Verwilderte Ruinen und verlassene Plätze: Auf Blogs und Medien wie YouTube verfolgen Tausende die Streifzüge von Abenteuerlustigen an diese vergessenen Plätze. Die Zahl verlorenen und verlassenen Gebäude, für die Berlin seit den Neunzigern so bekannt war, ist zwar stark geschrumpft, mit etwas Ortskenntnis lassen sich die ehemaligen Krankenhäuser, verlassenen Bahnhöfe und Geistervillen aber noch ausfindig machen. Hier finden Sie alle wichtigen Fragen und Antworten zu den Lost Places im Ortsteil Dahlem.
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Was zeichnet die Lost Places in Dahlem aus?
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Dahlem ein kleiner Gutsbezirk mit weniger als 200 Einwohnern, einigen Saisonarbeitern, Stallungen, Fachwerk- und Gutsarbeiterhäusern – doch seit den 1880er-Jahren gab es Bestrebungen den verschlafenen Ort im Süden Berlins zu einem hochmodernen Zentrum der Wissenschaft zu entwickeln – nach den Plänen des preußischen Kulturpolitikers Friedrich Althoff (1839–1908) sollte ein "deutsches Oxford" am Rande des Grunewalds entstehen.

1920 wurde der Villenvorort als Ortsteil des Bezirks Zehlendorf nach Berlin eingemeindet und war nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit den Bezirken Tempelhof, Steglitz, Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg Teil des US-amerikanischen Sektors. Die Lost Places in Dahlem spiegeln die Zäsuren wieder, die der Ortsteil im Laufe seiner Geschichte erfuhr. Heute stehen nicht nur einige der Villen des Ortsteils mit ihrer interessanten, langjährigen Geschichte leer, sondern auch Anlage der Industriegeschichte und Bauten aus der langjährigen Tradition als Wissenschaftsstandort.
Ist es erlaubt, Lost Places in Dahlem zu besuchen?
Gewöhnlich ist es offiziell nicht erlaubt, einen Lost Place zu besuchen. Obwohl die Orte verlassen aussehen, gibt es im Regelfall dennoch Eigentümer oder Verantwortliche, die alleine schon aus Gründen der Sicherheit nicht wollen, dass jemand diese Orte betritt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die spannendsten Lost Places im Stadtteil Dahlem:
Oskar-Helene-Heim in Dahlem: Die verlassene Geisterklinik
Leerstehende OP-Säle und verwaiste Behandlungsräume: Das traditionsreiche Oskar-Helene-Heim an der Clayallee in Dahlem war lange Zeit ein Ort, der zu Erkundungstouren einlud – jedenfalls für alle, die sich dem Charme von Geisterkliniken nicht entziehen konnten. Auf dem weitläufigen Gelände gab es einiges zu entdecken. Ursprünglich war das Heim – gegen den Widerstand eines Großteils der Dahlemer Anwohner, die durch die Anstalt das Straßenbild der Villenkolonie gefährdet sahen – zwischen 1912 und 1914 errichtet worden. Es war eine der größten orthopädischen Privatanstalten für Kinder und Jugendliche und erlangte in den folgenden Jahrzehnten Weltruhm.
1954 wurde das Oskar-Helene-Heim „Orthopädische Universitätsklinik“ der Freien Universität Berlin und es folgten zahlreiche Modernisierungen und Erweiterungen. Doch nach der Widervereinigung kam das Aus. Im Jahr 2000 wurde der traditionsreiche Standort der Orthopädie-Klinik trotz massiver Proteste seitens des Krankenhauspersonals aufgegeben. Mehr als zehn Jahre standen die Gebäude der ehemaligen Klinik leer, bis sie 2016 größtenteils abgerissen und durch ein Neubauprojekt auf dem gut 32.000 Quadratmeter großem Areal ersetzt wurden.
- Adresse: Clayallee 225a–229, 14195 Berlin-Dahlem
- Geschichte: Zwischen 1912 und 1914 nach Plänen der Architekten Heinrich Schmieden (1872–1933) und Julius Boethke (1864–1917) als orthopädische Privatanstalten für Kinder und Jugendliche errichtet; nach Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg in der Nachkriegszeit wiederaufgebaut und bis in die 2000er-Jahre als Orthopädische Klinik betrieben; danach Leerstand
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Ehemaliger Lost Place. Zwischen 2013 und 2016 Abriss im Zuge des Neubauprojekts "Oskar-Helene-Park"
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Lost Place in Dahlem: Das leerstehende Generalkonsulat der Sowjets
Ende der 1960er-Jahre läuteten der damalige Staatssekretär Egon Bahr (1922–2015) und Bundeskanzler Willy Brandt (1913–1992) im Zuge der neuen Ostpolitik „Wandel durch Annäherung“ eine Entwicklung ein, die die Beziehung zwischen der Bundesrepublik mit der Sowjetunion in Zeiten des Kalten Krieges entspannen sollte. Mit dem Moskauer Vertrag im Jahr 1970 und der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa im Jahr 1975 wurde die Entspannungspolitik weiter vertieft.
