Anlässlich der am Sonnabend startenden Morgenpost-Serie „Berlins Kampf gegen Drogen“ darf ein Blick auf die Lage in Friedrichshain-Kreuzberg nicht fehlen. Immerhin befinden sich dort vier der sieben polizeilich geführten sogenannten kriminalitätsbelasteten Orte Berlins: Görlitzer Park/Wrangelkiez, Kottbusser Tor, Rigaer Straße und Warschauer Brücke. Nur einen Schritt über die Bezirksgrenze entfernt liegt darüber hinaus ein fünfter Ort, der Hermannplatz in Neukölln.

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Kreuzberg mit dem Görlitzer Park war neben dem Leopoldplatz in Mitte Fokuspunkt des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU), der mit einer klaren Kampfansage gegen Drogen und Sucht in der Hauptstadt ins Amt gekommen war. Sein Sicherheitsgipfel im September 2023 versprach eine stadtweite Kampagne. Ihr Erfolg wird wohl vor allem daran gemessen, ob in Friedrichshain-Kreuzberg Verbesserungen zu erkennen sind.

Drogen in Berlin und die Situation in Friedrichshain-Kreuzberg

Fachleute wie der Streetworker Juri Schaffranek (66) – er wird im Rahmen unserer Serie in einem Interview ausführlich zu Wort kommen – beschreiben allerdings eine wachsende Crackszene durch die am Markt günstige Mischkomponente Kokain und zeigt sich besorgt darüber, dass der Szenetreffpunkt Kottbusser Tor immer mehr Minderjährige anzieht.

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Das reiche bis zu zwölfjährigen Mädchen, die es „cool“ fänden, sich unter den Süchtigen zu bewegen und selbst zu konsumieren. Schaffranek spricht von einem zu beobachtenden „Christiane-F.-Syndrom“. Der Name verweist auf das Schicksal einer Jugendlichen, die im Berliner der 70er-Jahre heroinabhängig wurde und darüber 1978 im Sachbuch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ berichtete.

Friedrichshain-Kreuzberg sticht unter den Berliner Bezirken dadurch heraus, dass dort an weit mehr Stellen öffentlich Crack konsumiert wird. Süchtige bestücken und rauchen ihre Pfeifen im U-Bahnhof Schlesisches Tor oder spritzen Heroin in den Gängen unter dem Kottbusser Tor. In den Hochhäusern am Mehringplatz finden sie leicht Unterschlupf, Spuren ihrer Drogen, etwa Aluminiumfolie und Spritzverpackungen finden Mieter allmorgendlich. Und auf dem Grünstreifen an der Gneisenaustraße steckten im August rund 50 benutzte Nadeln samt Kanülen in einem Baum.

„Berlins Kampf gegen Drogen“

Drogentaxis, Konsum in der Öffentlichkeit, Dealer mit Visitenkarten – illegale Drogen sind Teil des Alltags in Berlin. Die Anzahl der Drogentoten hat einen Höchststand erreicht. In der mehrteiligen Serie „Berlins Kampf gegen Drogen“ zeigen wir, wie tief das Thema in der Stadt verankert ist – und wie es das Leben von Abhängigen, Ärztinnen, Polizisten, Eltern und vielen anderen beeinflusst. Alle Teile der Serie finden Sie hier.

Görlitzer Park beeinflusst benachbarte Kreuzberger Viertel

Laut Kriminalitätsatlas der Polizei wurden im Bezirk die meisten Rauschgiftdelikte pro 100.000 Einwohner im Wohnviertel Südliche Luisenstadt in Kreuzberg begangen. Es schließt etwa Görlitzer Park und Wrangelkiez ein. 2024 gab es dort 862 entsprechende Fälle. 564 waren es in der angrenzenden Nördlichen Luisenstadt, deren Grenze südlich an die Skalitzer Straße und im Nordosten an die Spree stößt. Sie schließt Lausitzer Platz, Moritzplatz und Kottbusser Tor ein.

Die Südliche Friedrichstadt liegt im Vergleich mit zwar 925 Fällen, aber höherer Einwohnerzahl, an dritter Stelle. Bemerkenswert ist, dass erst danach die vier Bezirksregionen von Friedrichshain folgen. Die Daten sind auch ein Hinweis darauf, dass die Rauschgiftdelikte von Görlitzer Park, Wrangelkiez und Kottbusser in nahegelegene Kreuzberger Viertel ausstrahlen. Selbst im feinen Quartier Riemers Hofgarten, an der Gneisenaustraße in Kreuzberg 61, beklagen Anwohner zunehmenden Drogenkonsum in den Vorgärten.

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