Liebe Leserin, lieber Leser,

Artikel werden meistens mehrfach geprüft, bevor sie online gehen oder gedruckt werden. Sie werden erst geschrieben, vom Autoren oder der Autorin gegengelesen, dann von einer Redakteurin oder einem Redakteur redigiert, korrigiert und erscheinen schließlich. Am häufigsten höre ich von diesen Menschen nach der Lektüre eines meiner Artikel: „Ist gelesen, jetzt habe ich Hunger“.

Für mich ist es natürlich ein Kompliment, wenn ich jemandem Appetit machen kann. Ich hoffe, das geht Ihnen genauso, wenn Sie diesen Newsletter oder meine Artikel lesen. Vor zwei Wochen hatte ich Ihnen schon mal versucht, Lust auf das Dezember-Menü zu machen, das die ganze Gans in voller Schönheit feiert. Allerdings hatte ich Sie da noch mit dem Ort vertrösten müssen, der Chancengleichheit wegen. Denn immer wieder bekomme ich bei schnell ausgebuchten Menüs Beschwerdemails, das könne ja nicht sein, man sei wohl Gast 2. Klasse, oder das Restaurant sei sich zu fein für die Morgenpost-Leserinnen und -Leser und halte deshalb nur wenige Plätze vor. Was natürlich nicht stimmt, bis auf ein einziges Mal, und dieses Restaurant wird ganz sicher nie wieder ein Morgenpost-Menü ausrichten, zumindest, solange ich dafür zuständig bin. Tatsächlich hatte ich in meiner Laufbahn schon einige Male das erstaunliche Erlebnis, dass das Menü für den ganzen Monat innerhalb von nur 24 oder 48 Stunden „ausreserviert“ war, wie es in der Fachsprache heißt, einfach, weil der Andrang so groß war. Meistens ist das der Fall, wenn der Koch bekannt ist (was ich den Raue-Effekt nenne) und/oder der Ort spektakulär.

Ob das bei dem Menü im Dezember wieder der Fall sein wird, weiß ich natürlich nicht, aber ich könnte es mir vorstellen. Am besten reservieren Sie also schnell. Ach so, Sie wollen jetzt doch endlich mal wissen, wo denn nun überhaupt, zum Kuckuck? Na, im Restaurant „Relish“, im Luxushotel „The Westin Grand Berlin“ an der Friedrichstraße in Mitte. Sie wissen schon, das mit der riesigen Lobby und der spektakulären Freitreppe. Hoteldirektorin Tina Brack, PR Managerin Andrea Bishara, Küchendirektor Peter Hampl und der Küchenchef des „Relish“, Peter Lucht, sowie das gesamte Team freuen sich schon auf Sie.

Lucht hätte für das Menü auch einfach einen Gang aus Brust oder Keule kreieren können, „aber was mache ich dann mit Leber und Karkasse“, dachte er sich. Also hat er das gesamte Menü um die Gans herum arrangiert und den Vogel im Sinne der Nachhaltigkeit komplett verwertet. Es gibt vorweg Gänseschmalz, mit Apfel, Zwiebel und Brot als Amuse Bouche, Gänseleber-Terrine mit Portwein, Sellerie, Walnuss und Apfel in Form eines Waldorf-Salats (auch wenn das Westin nicht zur Waldorf-Gruppe gehört, wo der Salat erfunden wurde). Dann eine heiße Gänseessenz mit Petersilie und Wurzelgemüse, die garantiert jeglichen Winterblues wegwärmt.

Es folgt für mich das absolute Highlight des Menüs: Ragout von der Gänsekeule in einem frittierten Wan-Tan-Blatt mit Preiselbeere und Grünkohl. Im Hauptgang der Klassiker: Gänsebrust mit Kartoffelkloß, Rotkohl, Orange und viel Soße. Das Dessert: Mandarinen-Mousse mit einem spektakulären Rosmarin-Vanilleeis, dunkler Schokolade und Cornflakes. Na? Appetit bekommen 😇? Hier entlang, bitte sehr, bitte gleich, um es mit dem unsterblichen Kellner Leopold (Peter Alexander) im Film „Im Weißen Rössl“ zu sagen.

