Spektakulärer Überfall

KaDeWe-Raub: Lange Haft für Mitglied von Großfamilie

Das 57 Jahre alte Clan-Mitglied war nach Überzeugung der Richter in die Planungen des KaDeWe-Raubs im Dezember 2014 involviert.

Mitten im Weihnachtsgeschäft war im Dezember 2014 das Luxuskaufhaus KaDeWe überfallen worden

Mitten im Weihnachtsgeschäft war im Dezember 2014 das Luxuskaufhaus KaDeWe überfallen worden

Foto: REUTERS

Berlin. Fast drei Jahre lang hat sich die Berliner Justiz mit dem spektakulären Raubüberfall auf das Luxuskaufhaus KaDeWe im Dezember 2014 beschäftigt. Am Montag endete der dritte und zumindest vorerst letzte Prozess mit einer hohen Haftstrafe. Eine Große Strafkammer am Landgericht Moabit verurteilte Zaki Al-Z., Oberhaupt einer polizeibekannten Berliner Großfamilie, zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und elf Monaten.

In dem Urteil sind gleich zwei Tatkomplexe vereint. Der 57-jährige Al-Z. war nach Überzeugung der Richter nicht nur maßgeblich in die Planungen und Vorbereitungen des KaDeWe-Raubes eingebunden, er hat zudem offenbar auch einen Mord in Auftrag gegeben. Da das Opfer schwer verletzt überlebte, wurde Al-Z. wegen versuchter Anstiftung zum Mord verurteilt.

Ihre Erfolge in beiden Ermittlungskomplexen verdanken Polizei und Staatsanwalt dem seltenen Glück, wertvolle Informationen durch Insider im Bereich der organisierten Kriminalität (OK) erhalten zu haben. Für die OK-Fahnder waren die Ermittlungen von Anfang an ein einziges Auf und Ab. Tatverdächtige wurden festgenommen und aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen, um dann am Ende doch hinter Gittern zu landen – in den meisten Fällen zumindest. An die Täter des KaDeWe-Raubes gelangten die Ermittler über das von Zeugen registrierte Kennzeichen des Fluchtautos. Dessen Halter entschloss sich auszupacken. In einem ersten Verfahren wurden vier Täter, darunter zwei Söhne von Zaki Al-Z., zu Haftstrafen von bis zu sechseinhalb Jahren verurteilt. In einem weiteren Prozess um den spektakulären Raubüberfall gelang es der Staatsanwaltschaft schließlich, die im OK-Milieu auch in Berlin übliche „Mauer des Schweigens“ zu durchbrechen. Einer der Mitangeklagten, Ali H., der durch die Videoaufnahmen von dem Raub als „Mann mit der Machete“ bekannt war, packte ebenfalls aus. Er räumte nicht nur seine Tatbeteiligung ein, sondern nannte auch Zaki Al-Z. als Drahtzieher.

Motiv war offensichtlich Rache und Streit um eine Frau

Damit nicht genug, der Kronzeuge berichtete zudem über eine weitere Tat, bei der er Zaki Al-Z. ebenfalls als Drahtzieher ansah. Das Clan-Oberhaupt, so sagte H. aus, habe einen Mord in Auftrag gegeben. Grund: Die Zielperson des geplanten Mordanschlags soll einem Mitglied der Großfamilie die Frau ausgespannt haben. Ali H. war nach eigenen Angaben einer der beiden Männer, die mit dem Racheakt betraut wurden. Für das Scheitern der Tat hatte H. eine skurril anmutende Geschichte parat. Sein Komplize und er hätten die Tat letztlich doch nicht ausführen wollen, beim Mordanschlag habe sein Komplize dabei absichtlich „nur“ auf die Beine des Opfers gezielt. Zaki Al-Z. sei über den missglückten Mordanschlag erzürnt gewesen, daher fürchte jetzt auch er um sein Leben, gab H. den Ermittlern gegenüber bei seinen Aussagen an. Das Urteil von Montag ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision ist möglich.

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