Clan-Kriminalität

„Pate von Berlin“ lud zu Familienclan-Hochzeit in Mülheim

Zur Hochzeit eines Familienclans in NRW war die Polizei mit Großaufgebot angerückt. Eingeladen hatte Mahmoud Al-Zein. Doch wer ist er?

„Der Pate von Berlin“: Mahmoud Al-Zein ist der Kopf des Libanesen-Clans Al-Zein (Archivfoto).

„Der Pate von Berlin“: Mahmoud Al-Zein ist der Kopf des Libanesen-Clans Al-Zein (Archivfoto).

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Mülheim.  Mit einem Großaufgebot an Kräften hat die Polizei am Sonntagabend eine Hochzeitsfeier in Mülheim begleitet. Auch die Mülheimer Verwaltung beobachtete die Situation genau: Eine Feier dieser Größenordnung habe es in Mülheim ihres Wissens noch nicht gegeben, hieß es.

Zwei Familienclans, deren Mitglieder teilweise auch mit der Organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht werden, feierten in der „Grand Eventhalle“ an der Weseler Straße in Mülheim an der Ruhr. Die „libanesischen Großfamilien“ seien den Beamten einschlägig bekannt, sagte eine Polizeisprecherin.

Clan-Hochzeit in Mühlheim – das Wichtigste in Kürze:

  • In Mülheim begleitete die Polizei eine Clan-Hochzeit
  • Sie war mit einem Großaufgebot vor Ort
  • Bei dem Brautvater soll es sich um den „Paten von Berlin“ handeln

Und das ist auch nicht verwunderlich: Die auf Deutsch und Arabisch verfasste Einladungskarte wies den Bräutigam und die Braut zwar nur mit Vornamen aus. Weitaus bemerkenswerter ist der Name des Brautvaters: Mahmoud Al-Zein ist kein Geringerer als der „Pate von Berlin“, eine der schillerndsten Figuren der arabischen Clans in Deutschland.

Mahmoud Al-Zein ist selbst ernannter Unterweltkönig

Der Mann, der sich in TV-Reportagen selbst „Unterweltkönig“ genannt hat, gilt als einer der einflussreichsten Köpfe der Szene in Deutschland. Dem Al-Zein-Clan gehören mehrere Tausend Personen an.

Videos und Fernsehberichte von der spektakulären Beerdigung des ermordeten Berliner Intensivtäters Nidal R., zu der im September 2000 Trauergäste aus ganz Deutschland kamen, zeigen neben anderen Clan-Paten auch Mahmoud Al-Zein, genannt „El Presidente“ – umrahmt von zum Teil maskierten Bodyguards. Vor einigen Monaten, so heißt es, soll der „Pate von Berlin“ ins Ruhrgebiet gezogen sein. Nidal R. wurde im September auf offener Straße erschossen.

Bräutigam H. aus Essen ist nicht nur der Schwiegersohn des Clan-Chefs, sondern zugleich auch sein Neffe. Er und sein Bruder betrieben über mehrere Jahre ein inzwischen geschlossenes Szene-Lokal. Eine Adresse, die immer wieder durch Razzien von Polizei und Ordnungsamt in die Schlagzeilen geraten war.

Verbindungen ins Rocker-Milieu

Die massive Polizeipräsenz bei der Hochzeitsfeier in der „Grand Eventhalle“ in Mülheim hat vielen eingeladenen Gästen offenbar überhaupt nicht gefallen. Ein Insider berichtet: „Einige Leute hatten Angst, dass die Polizei ihre Personalien feststellen würde, deshalb sind sie gar nicht erst gekommen. Viele Tische sind leergeblieben.“

Offenbar gibt es auch Verbindungen zum Rocker-Milieu. Augenzeugen berichten, dass Rocker unter den Hochzeitsgästen waren. Allerdings seien sie bei der Feier nicht in Kutten, sondern völlig unauffällig in Zivil aufgetreten.

Die beiden Brautleute, sind Verwandte. Verwandtenheiraten sind bei arabisch-libanesischen Familienclans wie der Volksgruppe der Mhallami weit verbreitet. Eheschließungen außerhalb der Clans sind die Ausnahme – ein Verhalten, das hauptsächlich dem Selbstschutz der Großfamilien dienen soll.

Die so genannten Mhallami stammen ursprünglich aus der südostanatolischen Region nahe der Stadt Mardin. Von dort zogen sie zunächst in den Libanon. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs in den 1970er Jahren sind sie verstärkt nach Deutschland geflüchtet – noch zu Erich Honeckers Zeiten nutzten sie das „Loch“ in der Berliner Mauer, um nach der Landung auf dem DDR-Flughafen Schönefeld in West-Berlin politisches Asyl zu beantragen.

Die meisten Mhallami in Essen, Bremen und Berlin

Die meisten Mhallami konzentrieren sich auf drei Städte: Berlin, Essen und Bremen.In den vergangenen Jahrzehnten haben sich Teile dieser Großfamilien eine abgeschottete Welt geschaffen, in der das Gesetz des Schweigens gilt und Friedensrichter eine eigene Paralleljustiz etabliert haben.

Der Großteil der Familienmitglieder versuchen sich mittlerweile in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Eine allerdings sehr aktive Minderheit gehört in den genannten Städten zum harten Kern der Intensivtäter, deren Aktivitäten von Ermittlungsbehörden wegen des Verdachts der Geldwäsche, des Drogenhandels und der Schutzgelderpressung intensiv verfolgt werden.

Vor diesem Hintergrund ist der Großeinsatz der Polizei bei der Hochzeit in Mülheim zu verstehen, die von mehreren Einsatzhundertschaften begleitet wurde. Auf sämtlichen Ausfallstraßen rund um die Festhalle wurden die Gäste kontrolliert.

Die Polizei erklärte in einem Facebook-Posting: „Wir versuchen die Beeinträchtigungen für die Feierlichkeiten so gering wie möglich zu halten, dulden aber keine Machtdemonstrationen.“

Drei Hochzeitsgäste mit zur Wache genommen

Insgesamt kontrollierte die Polizei nach eigenen Angaben mehrere hundert Personen und 160 Autos. Einige der Gäste landeten dann auch nicht in der Eventhalle – sondern auf der Polizeiwache: „Drei Personen wurden für weitere Ermittlungen mit zur Wache genommen“, meldete die Polizei am späten Abend auf Facebook.

Eine von ihnen habe eine scharfe Schusswaffe bei sich gehabt, hieß es aus der Pressestelle. Ihnen würden außerdem Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Fahrerlaubnisrecht vorgeworfen. Gegen einen 38-Jährigen habe zudem Haftbefehl vorgelegen.

„Null-Toleranz-Strategie“ der NRW-Regierung

Die NRW-Regierung hat sich jüngst eine „Null-Toleranz-Strategie“ hinsichtlich etwaiger krimineller Umtriebe von Großfamilien auferlegt und vor allem in allen betroffenen Städten den Fahndungs- und Kontrolldruck verstärkt.

In Berlin hatten die Behörden jüngst 77 Immobilien eines Clans wegen des Verdachts auf Geldwäsche beschlagnahmt. Mit einem Fünf-Punkte-Plan will die Hauptstadt künftig gegen arabische Clans vorgehen. Auch im Ruhrgebiet hatte es zuletzt Festnahmen gegen den Miri-Clan gegeben.

Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen.

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