Die Entscheidung ist gefallen: Starfotograf Helmut Newton soll nach dem Willen seiner Witwe June ein Ehrengrab auf dem Friedhof an der Stubenrauchstraße in Schöneberg-Friedenau bekommen. Nur wenige Meter neben dem Grab von Marlene Dietrich und nicht weit entfernt von seinem Geburtsort. Es seien nur noch ein paar Formalitäten zu regeln, ließ June Newton gestern in Berlin wissen. Einen Termin für die Beisetzung nannte sie noch nicht. "Mit etwas Glück sieht es so aus: Helmi wurde hier geboren, und er wird nach Hause zurückkehren."
Die ehemalige Kunstbibliothek an der Jebensstraße besuchte June Newton gestern ganz in Schwarz. Doch bei aller Trauer um Helmut Newton, der am 23. Januar in Hollywood bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt war, war der Anlass, der die 81-Jährige wieder einmal nach Berlin führte, ein freudiger. Sie überzeugte sich von den rasanten Fortschritten der Bauarbeiten im Gebäude gegenüber dem Bahnhof Zoo, wo ein würdiger Ausstellungsort für das Werk ihres Mannes entstehen soll.
"Ich bin sicher, dass dieses Museum eine der größten Attraktionen Europas werden kann", sagte June Newton. Gut aufgelegt berichtete sie von den Plänen, in der Eröffnungsausstellung zunächst die Serie "Sex and Landscapes" zu zeigen, die bisher nur in Zürich zu sehen war. Außerdem werden unter dem Titel "Us and Them" Selbstportraits des Fotografenehepaares sowie Schnappschüsse von Prominenten ausgestellt. Sichtlich bewegt erzählte Newtons Witwe, wie sie im Krankenhaus am Totenbett eine letzte Aufnahme von sich und ihrem Mann machte. "Er hat so schön ausgesehen."
Vor ein paar Tagen sei sie nachts aufgewacht und habe eine weitere Idee für das Ausstellungs-Gebäude am Bahnhof Zoo gehabt: Im Erdgeschoss soll es einen Raum geben, der den Besuchern zeigt, wie Helmut Newton gelebt hat. Kameras, Kleidung, vielleicht der blau-silberne Jeep, das "Newton-Mobil", oder sogar sein ganzes Arbeitszimmer könnten ausgestellt werden.
Laut Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, soll die Newton-Ausstellung am 4. Juni eröffnet werden. Der Helmut-Newton-Stiftung werden dann mit dem Erdgeschoss und der ersten Etage 2600 Quadratmeter für wechselnde Ausstellungen und Archive zur Verfügung stehen. "Dieses Projekt war immer ein besonderes Baby für Helmut Newton", sagte Lehmann. In der zweiten und dritten Etage wollen in Zukunft die staatlichen Museen Fotokunst präsentieren.