Morgenpost-Menü im Dezember im The Westin Grand Berlin Friedrichstraße
Das Ragout von der Gänsekeule im frittierten Wan-Tan-Blatt mit Grühkohl, mein Highlight beim Morgenpost-Menü im Dezember im „The Westin Grand Berlin“. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Bei den Probeterminen erzählen mir die Gastronomen, die das Morgenpost-Menü schon einmal ausgerichtet haben, immer mal wieder mehr oder weniger erquickliche Anekdoten, was so alles beim letzten Mal passiert ist. Hier wusste der Küchenchef zu berichten, dass die Gäste beim vergangenen Menü im Jahr 2024 manche Gänge zweimal bestellt haben, weil sie ihnen so gut schmeckten. Und er bittet mich, Ihnen auszurichten, das sei auch beim Dezember-Menü gar kein Problem. Bei dem Ragout im Wan-Tan-Blatt könnte ich mir das zum Beispiel gut vorstellen, der Fotograf hätte es jedenfalls gerne ein zweites Mal gehabt. Natürlich gibt es einen Aufpreis, aber generell ist eine Nachbestellung möglich. So geht Service.

Ein Sommelier, Koch und Kabarettist

Bernhard Moser
Bernhard Moser in seiner Weinschule vor einem Gemälde von Paul Bocuse.  © Manuela Blisse | Manuela Blisse

Bernhard Moser lernte ich vor Jahren bei der Vorstellung des Programms der „eat! berlin“ kennen, dem Feinschmecker-Festival, das für mich ein echtes Aushängeschild des kulinarischen Berlins ist, wenn nicht sogar DAS Aushängeschild. Es hat jedenfalls mehr Glamour als so manch andere gastronomische Veranstaltung in der Hauptstadt. Meine Meinung. Moser hat es 2011 gegründet und schafft es seitdem jedes Jahr aufs Neue, das Festival mit beeindruckend hohem Sterne-Faktor durchzuführen, allen vor allem finanziellen Widrigkeiten zum Trotz. Spitzenköche aus Berlin, Deutschland und der ganzen Welt geben sich dabei ein Stelldichein. Die Veranstaltungen sind nicht gerade preiswert, aber großartig und jeden Cent wert. Wieder meine Meinung.

Das zweite Mal traf ich ihn zufällig bei einem Sonntagsausflug zum Forellenhof Rottstock, später 25 Teiche, von Susanne und Matthias Engels. Ich erkannte ihn sofort, klar, aber der Name... Sie wissen ja um meine Schwäche, was das angeht. Trotz dieser kleinen Hürde plauderten wir sehr angenehm miteinander und ich prägte mir schließlich den Namen so lange ein, bis ich ihn nicht mehr vergessen konnte.

Eat Berlin 2025
Stelldichein der Spitzenköche bei der Präsentation des Programms für die „eat! berlin“ 2025: Drei-Sterne-Koch Marco Müller vom "Rutz“, Sternekoch Eberhard Lange vom „Hugos“, Küchenchef Florian Mennicken vom „Rutz Zollhaus“, Sternekoch Nikodemus Berger vom „Bonvivant“ und Küchendirektor Florian Glauert vom „Heritage“ (v. l.). © Franz Michael Rohm | Franz Michael Rohm

Im November 2023 hatten wir noch einmal das Vergnügen in seinem Restaurant „SodaZitron“ in Prenzlauer Berg beim Morgenpost-Tasting. Leider musste er das Lokal kurz darauf schließen, heute residiert dort das Sternerestaurant „Matthias“. Auch die „25 Teiche“ gibt es traurigerweise nicht mehr, Fisch und Kaviar von dort werde ich nie vergessen, eine solche Spitzenqualität ist äußerst selten. Moser ist umtriebig, er ist Sommelier, Koch, er hat Restaurantkritiken geschrieben, leitet eine Weinschule, ist Festivalleiter und seine Weinkenntnisse sind wirklich beeindruckend. Hinzu kommt: Der gebürtige Österreicher versprüht den Charme seiner Heimat, liebenswerter Akzent inklusive. Kürzlich traf ich ihn wieder, bei der Eröffnung des Geschäfts „Vom Einfachen das Gute“ in Wilmersdorf und wir verquatschten den Abend. Inzwischen hat dieser „Hansdampf“ in allen kulinarischen Gassen seinen Professionen eine weitere hinzugefügt: Er tritt als Kabarettist auf und will demnächst ein Buch mit seinen Anekdoten schreiben, die er dort zum Besten gibt.

