- Immer wieder rücken Berliner Clans ins öffentliche Interesse
- Besonders die Namen Remmo, Abou-Chaker und Al-Zein tauchen immer wieder auf
- Die wichtigsten Infos zur Clan-Kriminalität in Berlin im Überblick
Kriminelle Clans und Großfamilien, die bandenmäßig in der Welt der Organisierten Kriminalität unterwegs sind , halten mit Prostitution, Drogenhandel und spektakulären Raubüberfällen Polizei und Medien auf Trab. Neben Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen ist Berlin dabei unumstritten eines der großen Clan-Zentren in Deutschland. Besonders der Bezirk Neukölln gilt hier als Revier der primär kurdisch- und arabischstämmigen Großfamilien, deren Mitglieder durch Verbrechen vielfach zu Reichtum, Macht und Einfluss gekommen sind.

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Welche Familien stecken in Berlin hinter dem oft genutzten Begriff „Clan-Kriminalität“? Wie funktionieren sie? Welche Verbrechen werden ihnen zugerechnet? Und warum ist es so schwer, erfolgreich gegen sie vorzugehen? Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.
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Was ist Clan-Kriminalität?
Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) handelt es sich bei Clans um „ethnisch abgeschottete Subkulturen“, patriarchalisch und hierarchisch organisiert und mit eigener Werteordnung und eigenem Ehrencodex abseits des deutschen Rechtssystems. Die Mitglieder dieser mafiös durchstrukturierten Gruppierungen definieren sich dabei vor allem durch ihre gemeinsame Herkunft und Familienzugehörigkeit und davon abgeleitet durch die maximale Loyalität gegenüber ihren Anführern und Verwandten.
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Woher kommen die Clans?
Die meisten der Familien haben ihren Ursprung im arabischen Raum, im Libanon, teilweise in der Türkei und in kurdischen Gebieten. Mitglieder der heutigen Clans wurden oft in ihren Heimatländern verfolgt und wanderten deswegen – besonders während des Bürgerkriegs im Libanon zwischen 1975 und 1990 – nach Deutschland aus. Hier wurden sie als Geflüchtete nur geduldet und durften nicht arbeiten. Kritiker sehen ihre Hinwendung zum Verbrechen daher auch als Ergebnis verfehlter deutscher Integrationspolitik. In Teilen waren die Großfamilien allerdings auch schon in ihren Heimatländern kriminell aktiv.
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Mit 314 besitzen die meisten der 685 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft. Weitere 106 Personen sind libanesische Staatsbürger. Bei 78 ist die Staatsbürgerschaft ungeklärt beziehungsweise unbekannt. 63 besitzen einen deutschen und libanesischen Pass, 31 werden unter „sonstige“ aufgelistet, 28 sind Türken, 19 deutsch-türkisch. Weitere 19 Personen haben einen deutschen und türkischen Pass. 19 sind staatenlos, 16 sind syrische Staatsbürger.
Welche Familien agieren in Berlin?
In Berlin stehen dreizehn arabische und kurdische Großfamilien im Verdacht, Teil der Organisierten Kriminalität zu sein. Aufgrund ihrer Präsenz in den Medien und ihren oft spektakulären Verbrechen sind der breiten Öffentlichkeit aber vor allem die Familien Remmo, Abou-Chaker, Miri und Al-Zein bekannt.
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Der Remmo-Clan
In den vergangenen Jahren beherrschte oftmals der Remmo-Clan (auch Remmo-Clan) die Schlagzeilen. So waren Mitglieder dieser ursprünglich aus Südostanatolien stammenden Familie nicht nur am aufsehenerregenden Raub der 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Bode-Museum im Jahr 2017, dem Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden im Jahr 2019 und einem Geldtransporter-Überfall auf dem Kurfürstendamm im Jahr 2021 beteiligt. Außerdem fielen die oftmals schillernden Remmos auch aufgrund von Diskussionen über ihre Villen in Berlin und Brandenburg und den Besitz eines Tiger-Babys auf. Clan-Chef ist Issa Remmo, Vater von mindestens 13 Kindern.

