Herthas Pokal-Gegner

Patrick Ebert zurück in Berlin – Die Erinnerung kickt mit

Bei Hertha galt Dresdens Patrick Ebert als Zukunftshoffnung, doch seine Karriere verlief turbulent. Über eine emotionale Rückkehr.

Bei Dynamo Dresden zählt Patrick Ebert zu den Leistungsträgern. Für Hertha BSC machte er einst 109 Bundesligaspiele.

Bei Dynamo Dresden zählt Patrick Ebert zu den Leistungsträgern. Für Hertha BSC machte er einst 109 Bundesligaspiele.

Foto: Robert Michael / picture alliance/dpa

Berlin. Natürlich kribbelt es, wie soll es auch anders sein? Dass Patrick Ebert zum letzten Mal an jenem Ort auflief, der einst sein Wohnzimmer war, liegt schließlich eine gefühlte Ewigkeit zurück. „Ich werde mit großer Freude in meine Heimatstadt zurückkehren“, sagt der Profi von Dynamo Dresden vor dem DFB-Pokalspiel bei seinem Ex-Klub Hertha BSC (Mittwoch, 20.45 Uhr, Sky): „Es wird mit Sicherheit ein geiles Spiel.“

Geile Spiele hat Ebert (32) in Berlin zuhauf erlebt, mehr noch, die Stadt hat ihn geprägt wie nichts anderes. Durch die Härte in den Fußball-Käfigen zwischen Kreuzberg und Wedding, durch die Verlockungen der Großstadt auch, und, na klar, durch Hertha BSC.

Jos Luhukay sortiert den Mittelfeldspieler bei Hertha aus

Seit er 1998 im Nachwuchs des Bundesligisten andockte, galt Ebert als eines der vielversprechendsten Talente der Hauptstadt. Er, Kevin-Prince und Jerome Boateng, Änis Ben-Hatira, Ashkan Dejagah und Chinedu Ede lieferten den Stoff für Berliner Kicker-Träume. Die jungen Wilden, vom Bolzplatz in die Bundesliga, frech, rau und unangepasst, ohne falschen Respekt, dafür gern mit dicker Hose. Ein urbanes Fußballmärchen.

Während es die Gebrüder Boateng nach ihrem Weggang aus Berlin zu Weltruhm und Titeln brachten, verlief Eberts Karriere zwar bunt, aber weniger glamourös. Nachdem ihn der damalige Hertha-Coach Jos Luhukay 2012 aussortiert hatte, stand Ebert nach Engagements bei Real Valladolid (Spanien), Spartak Moskau (Russland) und Rayo Vellecano (wieder Spanien) 2017 ohne Vertrag da. „Ich habe meine Chancen falsch eingeschätzt und zu viele Sachen abgesagt“, hat er später mal erzählt.

Guter Draht zu Hertha-Zugang Wolf

Seit er 2018 in die Zweite Liga nach Dresden wechselte und zum Führungsspieler wurde (38 Pflichtspiele, vier Tore, zwei Vorlagen), sind diese schwierigen Zeiten verblasst. Berlin hingegen hat ihn nie losgelassen. Zu seinen alten Weggefährten hat er noch immer Kontakt, vor allem zu Kevin-Prince Boateng. Der wiederum freundete sich bei Eintracht Frankfurt mit dem heutigen Hertha-Profi Marius Wolf an und machte auch Ebert und Wolf miteinander bekannt. Natürlich hätten sie vor dem direkten Duell miteinander „gequatscht“, erzählt der Neu-Berliner, „wir quatschen eigentlich jede Woche.“

Dass Eberts sportliches Glück nach vier Zweitligapleiten in Serie ausgerechnet vor der Rückkehr in die alte Heimat bröckelt, will Wolf nicht zu hoch hängen: „Patrick ist ein erfahrener Spieler, er kann damit umgehen. Er weiß schon, wie die Situation ist und dass man da nicht verrückt werden darf, sondern einfach weiter macht.“ So wie er es schon früher auf den Bolzplätzen Berlins getan hat. Die Erinnerung kickt mit.