Im Fahrwasser der Annäherung wurden auch erstmals diplomatische Vertretungen auf westdeutschem Gebiet eröffnet. Bereits 1972 wurde das erste Generalkonsulat Russlands in Hamburg eröffnet. Es folgten Vertretungen in Bonn, Frankfurt am Main, München und West-Berlin. Seit Mai 1973 hatten die Russen die geheimnisvolle Villa am Reichensteiner Weg 34/36 in Dahlem bezogen. Schnell kamen Gerüchte auf: Handelte es sich bei dem sowjetischen Generalkonsulat um eine Außenstelle des KGB? Bis heute ranken sich viele Mythen um das verlassene Gebäude, das seit der Wiedervereinigung leer steht.
- Adresse: Reichensteiner Weg 34–36, 14195 Berlin-Dahlem
- Geschichte: Errichtung Ende der 1920er-Jahre; bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Villa des NS-Kriegsverbrechers Martin Luther (1895–1945); zwischen 1973 und Anfang der 1990er-Jahre Generalkonsulat der Sowjetunion in Westberlin; Lost Place nach der Wende
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Aktueller Lost Place
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Lost Place in Dahlem: Das halbverlassene Gesundheitsamt in Dahlem
Seit mehr als zehn Jahren stand der kaiserliche Prachtbau an der großen Straße Unter den Eichen in Dahlem und der mehrstöckige Anbau aus den 1960er-Jahren leer. Das auffällige Gebäude nahe des Botanischen Gartens hat eine ereignisreiche Geschichte zu erzählen: Spitzenforschung fand hier statt, bevor in die Labore Nazi-Wissenschaftler einzogen und in den Hallen menschenverachtende Untersuchungen stattfanden.
Zuletzt war das Gebäude der Sitz des Bundesinstitutes für Risikobewertung. Nun soll hier übergangsweise das Umweltbundesamt einziehen. Dafür wird der 60er-Jahre-Anbau abgerissen. Die Arbeiten begannen im November 2022. Anstelle des Anbaus entsteht voraussichtlich ab 2024 ein modernes Labor- und Verwaltungsgebäude. Für den Anbau und die Sanierung des denkmalgeschützten Altbaus sind Mittel in Höhe von 39,5 Millionen Euro eingeplant.
- Adresse: Unter den Eichen 82–84, 12205 Berlin-Dahlem
- Geschichte: Zwischen 1903 und 1908 nach Plänen des Regierungsbaumeisters Johann Hückel errichtet; ab 1906 Standort des Kaiserlichen Gesundheitsamtes; ab 1936 als "rassenhygienische Forschungsstelle" des Reichsgesundheitsamtes in den Völkermord an Roma und Sinti (Porajmos) eingebunden; ab 1952 Zweigstelle des Bundesgesundheitsamtes; nach 1994 Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin und seit 2002 Bundesinstitut für Risikobewertung; seit 2011 Leerstand
- Führungen: Nein
- Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09075439
- Status: Ehemaliger Lost Place. Umbauarbeiten und Sanierung seit 2022
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Für Furchtlose: Das ehemalige Institut für Anatomie der FU Berlin
Dieser Lost Place war lange Zeit einer der heißesten Geheimtipps in der Hauptstadt, wenn es um unheimliche Atmosphäre ging. Hartgesottene konnten die verlassenen Kellerräume, Leichen-Kühlkammern und ehemaligen Operationstheater durchstreifen und sich im Halbdunkel vorwagen, um Seziertische, Labore und zurückgelassene Gerätschaften zu erkunden. Seit sich in den 2000er-Jahren die Türen zum Institutsgebäude der Anatomie der FU Berlin in Dahlem ein letztes Mal schlossen, dämmerte der gespenstische Ort jahrzehntelang vor sich hin. Zwischen 1949 und 1950 war das Gebäude an Königin-Luise-Straße 15 nach Plänen des Oberbaurats Johannes Huntemüller als Anatomisches Institut der Freien Universität errichtet worden.
Mit dem Zusammenschluss der medizinischen Fakultäten der FU und der Humboldt-Universität zur Charité-Universitätsmedizin in den 2000er-Jahren siedelte die Anatomie der FU 2005 komplett an den Campus Mitte über. Nach mehr als 50 Jahren Lehrbetrieb gingen an der Königin-Luise-Straße die Lichter aus und das ehemalige Anatomieinstitut wurde zu einem Lost Place. Nach einer langen Auseinandersetzung um die Neubebauung begannen 2021 Rodungen und Abrissarbeiten auf dem Gelände. Bis 2024 sollen 106 neue Wohnungen auf dem 5000 Quadratmeter großen Areal entstehen.
- Adresse: Königin-Luise-Straße 15, 14195 Berlin-Dahlem
- Geschichte: 1949/1950 wurde das Gebäude nach Plänen des Oberbaurats Johannes Huntemüller als Anatomisches Institut der Freien Universität errichtet; Umbau und Erweiterung 1953–1955; 2003 fusionierte die Anatomie mit der Charité und die Anatomie wurde an den Campus nach Berlin-Mitte verlegt; Leerstand seit 2005
- Führungen: Keine
- Status: Ehemaliger Lost Place. 2021 wurde das Gebäude im Rahmen eines Neubauprojektes abgerissen. Auf dem Areal sollen bis 2024 fünf Häuser mit insgesamt 106 Wohnungen entstehen







