1. Bundesliga

Rakete verfehlte Polters Familie nur knapp

Im Hauptstadt-Derby verwandelt Polter kurz vor Schluss einen Elfmeter. Vorher hatten Pyro-Attacken für eine Unterbrechung gesorgt.

Sebastian Polter jubelt über seinen Elfmeter-Treffer zum 1:0.

Sebastian Polter jubelt über seinen Elfmeter-Treffer zum 1:0.

Berlin. Als längst wieder Ruhe eingekehrt war in der Alten Försterei, wankte Sebastian Polter zwischen purer Freunde und großer Sorge. Klar, da war sein Elfmetertor in der 90. Minute, das den Bundesliga-Aufsteiger aus Köpenick mit einem 1:0 (0:0) gegen den Lokalrivalen zum Stadtmeister kürte.

„Ich wusste vom ersten Moment an, dass ich links oben einschießen werde“, sagte Polter und gab zu: „Doch es war kein guter Elfmeter, weil der Torwart noch dran gewesen ist.“ Polters Schuss war für Herthas Rune Jarstein jedoch zu stark geschossen, als dass er ihn hätte halten können.

Auf der anderen Seite wurde seine Familie beinahe Opfer des Pyro-Irrsinns, den es während des gesamten Spiels aus dem Hertha-Block gegeben hatte. Kurz nach Wiederanpfiff stand die Partie sogar vor dem Abbruch, Schiedsrichter Deniz Aytekin (Oberasbach) musste für gut fünf Minuten unterbrechen, weil es auch im Union-Block lichterloh brannte.

Raketen verfehlten nur knapp Polters Familie

Aus dem Hertha-Block flogen die Raketen sogar auf den Rasen, in Richtung Union-Trainerbank – und auch auf die Haupttribüne, wo sie in der ersten Halbzeit Polters Kinder samt Freundin nur knapp verfehlten. „Gott sei Dank ist nichts passiert, aber der Schreck ist natürlich bei meinen Kindern groß“, erzählte Polter. Pyros, so der Union-Stürmer, gehörten zwar „zum Stadtderby dazu, doch es muss gewährleistet sein, dass niemand verletzt wird“. Freundin und Kinder verfolgten das Derby vom Vip-Bereich aus weiter.

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Ein sportliches Feuerwerk auf dem Rasen blieb vor 22.012 Zuschauern in der ausverkauften Alten Försterei jedoch aus. Weil Hertha über weite Strecken viel zu passiv agierte und Union geduldig auf die Chance wartete die sich in der Schlussphase bieten sollte. „Das Spiel plätscherte dahin, ohne dass wir Torchancen hatten“, bilanzierte Hertha-Coach Ante Covic. Herthas Manager Michael Preetz war bedient: „Es war ein mehr als gebrauchter Abend“. Und Stürmer Vedad Ibisevic sprach von einem „scheiß Ende“.

Auf der anderen Seite gab es natürlich strahlende Gesichter. Unions Kapitän Christopher Trimmel freute sich darüber, „dass wir das Spiel für den Verein und die Fans gewinnen konnten. Ich hatte nie das Gefühl, dass es noch schief gehen könnte.“ Das sah sein Trainer ähnlich. „Ich habe der Mannschaft schon in der Pause gesagt, dass ich nie das Gefühl hatte, dass wir verlieren würden. Doch so lange es 0:0 steht, kann immer etwas passieren.“

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Kopfball von Lenz an den Pfosten nach drei Minuten

Damit nichts passiert, hatten beide Trainer nach den erfolgreichen Pokalauftritten unter der Woche wieder zurückrotiert. Union-Coach Fischer ließ sein Team im 3-4-3 agieren, Herthas Covic stellte ein 4-4-2 mit Vedad Ibisevic und Dodi Lukebakio als Doppelspitze. Mit zwei Stürmern hatte Hertha zuletzt Mitte September bei der Niederlage in Mainz gespielt.

Doch am Sonnabend ließ Hertha Union agieren, und der Aufsteiger legte stürmisch los. Nach drei Minuten köpfte Christoper Lenz an den Pfosten, kurz darauf war ein Kopfball von Marcus Ingvartsen bei Hertha-Torwart Rune Jarstein Endstation. Die Köpenicker waren Herr im eigenen Haus, angetrieben vom erneut starken Robert Andrich, jedoch im letzten Spieldrittel zu ungenau. Christian Gentner (24.) und erneut Ingvartsen (45.+1) scheiterten an Jarstein.

Hertha wurde erst gefährlich, wenn es über die Flügel und die schnellen Javairo Dilrosun sowie Marius Wolf ging. Ansonsten wirkte die Covic-Elf erstaunlich passiv. Erst nach 36 Minuten kam Hertha zu so etwas wie einer Chance. Marko Grujic setzte einen Kopfball aus elf Metern auf das Tornetz.

Herthas Boyata foult Unions Gentner – Elfmeter

Auch nach dem Seitenwechsel machte vor allem Union Druck. Es dauerte bis zur 60. Minute, bis die Gäste mal wieder vor Union-Torwart Rafal Gikiewicz auftauchten. Nach einem Union-Einwurf hatte der ansonsten wirkungslose Ibisevic den Ball nach vorn zu Lukebakio gedroschen. Herthas Rekordeinkauf, schneller als Union Neven Subotic, konnte von Keven Schlotterbeck vor dem Strafraum nur per Foul gebremst werden. Löwen setzte den fälligen Freistoß über das Tor (65.). Doch für Hertha war es ein Signal. Nach Lukebakios Flügellauf verpasste Ibisevic dessen Hereingabe nur knapp (70.).

Fischer brachte in der Schlussphase Polter für Sebastian Andersson (80.), Covic dann Salomon Kalou für Ibisevic (82.). Doch es war Unions Joker, der stach, nachdem Dedryck Boyata im Strafraum Christian Gentner von den Beinen geholt hatte.

Schiedsrichter Aytekin entschied auf Elfmeter und blieb nach Ansicht der Videobilder auch bei seiner richtigen Entscheidung. Hertha-Coach Covic reagierte trotzig: „Die Bundesliga besteht aus 34 Spieltagen, nicht aus einem Spiel. Und ohne bösartig zu klingen: Kurz auf die Tabelle schauen – wir liegen immer noch vor Union.“

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