Nach Insolvenz

Das „Bristol“ am Kudamm hat einen neuen Eigentümer

Das Luxemburger Immobilienunternehmen Aroundtown bekommt den Zuschlag für das Hotel. Was damit geschieht, ist noch unklar.

Hotel Bristol am Kudamm

Hotel Bristol am Kudamm

Foto: Carolin Brühl

Charlottenburg. An Nikolaus hat Birgitt Ullerich Märchen für Kinder vorgelesen. „Zuversicht“ lautet die Devise der Hotelchefin des „Bristol“. Oder „Weitermachen wie bisher“. Ullerich führt das Haus am Kurfürstendamm schon seit acht Jahren. Als sie antrat hieß es noch „Kempinski“. Ein Namen, der eng verknüpft ist mit dem Berliner Westen. Ullerich hat viele Aufs und Abs mitgemacht. Aber sie und ihr Team machen weiter: Business as usual.

Spezialisiert auf Gewerbeimmobilien

Am 1. Oktober hatte das Amtsgericht Wiesbaden das Insolvenzverfahren über das Vermögen der „Verwaltungsgesellschaft Hotel Bristol Berlin“ eröffnet. Seit Montag ist es amtlich: Das „Bristol“ hat einen neuen Eigentümer.

Wie Insolvenzverwalter Volker Römermann mitteilte, hat das Amtsgericht Wiesbaden am Montag der Aroundtown SA den Zuschlag gegeben. Das in Luxemburg ansässige Unternehmen ist spezialisiert auf Büro-, Hotel- und Gewerbeimmobilien insbesondere in Deutschland und den Niederlanden.

Die Insolvenz war angemeldet worden, weil Grundstück und Gebäude an der Ecke Kurfürstendamm und Fasanenstraße mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag belastet waren und die Bank die Laufzeit einer Hypothek nicht verlängerte. Verkäuferin war Olga Bock, die Witwe von Hans Dieter Bock. Der Jurist war in den 90er-Jahren als Immobilien- und Aktienspekulant durch seine Beteiligung an dem Londoner Mischkonzern Lonrho in die Schlagzeilen geraten, was ihm den Ruf einer „frühen Heuschrecke“ einbrachte. Später war er als Immobilienunternehmer und Kunstförderer sowie Mitinhaber des Hamburger „Hotels Atlantic“ und diverser anderer deutscher Luxushotels bekannt.

Mit seiner Firma Advanta war Bock 1992 in den Kempinski-Konzern eingestiegen und hatte gleichzeitig das Berliner Stammhaus der Hotelkette am Kurfürstendamm für 235 Millionen Mark gekauft, um es an den Konzern zurück zu verpachten. Als maßgeblicher Gesellschafter der Kempinski AG gelang es ihm, einen Mietvertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einer jährlichen Miete von 13 Millionen Mark zu erzielen.

Als das Hotel aufgrund der hohen Pachtkosten nicht mehr rentabel arbeitete und in Zahlungsschwierigkeiten geriet, klagte die Kempinski AG gegen Bock auf Schadenersatz. Darauf verkaufte Bock seinen 53-Prozent-Anteil an dem Konzern an den thailändischen Hotelkonzern Dusit Thani, kündigte im Dezember 1997 den Pachtvertrag fristlos und erhob Räumungsklage. Kempinski bestritt seinerzeit die Rechtmäßigkeit von Vertrag und Kündigung, ignorierte den auf 15. Januar 1998 anberaumten Räumungstermin und bekam letztendlich recht.

Investor hat Anteile an vielen Immobilien in Berlin

Aroundtown ist in Berlin keine Unbekannte. Es hält beispielsweise Anteile am Bürohaus Platinum am Sachsendamm 2–7, am Einkaufszentrum „Der Clou“ in Hellersdorf, am Park Center Treptow und auch am Hotel Hilton am Gendarmenmarkt. Unklar ist vorerst, ob Aroundtown am Weiterbetrieb des traditionsreichen Hotels am Kudamm festhält. Bereits 2015 hatte es Pläne gegeben, das Haus abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Die Pläne scheiterten seinerzeit.

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