Als meine Kollegin Manuela Blisse mir also vorschlug, doch einmal ein Porträt über Moser zu schreiben, sagte ich sofort zu. Und so haben auch Sie jetzt die Möglichkeit, diesen außergewöhnlichen Menschen und Wahl-Berliner kennenzulernen.

Ausgezeichnete Pasta am Stutti

Jedes Mal, wenn ich in der Umgebung des Stuttgarter Platzes bin, muss ich an Steffen Jacob denken. Anfang der 2000er war ich Lokalredakteur für Charlottenburg, Ältere unter Ihnen werden sich vielleicht noch an die Morgenpost-Lokalanzeiger erinnern. Und ein erfahrener Kollege nahm mich mit, als besagter Jacob eine Currywurst-Bude am „Stutti“ eröffnete, einfach um mir besagte Kiez-Größe vorzustellen. Bekannter war der nämlich unter dem Namen „Prinz vom Stutti“, seine Geschäfte waren im Rotlichtmilieu angesiedelt, um es mal vorsichtig zu formulieren. Natürlich gehörte ihm die Bude offiziell gar nicht. Mehrere Rotlichtgrößen gaben sich an dem Abend vor dem einst legendären Striplokal „Bon Bon“ die Ehre, aßen Currywurst, tranken Bier und gaben mit ihren Uhren und Autos an. Unvergessen, als ein Zwei-Meter-Hüne, der nur aus Muskeln bestand und aus dem Anzug zu platzen drohte, ein Papierserviettchen mit spitzen Fingern ausschüttelte, um es auf dem Heckspoiler seines kreischend blauen Rennboliden zu drapieren (der Motor lag hinten und war dank einer Plexiglasscheibe gut zu bewundern). Worauf er dann sein Halbliter-Glas Bier abstellte. Ich musste schmunzeln, passte aber auf, dass niemand es sah. Ich reize ja auch nicht ein Rhinozeros.

Bruderherz
Tomasz Sokolowski vom Bruderherz in Charlottenburg © Gesa Noormann | Gesa Noormann

Die Zeiten sind vergangen, der „Prinz“ ist gestorben und der Stuttgarter Platz längst rotlichtfrei. Stattdessen finden sich in den umliegenden Straßen mittlerweile einige hervorragende Restaurants. Das „Lamazère“ zum Beispiel. Als Geheimtipp gilt bislang noch das „Bruderherz“. Das Restaurant von Tomasz Sokolowski bietet italienische Pasta und ein paar andere Gerichte an und erhielt jüngst den True Italian Award als Berlins bestes Pasta-Restaurant. Was beweist, dass man kein Italiener sein muss, um herausragend italienisch kochen zu können.

Sokolowski bietet auch Pasta mit Trüffel und Parmesancreme an, ein großer Klassiker, der in den meisten Restaurants unerträglich schmeckt, weil die Küche sich den Trüffel größtenteils spart und auf billiges Trüffelöl setzt. Für mich riecht und schmeckt das nach etwas sehr Unappetitlichem, und da ich immer dachte, auch Trüffel würden so schmecken, bin ich jahrzehntelang um den Genuss echter Trüffel herumgekommen. Geändert hat das Massimo Ferradino, Berlins Trüffelkönig. Doch, um es mit Michael Ende zu sagen: Das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Gesa Noormann hat jedenfalls das „Bruderherz“ besucht und versucht ebenfalls Ihr Bestes, um Ihnen Appetit zu machen.

Genießen in Berlin

Ein Blick in die Welt der Berliner Gastronomie.

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Bevor ich jetzt noch mehr abschweife, lege ich lieber für heute meine „Toque“ ab. Ich hoffe, Sie sind jetzt hungrig 😉 und wünsche Ihnen sehr viel Spaß mit den Gänsegängen beim Morgenpost-Menü, guter Pasta oder vielleicht in der Weinschule des Herrn Moser. Die nächste „eat! berlin“ ist erst wieder im Februar. Bis dahin machen Sie's gut und eine genussvolle Woche.

Herzlich, Ihr

Alexander Uhl

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