"Diener Tattersall" ist so ein seltenes Exemplar. Wenn auch rein äußerlich wenig anmutend, zeigt sich im Inneren, was für ein Schätzchen da am Savignyplatz schlummert. Während oben die S-Bahn vorbeisaust, sitzt man unten in einem der letzten klassischen Künstlertreffs, dessen Tradition bis in die 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts reicht. Damals schlürfte hier auch das Box-Schwergewicht Franz Diener sein Bier, der den nach dem Pferdeauktionator Richard Tattersall benannten Künstlertreff später übernahm.

Der Besuch in der einstigen Ross-Herberge gleicht einer kleinen Zeitreise. Die Wände sind immer noch schmutzig-grün wie früher, der Boden knarrt, Tische und Stühle haben ihre Standfestigkeit mit den Jahren eingebüßt. Doch die Attraktivität dieses besonderen Ortes ist geblieben. Fotos an den Wänden beweisen, dass sich hier Künstler die Klinke in die Hand gaben und geben, etwa Hildegard Knef, Harald Juhnke, Herbert von Karajan, Manfred Krug oder Ulla Meinecke. Die Speisekarte ist einfach und herzhaft-berlinisch mit Speisen wie Bulette mit Kartoffelsalat, Bauernfrühstück, Suppen, Eier in Senfsoße, Brathering, Strammer Max und Hackepeter. Die Hühnersuppe ist äußerst schmackhaft und mit ungewöhnlich viel Fleisch bestückt. Und während mindestens drei Hunde zufrieden unter den Tischen liegen, kommt das Bauernfrühstück. Würzig und reichlich, mit vielen Kartoffeln und am Tellerrand sauern Gurken. Dazu passend, ein frisch Gezapftes aus Berlin. Und eine weitere Tradition hat sich im Diener Tattersaal zäh gehalten: es darf dort noch immer geraucht werden.

Diener Tattersall Grolmanstraße 47, täglich ab 18 Uhr, Tel. 881 53 29

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