Hunde sind auch nur Menschen. Zumindest, was die Arbeit betrifft. Der belgische Schäferhund Nino jedenfalls, einer der drei neuen Datenträger-Schnüffler der Berliner Justiz, will nur in einem harmonischen Team tätig sein. Er konnte am Donnerstag nicht an der Vorstellung der Neuzugänge der Hundestaffel in der Justizvollzugsanstalt Tegel teilnehmen.

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Mit seinem Hundeführer hat es nicht gepasst. „Ein ganz normaler Vorgang“, sagt Eva Jobs, Sprecherin der Justizverwaltung. „Immerhin ist angedacht, dass Nino und sein Hundeführer die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre zusammenarbeiten – und auch zusammenleben.“ Nach einem neuen Match für Nino wird derzeit gesucht.
Dafür gaben seine Kolleginnen Elli und Limited alles, um den Pressevertretern und Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) eine gute Show zu bieten. Brav saßen sie bei ihren Hundeführern, vollführten niedliche Posen und tollten umher. Zur Freude der Fotografen. Angst um ihre Handys mussten die Anwesenden aber nicht haben. „Sie schlagen nur bei Kommando an“, verriet einer der beiden Justizvollzugsbeamten, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben müssen. „Zu Hause oder beim Gassigehen lassen sie elektronische Geräte und telefonierende Passanten in Ruhe.“
Hunde wurden speziell auf Handys und Datenträger konditioniert
Denn Nino, Elli, und Limited wurden im Trainingszentrum Schalksmühle in Nordrhein-Westfalen unter „anstaltsähnlichen Bedingungen“ speziell auf das Erschnüffeln von Datenträgern wie Handys, Speicherkarten, CDs oder USB-Sticks konditioniert. „Mit viel Wurst und Käse als Belohnung“, wie es bei der Vorstellung der Tiere hieß.
Keiner weiß, was die Hunde erschnüffeln

Spiel, Neugier und Entdeckungsfreude sind die wesentlichen Triebfedern ihrer Rasse. Sie sind hochintelligent – und brauchen dringend eine Aufgabe, was sie zu idealen Spürhunden macht. Allerdings weiß keiner so wirklich, was genau die Schäferhunde in den Objekten erschnüffeln. Sind es der Klebstoff, die chemischen Verbindungen oder doch die Seltenen Erden? Studien hierzu fehlen.
Handys werden genutzt, um Kontakt ins kriminelle Milieu zu halten
So oder so sollen die Datenträger-Schnüffler die beiden Drogenspürhunde Ria und Tara, die bereits seit Oktober 2024 im Dienst sind, ergänzen. Perspektivisch ist eine Hundestaffel mit sechs Tieren geplant, drei fürs Rauschgift, drei für Datenträger. Warum das wichtig ist? „Inhaftierte benutzen geschmuggelte Handys in den Anstalten, um Kontakte ins kriminelle Milieu zu halten, Absprachen zu treffen und teilweise auch, um Straftaten hinter Gittern zu koordinieren“, sagte Badenberg.
Alle Teile der Artikelserie lesen Sie hier:
Interview: „Das Christiane-F.-Syndrom wiederholt sich“
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Drogenhandel in Berlin: Spandau verzehnfacht Polizei Präsenz
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Die Mitarbeiter in den Gefängnissen kämen bei Zellendurchsuchungen jedoch an ihre Grenzen. Die Insassen seien extrem findig und versteckten Datenträger teilweise in den winzigsten Ecken, so Badenberg, in Schuhen und Bekleidung. Allein im vergangenen Jahr wurden in Berlins Gefängnissen 1064 Handys sichergestellt. Hier können nun Nino, Elli und Limited Abhilfe schaffen. „Aus anderen Bundesländern wissen wir, dass allein schon der Einsatz von Hunden eine präventive Wirkung auf die Einfuhr von Handys hat“, unterstrich Badenberg.
Aus anderen Bundesländern wissen wir, dass allein schon der Einsatz von Hunden eine präventive Wirkung auf die Einfuhr von Handys hat.
Felor Badenberg (CDU), Justizsenatorin
Polizei Berlin hat bei der Ausbildung der Hunde unterstützt

Die Berliner Polizei unterstützte die Justiz wesentlich bei der Auswahl und der komplizierten Ausbildung der Tiere. Seit Anfang des Jahres bereits werden Elli und Limited in Berlins Gefängnissen eingesetzt – die beiden Hundedamen haben in ihrem Dienst neun Datenträger erschnüffelt. Es sei naturgemäß schwer zu sagen, ob das viel oder wenig sei, hieß es am Donnerstag.
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An Nutzen und Kosten der Hunde gibt es auch Kritik
Kritik am Nutzen der Hunde wird jedoch kaum ausbleiben. So wurden nach Angaben der Justizverwaltung im vergangenen Jahr insgesamt 11.360,47 Gramm Rauschgift in Berlins Justizvollzugsanstalten entdeckt. Der Anteil der seit anderthalb Jahren aktiven Drogenspürhunde an diesen Funden war allerdings äußerst gering.
„Die justizvollzugseigene Hundestaffel wurde anstaltsübergreifend bis Ende November 178-mal eingesetzt“, erklärte die Justizverwaltung zuletzt der Berliner Morgenpost. Zur Einordnung: Für den Erwerb der Hunde – inklusive der jeweiligen Ankaufuntersuchungen – wurden 10.052,83 Euro und für den Unterhalt bis Ende November 8358,36 Euro entrichtet.
Justizverwaltung schwört auf eigene Hundestaffel
In der Justizverwaltung schwört man dennoch auf die eigenen Schnüffler. Justizeigene Suchhunde seien flexibel verfügbar und könnten unauffällig eingesetzt werden. Denn das Eintreffen fremder Hundestaffeln etwa der Polizei, bleibe häufig von den Gefangenen nicht unbemerkt, sodass sie Vorkehrungen treffen können, wie beispielsweise ihre Drogen und USB-Sticks in der Toilette herunterzuspülen.
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Und wie reagieren die Insassen sonst so auf die niedlichen Vierbeiner? „Ganz unterschiedlich, da ist alles dabei“, erzählte einer der Hundeführer. „Einige nennen uns Tierquäler, andere haben Angst und gehen den Tieren aus dem Weg.“ Die meisten aber seien begeistert und wollen die Hunde einfach nur streicheln. Elli und Limited wissen eben, wie Charmeoffensive geht – auch bei der Arbeit.








