Mit einem Lächeln im Gesicht verließ Firas Remmo an den wartenden Reportern vorbei das Amtsgericht Neukölln: Dabei war seine Familie am Donnerstagmittag zur baldigen Räumung einer Villa im Neuköllner Ortsteil Alt-Buckow verurteilt worden. Zudem ordnete die Richterin bei der Urteilsverkündung eine Geldzahlung an.

„Das Amtsgericht Neukölln hat entscheiden, dass die Beklagte die Immobilie samt Grundstück in Berlin-Buckow an den Kläger geräumt herauszugeben hat,“ erklärte eine Gerichtssprecherin, „darüber hinaus hat die Beklagte einen Betrag von 6800 Euro für nicht gezahlte Mieten an den Kläger zu zahlen.“

Die Beklagte könne die Vollstreckung zwar gegen Zahlung von 10.2000 Euro abwenden, wenn jedoch nicht vor der Vollstreckung der Kläger seinerseits Sicherheit in dieser Höhe leistet.

Remmo-Clan in Berlin: Eine von 77 beschlagnahmten Immobilien

Firas Remmo verlässt den Gerichtssaal nach Urteilsverkündung im Amtsgericht Neukölln.
Firas Remmo verlässt den Gerichtssaal nach Urteilsverkündung im Amtsgericht Neukölln. © Florian Boillot | Florian Boillot

Zuvor war ein Sohn des mutmaßlichen Clanoberhaupts Issa Remmo mit einem Beistand in einer schwarzen Lederjacke beschwingt die Treppe zum Gerichtssaal empor geschlendert. Das Urteil nahm er ohne sichtbare Regung zur Kenntnis, fragte lediglich die Richterin, ob das Urteil noch schriftlich zugehe, was sie bejahte. Danach floh Firas Remmo samt Begleitung vor Reportern in ein nahe gelegenes Restaurant.

Erst am Dienstag hatte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Berliner Polizei die Villa durchsucht. Im Zuge der Razzia wurden ein 19-Jähriger und ein 23-Jähriger vorläufig festgenommen. Sie sollen im Dezember in einem Neuköllner Baumarkt sechs Akkus gestohlen und gefährliche Körperverletzungen begangen haben.

Beamte der Berliner Polizei, darunter auch Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos (SEK), haben am Dienstagvormittag die Villa des Remmo-Clans in Berlin-Neukölln durchsucht.
Beamte der Berliner Polizei, darunter auch Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos (SEK), haben am Dienstagvormittag die Villa des Remmo-Clans in Berlin-Neukölln durchsucht.© BM

Das Haus im Neuköllner Ortsteil Buckow gehört zu 77 Immobilien, welche die Berliner Staatsanwaltschaft 2018 beschlagnahmt hatte. Diese wurden nach Überzeugung der Behörde nicht mit legalem Geld gekauft. Nun ist das Land Berlin Eigentümerin der Immobilie, das Bezirksamt Neukölln zuständig das Grundstück.

Nachdem die Familie im November 2021 eine Frist zum Auszug verstreichen ließ, zog der Bezirk vor Gericht. Aus seiner Sicht ist der Mietvertrag gefälscht, die Familie bestreitet dies. Auch die laut Bezirk nicht getätigten Mietzahlungen seien geleistet worden, erklärten die Beklagten beim Prozessauftakt im März 2022. Zwei Brüder aus der Familie sagten bereits vor dem Amtsgericht aus, welches das Urteil verschob.

1700 Euro monatlich für die Villa in Neukölln

Ein Sohn des Clanoberhaupts Issa Remmo soll das Haus im Jahr 2012 im Alter von 19 Jahren und ohne nennenswerte Einkünfte gekauft haben. Nach der Beschlagnahmung und Einziehung wurden die Remmos von Eigentümern zu Mietern. An der Gültigkeit des Mietvertrages hatte sich durch den Eigentümerwechsel zunächst nichts geändert. Angeblich betrug die Miete für 400-Quadratmeter-Villa 1700 Euro monatlich.

Gegen Mitglieder der Remmo-Familie wird immer wieder ermittelt, der Vorwurf der Clan-Kriminalität steht im Raum. Sächsische Ermittler sind überzeugt, dass der Juwelendiebstahl in Dresden 2019 auf das Konto des Clans gehe. Zwei insgesamt sechs der in Dresden Angeklagten verbüßen bereits eine Jugendstrafe wegen des ebenfalls spektakulären Diebstahls einer riesigen Goldmünze 2017 aus dem Bode-Museum in Berlin.

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