtungsstation umgebaut

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