Der Abou-Chaker-Clan
Bekanntheit erlangte die palästinensischstämmige Großfamilie Abou-Chaker – die mit den Remmos verfeindet sein soll – vor allem aufgrund ihrer Verstrickungen in die Rapper-Szene und ihrer stilisierten Auftritte im so genannten Bushido-Prozess. Oberhaupt Arafat Abou-Chaker lag in mehreren Verfahren mit dem Rapper Bushido (bürgerlich: Anis Ferchichi) im Rechtsstreit. Abou-Chaker-Clan hatte Bushidos Karriere auch mit krummen Mitteln gefördert, Arafat Abou-Chaker agierte gar als sein Manager.

Der Miri-Clan
Der Miri-Clan kam infolge der Flüchtlingsbewegung im Libanon-Krieg in den frühen 80er-Jahren nach Deutschland. Es handelt sich bei ihm weniger um unmittelbar verwandte Personen als um Angehörige und Nachfahren einer Volksgruppe, die aus ihrem Siedlungsgebiet an der syrisch-türkischen Grenze vertrieben wurde. Der Miri-Clan ist zwar auch in Berlin aktiv, seinen Schwerpunkt hat er jedoch in Niedersachsen. Clanchef Ibrahim Miri wurde bekannt, als er nach seiner Abschiebung 2019 medienwirksam wieder nach Deutschland zurückkehrte und Asyl beantragte.

Der Al-Zein-Clan
Der Al-Zein-Clan ist mit mehr als 10.000 Mitgliedern die am weitesten verzweigte kurdisch-arabische Großfamilie in Europa und in Deutschland neben Berlin vor allem im Ruhrgebiet aktiv. Ihr inzwischen in die Türkei ausgewanderter Anführer, Mahmoud Al-Zein, ist auch als „Der Pate von Berlin“ bekannt. Bei einem damals bundesweit für Schlagzeilen sorgenden Einbruch in die Juwelierabteilung des KaDeWe im Jahr 2014 arbeiteten die Täter aus der Al-Zein-Familie vermutlich mit dem Miri-Clan zusammen.
Wie viele Clanmitglieder gibt es in Berlin?
Insgesamt wird die Zahl der Clan-Mitglieder in Berlin auf etwa 10.000 Mitglieder geschätzt. Die Remmos mit vielleicht 500 Mitgliedern und die Abou-Chakers mit rund 300 Mitgliedern gehören somit zu den kleineren Familienverbünden, als eine der größten gilt die Familie Al-Zein. Experten und Beobachter betonen jedoch immer wieder, dass bei weitem nicht alle Familienmitglieder kriminell sind, sondern eher nur ein kleiner Teil.
Welche Verbrechen werden den Clans zugeordnet?
Den Großteil ihres Vermögens machen die Clans in Berlin wahrscheinlich mit dem Drogenhandel, hinzu kommen Einnahmen aus manipulierten Spielautomaten sowie der Herstellung und dem Verkauf von illegalem Shisha-Tabak und vielfach auch Sozialbetrug. Aber auch vor schweren Straftaten wird nicht Halt gemacht.

Im Jahr 2025 ermittelte die Berliner Staatsanwaltschaft in insgesamt 952 Fällen gegen Mitglieder der Familien. Bei den meisten Fällen handelte es sich mit 219 (23 Prozent) um Rohheitsdelikte, gefolgt von sonstigen Straftatbeständen (182 oder 19,12 Prozent) und Diebstahl (149 oder 15,65 Prozent). Dahinter folgen Verkehrsstraftaten, strafrechtliche Nebengesetze, Vermögens- und Fälschungsdelikte, Straftaten gegen die sex. Selbstbestimmung und Straftaten gegen das Leben.
Wo liegen die Schwierigkeiten im Kampf gegen die Clans?
Die Schwierigkeiten zeigen sich besonders gut in der aktuellen Debatte um vereinfachte Abschiebungen. In der Regel sind die Clan-Mitglieder deutsche Staatsbürger, die man schlicht nicht abschieben kann. Viele andere sind außerdem staatenlos, sie können also nach deutschem Recht selbst als verurteilte Straftäter nur ausgewiesen werden, wenn man ihnen ihr Herkunftsland auch zweifelsfrei nachweisen kann – was in der Praxis kaum möglich ist.
Das illegal erwirtschaftete Vermögen der Clans wird zudem oft durch den Kauf von Luxusimmobilien und Luxusautos oder die Investitionen in Imbisse, Spätis oder Barber Shops gewaschen.











