Geboren 1920 in Berlin, 1938 nach der Pogromnacht emigriert, pflegte Star-Fotograf Helmut Newton (1920-2004) zeitlebens ein besonderes Verhältnis zu seiner Heimatstadt. Berlin. „Der Moloch an der Spree“ war für ihn prägender als Monte Carlo oder Los Angeles, wo Helmut Neustädter, wie er ursprünglich hieß, Jahrzehnte lang gelebt hat.

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Sein Berlin fotografierte er nicht nur fürs Condé Nast Traveler Magazin oder die Zeitschrift „Max“, sondern auch für die „Zeit“. 1991 enthüllte er die „Die Geheimnisse von Berlin“ in der Männer-Vogue. „Hier sind einige meiner Berliner Lieblingsplätze, die ich immer wieder besuche“, schrieb Newton. Und setzte augenzwinkernd hinzu: „Amüsiert Euch, Leute! Licht aus – Messer raus!“

Während er Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor, oder ikonische Orte wie die Berliner Mauer oder die Glienicker Brücke gerne als Kulisse für Modeproduktionen nutzte, entdeckte er auch weniger bekannte Locations für sich. Einer seiner Lieblingsorte, die Schinkel- oder Präsidentensuite im Westin Grand Hotel in der Friedrichstraße hat sich auch 35 Jahre nach diesem Artikel kaum verändert. Die Berliner Morgenpost stellte das Newton-Foto mit Hoteldirektorin Tina Brack originalgetreu nach. Lediglich das Nacktmodell wurde durch eine Schaufenster-Puppe ersetzt.

Brlin Berlin Westin
Newton
Im Bildband „Berlin, Berlin“ sind alle Berliner Lieblingsorte von Helmut Newton aufgelistet. Darunter auch die Schinkel-Suite im Westin Grand Hotel. Bild: © BM - Iris May

Das von Newton so geliebte Hotel Askanischer Hof am Kudamm wurde längst geschlossen. Das Kempinski, in dem er David Bowie, der vor genau zehn Jahren gestorben ist, 1983 fotografiert hat, heißt heute „Hotel Bristol“. Doch in der Schinkel-Suite im Westin Grand Hotel scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Schreibtisch, die schweren Samtvorhänge, der Perserteppich. Alles ist unverändert. Sogar die Leuchter mit den Goldschwänen stehen noch an ihrem Platz.

Helmut Newton
Newton fotografierte nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder Models vor dem Bandenburger Tor, hatte aber weitere Lieblingsorte, die er im Bildband „Berlin, Berlin“ dokumentierte. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Was Newton sonst noch an Berlin liebte: Er aß gerne ein Hähnchen in der „Henne“ in Kreuzberg, empfahl aber auch den „Diener“, besser bekannt als „Diener‘s Tattersall“ in der Grolmannstraße nahe dem Savignyplatz. Dorthin lud er einmal sogar Billy Wilder ein. Wilder soll wegen der Nostalgie fast geweint haben. Im Sommer besuchte er gerne das Strandbad Halensee. Im Nachtclub „Bel Ami“ lobte er den Indoor-Pool.

Matthias Harder
Matthias Harder, Direktor der Helmut Newton Foundation, vor einem Newton-Foto (li.), aufgenommen in der Charlottenburger Pension Florian, auch bekannt als ehemaliger „Salon Kitty“.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Helmut Newton empfahl Berlin-Reisenden für zwischendurch eine Curry-Wurst von Konnopke, der früher als Wurstmaxe bekannt war. Ansonsten ging er gerne in die Paris Bar, auch heute noch das Wohnzimmer der Berliner Bohème. Manchmal schätzte er auch die verschwiegenen Hinterzimmer der ehemaligen „Exil“-Bar am Paul-Lincke-Ufer. Diese Bar ist seit 1996 Geschichte.

Heute liegt Helmut Newton in einem Ehrengrab in Schöneberg begraben, nur einen Steinwurf von Marlene Dietrich entfernt. Seine Frau June, die 2004 die Helmut Newton Foundation im Museum für Fotografie mit den Werken ihres Mannes eröffnet hatte, folgte ihm im Alter von 97 Jahren. Sie war 2021 zunächst in Monte Carlo beigesetzt worden, im Anschluss war ihre Asche jedoch nach Berlin überführt worden.